Das Halbfinale am Ballermann 6

In der Vorhölle

Deutscher als in Deutschland ist es nur am Bierkönig auf Mallorca. Dort feiern Fans mit Schnaps, Sangria und Gogo-Girls sich und die DFB-Elf. Katrin Schulze begab sich zum Halbfinale in den schwarz-rot-goldenen Schlund. Das Halbfinale am Ballermann 6Imago Palma de Mallorca, die Sonne brennt, das Bier fließt. Auch das ist Deutschland; irgendwie zumindest. Warum das Eiland im Mittelmeer immer noch als beliebtestes deutsches Ferienziel gilt und es von der spanischer Bevölkerung immer wieder Petitionen gegen die lärmenden, nicht selten randalierenden und kotzenden Urlauber gibt, sieht man am besten im »Bierkönig«. Einer, nun ja, sagen wir mal Kneipe, die in Wahrheit eher an ein riesiges Bierzelt auf dem Oktoberfest erinnert – nur etwas primitiver.

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So deutsch wie im Bierkönig ist es wohl nirgendwo in Deutschland. Erst recht nicht während eines WM-Halbfinales. Deutsche Fahnen, deutsche Girlanden und schwarz-rot-golden verzierte Körper wohin man schaut. Schon vier Stunden vor Spielbeginn ist der Bierkönig recht ordentlich gefüllt; drei Stunden vorher bekommt man keinen Platz mehr. Die Leute drängen sich sogar auf den Treppen, um wenigstens einen Winkel der Leinwand sehen zu können. Deutschland hat sich breit gemacht in Spanien, dem Land des Gegners. Im Hintergrund laufen die tiefgründigen Hits der Mallorca-Barden: Mickie Krause, Peter Wackel und wie sie alle heißen.

Warum tut man sich das freiwillig an?

Gegen 19 Uhr wird die Mucke zugunsten der Vorberichterstattung abgedreht. Und gegen 19.30 Uhr proben einige Spanier die Revolution: Mit einer Polonaise ziehen sie durch das Lokal, werden aber schnell von penetranten »Buuuh«-Rufe vertrieben. Und auch danach: Gegröle und Geschrei, dessen genauer Wortlaut hier aus Gründen des Jugendschutzes nicht wiedergegeben werden kann oder aufgrund stark eingeschränkten Artikulationsvermögens schon vor dem Spiel nicht mehr zu identifizieren ist.

Es ist laut, es ist eng und es riecht nach einer Mischung aus Frittenfett und Schnaps. Das alles bei 30 Grad im Schatten. Warum man sich das freiwillig antut? »Es macht Spaß in der Gemeinschaft zu schauen und hier ist es nicht so extrem wie auf den Fanmeilen«, sagt ein Feierwütiger. »Unsere Flüge haben wir extra so gelegt, dass wir zum Halbfinale hier sind.«

Go-go-Girls springen auf die Tische

Blöd nur, dass die Begegnung dann so gar nicht nach den Vorstellungen der Deutschen läuft. Spanien drückt auf dem Feld, Deutschland quetscht sich im Bierkönig. Von Minute zu Minute werden die Sprechchöre leiser. Beim Tor durch Puyol ist es im Bierkönig in der Hauptsaison so still wie sonst nur Anfang Januar. Einzig die Angestellten, sie müssen wohl Spanier sein, jubeln kurz auf, ehe sie wieder die praktischen Ein-Liter-Gläser an die trauernden Gäste verteilen. 12,50 Euro kostet der Liter des neuen Trend-Getränks Wodka-Sprite. Doch selbst damit erholen sich die Deutschen nicht mehr – das Spiel ist aus, Deutschland ist nicht Weltmeister. Und nun?

Go-go-Girls springen zur Animation auf die Tische, aber nicht mal nackte Hüften helfen an diesem Abend. Zumindest nicht im Bierkönig. Draußen, vor der deutschen Feieroase, hingegen feiern die Spanier. Feuerwerkskörper fliegen in die Luft, spontane Autokorsos schlängeln sich hupend die engen Straßen entlang, vorbei am Bierkönig, vorbei am Oberbayern. Hier auf Palma de Mallorca, Spanien.

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