Das Rebellenduell der 80er: Schuster vs. Breitner

Engelchen und Teufelchen

Im Frühling 1981 trafen in der Nationalelf zwei geniale Exzentriker aufeinander: Bernd Schuster und Paul Breitner. Aber das Joint Venture der Begnadeten ging gehörig schief.

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Spezial-Nr. 3

Schuld war wie so oft der Alkohol. Die Posse, die sich in den frühen Morgenstunden des 20. Mai 1981 in einer Ludwigsburger Hotellobby ereignete, erinnerte in vielem an einen bierseligen Komödienstadl. Protagonisten, die sich munter die Klinke in die Hand gaben, fehlgeleitete Telefonanrufe und Verwechslungen, die einem Peter-Alexander-Schwank in nichts nachstanden. Es hätte alles so lustig sein können, wenn dort im Schlosshotel Monrepos nicht eine Grundsatzentscheidung für den deutschen Fußball gefallen wäre. Die Entscheidung, nicht auf Bernd Schuster als neuen Vordenker der Nationalelf zu setzen.

Der »blonde Engel« hatte an diesem Abend unbedingt in Stuttgart im Freundschaftsspiel gegen Brasilien dabei sein wollen. Zico, Cerezo, Sócrates – der Wildfang wollte sich endlich mit den besten Spielern der Welt messen. Dafür hatte der 21-Jährige sogar eine Ausnahmegenehmigung seines Arbeitgebers FC Barcelona erwirkt. Er durfte jedoch nur eine Halbzeit auflaufen, weil die Katalanen ihn tags drauf für ein wichtiges Pokalspiel benötigten. Der Abend verlief entsprechend gehetzt.
Schuster hatte ganz passabel gespielt, er verließ den Platz nach 45 Minuten beim Stand von 1:0 für Deutschland. Während er in den Katakomben duschte, gelang es der Selecao jedoch, das Spiel in ein 1:2 zu drehen.

Schuster begeht »Fahnenflucht«

Nach dem Schlusspfiff lud Hansi Müller die ganze Truppe zur House-Warming-Party in seinen Neubau ins nahegelegene Feuerbach. Als die Mannschaft dort mit dem Bus vorfuhr, rief Schuster, ohnehin kein großer Freund alkoholschwangerer Geselligkeit, Keeper Toni Schumacher zu, er möge ihn bei Nationaltrainer Jupp Derwall entschuldigen. Er fahre jetzt ins Hotel, schließlich müsse er morgen früh um 6 Uhr im Flieger nach Spanien sitzen.

Bei der »Blauen Stunde« im Müller’schen Partykeller aber vergaß Deutschlands Nummer eins, dem Coach die Nachricht zu überbringen. Als Derwall im Dunst des umlagerten Tresens das Fehlen seines schwererziehbaren Legionärs feststellte, schwadronierte er beim Herrengedeck von »Fahnenflucht« und ließ sich von Hansi Müller das Telefon reichen. Er wählte sich durch ins Hotelzimmer der Schusters. Als dort Gattin Gaby abhob und mitteilte, ihr Mann sei bereits eingeschlummert, blökte der sonst eher umgängliche Coach: »Sie üben einen schlechten Einfluss auf den Bernd aus, zum nächsten Länderspiel braucht er erst gar nicht zu kommen!«

Udo Lattek falsch verbunden

Gegen halb drei kehrte die Mannschaft zurück ins Hotel. Den dort wartenden Journalisten rief Derwall zu: »Es gibt etwas zu verkünden – bestellt mir schon mal ein Bier.« Während er zum Richten seiner Silberlocke das Zimmer aufsuchte, erschien Schuster in der Lobby. Paul Breitner schlenderte vorbei und hub mit ironischem Unterton in Richtung des Kollegen an: »So, da is’ er ja!« Und der verdatterte Schuster, inzwischen unterrichtet, teilte den anwesenden Reportern mit: »Derwall ist stocksauer. Aber wenn er wegen so einer kleinen Sache so überzogen reagiert, hat es ohnehin keinen Sinn mehr, zur Nationalelf zu kommen.«

Nun überschlugen sich die Ereignisse. Udo Lattek – am Abend ebenfalls Gast bei Hansi Müller – übernahm die Rolle des Schlichters. Er ließ sich vom Concierge telefonisch in Derwalls Zimmer durchstellen, sonderte einen Entschuldigungsmonolog auf Schuster ab, an dessen Ende er ein verschlafenes »Ist okay« aus dem Hörer vernahm. Freudig teilte Lattek dem Ehepaar Schuster mit, es sei alles geregelt. Der Bundestrainer habe seine Meinung geändert und werde den Regisseur zum nächsten Länderspiel wieder einladen. Was Lattek zu diesem Zeitpunkt nicht ahnte: Sein Anruf war vom Hotelempfang zu einem Herrn Diewald statt zu Derwall durchgestellt worden. Der verschlafene Hotelgast hatte das Anliegen des erregten Anrufers wortlos angehört und freundlich durchgewunken, um schnell ins Reich der Träume zurückzukehren. Als Schuster am frühen Morgen in Spanien ankam, empfingen ihn bereits Reporter mit den Fragen nach seiner Suspendierung.

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