03.06.2013

Das Maracana ein Jahr vor der WM

Hübsch gemacht

Überall Bauschutt, Steine, Gerüste: Rio de Janeiros Maracana sei nicht spielfertig, hieß es vor wenigen Tagen. Kurzerhand sagte eine Richterin das Freundschaftsspiel gegen England ab. Doch dann wurde alles gut. Ein Ortsbesuch.

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Marco Tripmaker
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Marco Tripmaker

Da ist sie wieder. Zum Verlieben. Rio de Janeiros U-Bahnstimme. »Maracanã«, singt sie eher, als dass sie spricht. Und dann fährt die Metro ein und spuckt tausende Menschen mit gelb-grünen Trikots auf den Bahnsteig. Nun kann man es sehen, dieses imposante Estádio Municipal do Maracanã, Brasiliens Fußballtempel, der nach mehr als zwei Jahren Umbau heute mit dem Spiel der Seleção gegen England eröffnet werden soll.
 
»Wir können ja froh sein, dass es überhaupt angepfiffen wird«, erzählt Rogerio, ein Besucher, der mit seiner Frau vor dem Stadion eifrig Erinnerungsfotos schießt. Am Donnerstagabend sah die Lage noch anders aus. Das Freundschaftsspiel wurde abgesagt. Die Richterin Adriana Costa dos Santos war der Überzeugung, um das Stadion liege nach wie vor zu viel Bauschutt herum und dieser könnte von den Zuschauern als Waffe benutzt werden.

Die seltsame Stadion-Posse
 
Ganze sechs Stunden dauerte ihre Verfügung an, bis eine andere Richterin, Gracia Cristina Moreira Rosenkranz, sie wieder aufhob. Die Regierung des Bundesstaats Rio de Janeiro legte zugleich einen Bericht der Militärpolizei vor, nach dem die Sicherheit bei dem Spiel gewährleistet werden könne.
 
Nicht wenige Brasilianer vermuten, dass Frau Costa dos Santos jetzt irgendwo weit abseits des Zuckerhuts ihrer Tätigkeit nachgehen muss. Zu groß war diese Blamage – später als bürokratischer Fehler entschuldigt – ein Jahr vor der WM und zwei Wochen vor dem Start des Confederations Cup in Brasilien.
 
Das geputzte Rio
 
Nun ist jedenfalls alles gut. Für das Spiel gegen England hat man die kleinen Baulöcher vor dem Stadion zugeschüttet und mit Grassoden bedeckt, ganze Heerscharen von Gärtnern setzten zudem am Vortag noch Pflanzen in die Beete. Und auf den riesigen Rampen von der Metro zum Maracanã stehen hunderte Polizisten und Sicherheitsleute und weisen den Weg zu den richtigen Stadionabschnitten. Fans mit Waffen sieht man nicht. Dafür unzählige Besucher, die sich gegenseitig fotografieren. Das ist keine Selbstverständlichkeit in einer Gegend, in der bis vor ein paar Jahren selbst Taxifahrer ein ungutes Gefühl hatten, ihre Fahrgäste rauszulassen. Wenn diese dennoch darauf bestanden, mahnten die Fahrer sie zu regelmäßigen Schulterblicken.
 
Es hat sich auch andernorts eine Menge getan in Rio. Schließlich stehen zwei Großereignisse an: Die WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016. Es gibt quasi keine Stelle in der Stadt, wo kein Polizist zu sehen ist. Dafür gab es in den vergangenen Monaten auch Kritik, denn die Regierung ließ regelmäßig Armenviertel säubern. Viele Bewohner wurden vertrieben oder müssen mit Räumungen rechnen. Zuletzt machte sich die Regierung unbeliebt, weil sie rigoros gegen das seit 2006 besetzte Indianermuseum am Maracanã vorging. Das Resultat: Ein glänzendes Viertel und eine beliebte Joggingstrecke um das Stadion. Alles zum Wohle für die Touristen.

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