Das neue EM-Logo in der Stilkritik

Irres Blumenkind

Die UEFA hat das EM-Logo 2012 feierlich enthüllt. Grell und bunt ist sie geworden, die visuelle Identität des Turniers in Polen und der Ukraine. Begründet wird das mit Apatschen-Romantik. Eine Stilkritik mit Winnetou-Tränen. Das neue EM-Logo in der Stilkritik Nachdem sich die Kreativszene vor der WM 2006 noch fleißig »Happy Pills« eingeschmissen hatte, scheint die neue Modedroge in Fußball-Designerkreisen nun offenbar LSD zu sein. Ein Ball, der aus Tulpen wächst? Es wird noch besser. Das irre Farbspektakel des neuen EM-Logos wird von offizieller Seite mit einer gedrechselten Naturromantik begründet, die selbst Winnetou zu Tränen gerührt hätte: »Grün steht für die Waldgebiete, gelb für die Sonne, blau für das Wasser und den Himmel«, spricht die UEFA.

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Grün ist die Heide!

»Uff, uff«, möchte man auf apatschisch hinzufügen. Prosa, wie sie der Förster vom Silberwald höchstselbst in den Stamm einer hundertjährigen Eibe hätte schnitzen können.

Grün ist die Heide, bunt das Logo. Die Hintergrundfarbe (»Brombeer-Lila«) drückt dem hippiesken Tulpen-Ensemble den letzten Stempel auf. Offenbar in einer Kiewer Kiff-Kommune mit Fingerfarben-Experimenten zur Blüte gereift, ist das Logo der EM 2012 ein kruder Mix aus holländischer Gartenschau und psychedelischem Horrortrip.

Was haben Tulpen eigentlich mit Fußball zu tun? (Vom Zusammenhang zu den ausrichtenden Nationen Ukraine und Polen ganz zu schweigen.) Früher, als noch Hasen mit Stirnband und fette Jungs mit Sombrero als Maskottchen fungierten, gab es auf den offiziellen Emblemen der Turniere vor allem Fußbälle zu sehen, ergänzt durch die stilisierten Länderflaggen der Veranstalter. Seitdem wird der Fußball immer kleiner, das Drumherum und Tamtam immer fülliger – bald könnte das Spielobjekt vollends aus den Logos verschwinden.

Wo sind die männlichen Farbtöne hin?

Zugegeben: Für die EM 1980 musste schon einmal eine Blume herhalten. Aber wer interessierte sich damals schon für Logos? Außerdem: Wo einst urmännliche Farbgebung vorherrschte (Dunkelblau! Schwarz! Höchstens noch ein bisschen Stier-Knallrot...), werden nun Töne zusammengepanscht, die nicht mal der bebrillte Streber aus der Parallelklasse im Tuschkasten hatte. Brombeer-Lila! Nicht mal der FC Venus spielt in Brombeer-Lila!

Überhaupt ist so eine Fußball-Großveranstaltung mittlerweile ein vom Scheitel bis zur Sohle durchgestyltes Marketing-Ungetüm. Ebenso obligatorisch wie schwer erträglich ist der EM-Slogan, den es im Dezember 2009, knappe 30 Monate vor EM-Start, natürlich auch bereits gibt. Nachdem 2008 in Österreich und der Schweiz noch »Emotionen erlebt« wurden, können sich alle europäischen Fans schon einmal darauf gefasst machen, dass in zweieinhalb Jahren im Osten unseres Kontinents »Geschichte geschrieben« wird. »Gemeinsam« zumal. Ein Motto, wie es nicht schöner über einem SPD-Parteitag oder einem Historikerkongress prangen könnte.

In Anbetracht dieser Vorgabe von ganz oben verwundert die Schlagzeile auf uefa.com auch nicht mehr, die Logo-Vorstellung habe für »große Euphorie« gesorgt. Machen wir uns also auf kollektive Entrückung und Massenhysterie gefasst, wenn der Tulpenball dann tatsächlich über den Rasen rollt. Nur noch 905 Tage bis zum Anpfiff.

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