Das neue Gesicht der Bremer
28.11.2008

Das neue Gesicht der Bremer

Wo sind alle?

Vier Jahre sind vergangen, seit Werder Bremen Meisterschaft und Pokal gewann. Heute fast undenkbar. Nach Klasnics Abgang ist Thomas Schaaf ein einziger Spieler aus der Mannschaft geblieben, mit der einfach alles klappte.

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Der Torwart

Andreas Reinke kam als erfahrener und kompletter Torhüter zu Werder Bremen. Er spielte eine Saison nahezu fehlerfrei. Ersetzt wurde Reinke durch Tim Wiese. Ein deutscher Nationaltorwart, was eigentlich genug über ihn aussagt. Er sollte gut genug sein für ein Spitzenteam. Aussetzer sind allerdings auch bei Wiese drin – gerade in wichtigen Spielen.
 


Die Innenverteidigung

Ähnlich wie heute setzte man in der Meistersaison auf die großen Jungs. Valérien Ismaël kam als 28-Jähriger aus Straßburg an die Weser. Zusammen mit dem Serben Mladen Krstajic, der bereits die dritte Saison bei Werder spielte, bildete er von Anfang an die wohl souveränste Innenverteidigung der Liga. Die Saison 2003/2004 sollte die einzige  sein, die die beiden zusammen spielen konnten. Kristajic wechselte nach der Meisterschaft zu Schalke 04. Ein Jahr später war auch Ismaëls Zeit bei Werder vorbei. Der FC Bayern lockte den Franzosen nach München. Die Bremer Innenverteidigung ist seitdem nie wieder so sicher geworden. In der Zwischenzeit wurden mehrere Verteidiger geholt. Fahrenhorst oder Andreasen schlugen nie so ein wie die beiden Türme vor dem Tor von Andreas Reinke. Pasanen, seit 2004 bei Werder, wird meist als Außenverteidiger eingesetzt. 2005 kam Naldo, 2006 Mertesacker. Spieler, die sicher in jeder Mannschaft gerne gesehen werden. Wer Naldos Spiel nicht mag, kann eigentlich keinen Fußball mögen, doch nervenaufreibend ist es allemal. Werder Bremen konnte mit Ismaël und Krstajic eine 1:0-Führung über die Zeit bringen – heute braucht man das in Bremen nicht einmal zu versuchen.
 
Die Außenverteidigung

In der Meistermannschaft hatte man mit Paul Stalteri einen Mann fürs Grobe, dem zwar nicht immer eine Qualitätsflanke gelang, der aber nahezu jeden Zweikampf für sich entschied. Ümit Davala kam als türkischer Nationalspieler aus Istanbul. Er war zwar verletzungsanfällig, doch wusste seine Klasse in der Bundesliga auszuspielen. Auch Christian Schulz besetzte die Position des Außenverteidigers. Heute gibt es mehrere Kandidaten, die auf den Außenbahnen in Frage kommen. Boenisch, Tosic und Fritz passen wohl am besten auf die Position. Immer wieder müssen jedoch Pasanen und Prödl als gelernte Innenverteidiger aushelfen. In den ersten beiden Jahren überzeugte Clemens Fritz, der seit der EM noch nicht wieder in Form gekommen ist. Mit Petri Pasanen hat man durchaus einen Abwehrspieler von internationaler Klasse. Für Vorstöße, die man von einem Außenverteidiger erwartet, ist der Finne allerdings nicht bekannt. Das kann Boenisch besser, der hinten jedoch zu viel verspielt. Patrick Owomoyela und Pierre Womé wurden abgegeben. Mit etwas mehr Glück wären mit ihnen die beiden Rollen besetzt gewesen.

Das Mittelfeld

Baumann ist das was bleibt. Der Kapitän von heute und von damals übernimmt nach wie vor die Rolle des zentralen Defensiven in der Werder-Raute. Für die Meister von 2004 mit Ernst, der wohl die Saison seines Lebens spielte, Borowski, Lisztes und natürlich Micoud, gibt es heute Özil, Jensen, Frings, immer mal wieder Vranjes – und Diego, der gehobene Weltklasse spielt aber kein Micoud-Double ist. Das Mittelfeld lässt nach wie vor die Herzen höher schlagen. Effektiver ist das Spiel jedoch nicht geworden. Spieler wie Lisztes und Micoud brauchten maximal zwei bis drei Berührungen bevor der Ball im Lauf eines Stürmers war. Noch immer ist Werder in der Lage schnell nach vorne zu spielen und Fußballfeste wie gegen Bayern oder Hoffenheim zu feiern, dennoch hat sich mit dem Personal auch das Spiel verändert.

Der Sturm

Im Meistersturm war Ailton, der 2003/2004 eine Klasse für sich war, gesetzt. 28 Tore gingen auf das Konto des Brasilianers, der nach der Spielzeit zu Schalke wechseln sollte. Auch für Klasnic lief es sensationell gut. Schnell war klar, dass er neben Ailton stürmen sollte. Angelos Charisteas und Nelson Valdez standen in der zweiten Reihe bereit. Gerade Valdez überraschte im Titelrennen. Wenn Ailton mal nicht traf, traf er. Die vier ersten Stürmer in der aktuellen Saison sind allesamt Nationalspieler. Mit Pizarro wurde sogar ein Ausnahmespieler zurück geholt. Die Durchschlagskraft und den Instinkt von Klasnic, und die Schnelligkeit eines Ailtons von 2004, fehlt jedoch bei Sanogo, Almeida und Rosenberg.
 
Dass sich etwas ändern muss bei Werder, um wieder in Richtung Europa zu starten, ist nicht erst seit gestern klar. Dass es wieder eine Saison gibt, in der einfach alles klappt, ist sehr unwahrscheinlich – doch vielleicht wartet Werder bis dahin ab.
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