11.04.2013

Das Rebellenduell der 80er: Schuster vs. Breitner

Engelchen und Teufelchen

Seite 3/4: »Als Putzer von Breitner bin ich mir zu schade«
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Dass Breitner wie viele große Führungsspieler ein Problem damit haben würde, einen anderen Leitwolf an seiner Seite zu akzeptieren, stand außer Frage. Als im Sommer 1980 der FC Bayern offen über die Verpflichtung von Bernd Schuster nachdachte, verkündete Breitner in einer Kolumne in der »Welt«: »Bei der derzeitigen Konstellation der Mannschaft ist es gar nicht notwendig – jedenfalls dann nicht, wenn unser Spiel einigermaßen läuft – jemanden zu holen, der mich entlastet.« Insbesondere nicht den eigenwilligen Oberschwaben Schuster, der in Köln schon als 20-jähriges Greenhorn seinen Trainer Karl-Heinz Heddergott als »Amateur« beschimpft hatte.

»Wenn es richtig kracht, spiele ich am besten«

Wie ein blonder Jung-Siegfried war er Ende der Siebziger auf der Fußballbühne erschienen. Ausgestattet mit Fähigkeiten wie kaum ein deutscher Spieler vor ihm. Ein Künstler, jung genug, um noch in den fernen Neunzigern die Nationalelf anzuführen. Doch wie viele große Künstler war auch er ständig in Gefahr, seinen Nimbus durch seine Egozentrik zu beschädigen. Jahre später gab er zu: »Wenn es zu eintönig wurde, habe ich gezündelt, Theater gemacht. Ich dachte, wenn es richtig kracht, spiele ich am besten.« Während er in Spanien zu »Don Bernardo« avancierte, mit dem FC Barcelona und Real Madrid drei Meistertitel gewann, haftete ihm in Deutschland stets das Image des beratungsresistenten Trotzkopfs an. Schuster war beileibe nicht der Erste und auch nicht der Letzte, dem die muffige Sportschulenphilosophie, die der Verband damals seinen Auswahlspielern noch zu vermitteln versuchte, antiquiert erschien. Diplomatie war nun mal nicht seine Stärke. Warum auch? Man erwartete von ihm doch, dass er auf dem Rasen seinen Kopf durchsetzte. Und so blieb er für die Deutschen bis zum Ende seiner Laufbahn ein Mysterium. Der verlorene Sohn.

Ursprung für dieses Image war der Eklat im Ludwigsburger Schlosshotel. Schuster ging nach seinem Rauschmiss massiv in die Gegenoffensive. Er wolle sowieso nicht mehr für eine Mannschaft spielen, in der sie nur »noch breitnern und rummeniggen«. Eine Länderauswahl, die ihm entspräche, wäre ein Team, indem es nicht zweierlei Menschen gibt: »Herren und Schuhputzer. Ich heiße zwar Schuster, aber als Putzer von Breitner bin ich mir zu schade.«

Es kann nur einen geben

Erst vier Wochen zuvor war es zum ersten Aufeinandertreffen der beiden Antipoden im DFB-Dress gekommen. Nachdem Derwall es den Spielern überlassen hatte, die Hierarchie in der exklusiven Viererkette zu bestimmen, nahm Breitner Hansi Müller, Felix Magath und Bernd Schuster beiseite, griff sich ein paar Streichhölzer, legte diese als Spielsystem auf den Tisch und sagte: »Passt auf, wir machen es am besten so.«

Der gebieterische Gestus des Routiniers brachte den stolzen Schuster sofort auf die Palme. Er fühlte sich schlicht »untergebuttert«. Als die beiden dann Seite an Seite im WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich in Hamburg aufliefen, regelte Schuster die Angelegenheit mit seinen Mitteln. Beim 2:0-Sieg war er der überragende Mann. In einer symbolhaften Szene nahm er dem ballführenden Breitner, als dieser versuchte, Tempo aus dem Spiel zu nehmen, das Leder vom Fuß und beschleunigte. Nach dem Spiel diktierte er in die Mikrofone: »Wir können nicht so langsam spielen. Ich bin doch nicht der Rasenmäher für den Paul.«

 
 
 
 
 
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