Das Lachen im Keller

Steve McClaren muss gehen

Dass Steve McClaren beim VfL Wolfsburg entlassen wird, war eigentlich nur eine Frage der Zeit. Jetzt haben die Wölfe reagiert. Doch woran ist der Brite gescheitert? Vielleicht an seinem Humor. Das Lachen im Keller

Steve McClaren gilt gemeinhin als spaßiger Geselle. Vor wenigen Monaten, sein Klub VfL Wolsburg hinkte den hoch gesteckten Erwartungen des Großsponsors gewaltig hinterher, gab McClaren ein Interview zum Thema Mannschaftsführung. »Für ein Fußballteam ist Humor überaus wichtig«, philosophierte der Brite trotzig gegen die allgemeine Untergangsstimmung in der Autostadt an. Das Problem: Zum Lachen war da beim VfL Wolfsburg schon lange niemandem mehr zumute. 

[ad]

Die Mannschaft wurde mit Millioneninvestitionen aufgepumpt, in der Saisonvorbereitung verglich man sich schon mit dem FC Bayern, man wollte mit McClaren endlich Spaß haben wie im Meisterjahr 2009. Doch der VfL rumpelte vom ersten Spieltag an durch die Saison. Zumindest dort konnte man Parallelen zum Rekordmeister ausmachen, allerdings solche, die die Klubführung nicht sonderlich erheiterten. McClaren blieb seinem Humor treu.

McClarens Motto: Smile, smile, smile


Anfangs hielten sogar nicht wenige hielten den Winterverkauf von Edin Dzeko für einen Scherz. Wenn auch einen schlechten. Auch die Auftritte seiner Mannschaft konnten noch so deprimierend sein, McClaren rang sich am Ende immer ein Lächeln ab. Es war, als wolle er sagen: »So what? Probieren wir es nächste Woche eben noch einmal!« Doch Wolfsburgs zusammen gewürfelte Mannschaft kam mit den lockeren Erziehungsmethode des Trainers nicht klar. Dass beim VfL ohnehin jeder mache, was er wolle und nicht das, was er von Vertragswegen solle, wurde schon in der Hinrunde hinter vorgehaltener Hand gemurmelt. Mittlerweile ist die Mannschaft sogar dazu übergegangen, die neuesten Slapstickeinlagen öffentlich vorzuführen. Aktuellstes Beispiel ist die Elfmeter-Posse um Diego, dem die Fantasiestrafe von 100.000 Euro auch nur ein müdes Lächeln kosten dürfte. Ein Angriff auf McClarens Autorität. Und ein letztes Alarmsignal.

McClaren wollte sein Team zum Lachen bringen

McClaren ist in Wolfsburg an vielen Dingen gescheitert: an den Ansprüchen, einem disziplinlosen Kader, einer phasenweise wahllos wirkenden Kaderzusammenstellung, vielleicht aber auch an der eigenen Humorthese. Denn Spaß passt im Fußball nur, wenn es richtig superduper läuft. In Dortmund haut man sich feixend auf die Schulter, in Mainz jazzen die Bruchweg Boys die Eckfahnen weg, in Hannover liegen sich sogar Mirko Slomka und Jörg Schmadtke in den Armen. Party ist da okay, wo oben ist. Bei Misserfolg darf man allenfalls grimmig drein schauen, herum schimpfen oder aufmunternd in die Hände klatschen. Niemand geht zum Lachen in den Keller. Schon gar nicht in den Tabellenkeller. 

Dort findet sich der VfL derzeit allerdings wieder. Nur ein Punkt trennt die Wölfe vom Relegationsplatz – das nennt man Abstiegskampf. Eine Katastrophe für eine Mannschaft, die eigentlich für die Champions League aufgepimpt wurde. Lachen, McClarens Waffe, wirkt in dieser Situation deplatziert. Deswegen haben Verantwortlichen die Notbremse gezogen.

»Die besten Trainer, die ich kennengelernt habe, haben es immer geschafft, ihr Team zum Lachen zu bringen«, sagte McClaren einst. Er wollte auch Wolfsburg zum Lachen bringen und wurde zuletzt nur noch belächelt.

----------

Niemals nichts verpassen! Bestelle hier den 11freunde.de-Newsletter kostenlos und auf Lebenszeit!

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!