Das Relegationsdrama auf der Bielefelder Alm

Und dann kam Elton

Wie konnte das passieren? Arminia Bielefeld hatte das Relegationshinspiel in Darmstadt mit 3:1 gewonnen und sah vor dem Rückspiel wie der sichere Sieger aus. Doch auf der heimischen Alm gelang dem Zweitligisten nichts mehr. 11FREUNDE-Redakteur Jens Kirschneck war dabei.

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Wäre das Opfer nicht aus Stoff gewesen, man hätte den Tierschutzbund alarmieren müssen. Jedenfalls hatte die Frau auf der Haupttribüne schon lange keine Liebe mehr für das kleine Glücksschwein in ihren Händen übrig. Sie quetschte es. Knetete es. Würgte es. Und dann kam Elton da Costa. Als kurz darauf alles vorbei war, musste die Frau von einer Freundin zitternd vom Block geführt werden, das emeritierte Glücksschwein immer noch verzweifelt an ihre Brust gepresst.

Wie hatte das nur passieren können?

Sie war nicht die einzige, in der in diesem Moment etwas zerbrochen war. Vierschrötige ostwestfälische Männer weinten. Andere rauchten stumm vor sich hin, mit wächsernen Zügen. Wieder andere rauchten und weinten. Sie alle konnten nicht glauben, dass ihr Verein, der doch eigentlich schon so gut wie gerettet war, ohne Not den Klassenerhalt hergeschenkt hatte. Zur allgegenwärtigen Trauer und Leere bildeten die ausgelassen mit ihren Anhängern feiernden Darmstädter einen gespenstischen Kontrast. Die Bielefelder aber fragten sich: Wie um alles in der Welt hatte das nur passieren können?

Die Ausgangsposition hätte für Arminia Bielefeld günstiger nicht sein können. Vor ein paar Wochen war der Verein schon so gut wie abgestiegen, dann hatte die Mannschaft wieder angefangen zu gewinnen, unter zum Teil spektakulären Umständen: 4:1 in Bochum, 3:2 im sogenannten Abstiegsendspiel in Dresden, 3:1 im Relegationshinspiel in Darmstadt. Nun musste sie einfach nur noch 90 Minuten halbwegs schadlos überstehen. Vielleicht war dies das Problem.

Kurzer Exkurs in Fußballpsychologie: Normalerweise gehen Fußballer auf den Platz, um Dinge geschehen zu lassen. Aktionen generieren und erfolgreich abschließen, darum dreht sich das Spiel. Die Bielefelder aber waren nicht im Mindesten daran interessiert, dass etwas passiert.

Es herrschte eine allseitige Vorfreude

Vom Anpfiff an wünschten sie sich nichts sehnlicher, als dass der Schiedsrichter sofort wieder abpfeift, sie führten ja bereits 3:1. Wenn man aber auf diese Weise ein Fußballspiel angeht, können 90 Minuten lang werden. Sie wurden sehr lang. Am Ende wurden es sogar 120.

Dabei war alles bereitet: Das Stadion war ausverkauft, der Sommer in der Stadt und die Fans bildeten mit schwarzen, weißen und blauen Quadraten eine riesige Choreographie. Mit dem 3:1 aus dem Hinspiel im Rücken herrschte eine allseitige Vorfreude, der sich auch die Darmstädter gerne anschlossen, die nach einer überraschend erfolgreichen Saison einfach noch ein bisschen Spaß haben wollten.

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