Das Gänsehaut-Spiel zwischen Frankfurt und Dortmund

Darauf eine Conga-Schlange

Der Meister aus Dortmund und der Lehrling aus Frankfurt trennen sich in einem furiosen Spiel mit 3:3. 90 Minuten Fußball, die vor allem eines waren: Werbung für die deutsche Bundesliga.

Man muss Wolff-Christoph Fuss nicht mögen. Der Kommentator hat seinen eigenen, manchmal ziemlich dick aufgetragenen Reporter-Stil, wenn er in Fahrt ist, holterdiepoltern frisch gemixte Phrasen durch den Äther und es lässt sich schwer unterscheiden, ob Fuss das Spiel auf dem Platz oder sich selbst feiert. Was man dem Journalisten allerdings nicht absprechen kann, ist seine Begabung, die großen Momente eines Fußballspiels so zu verdichten, dass man sich schon dagegen wehren muss, eine Gänsehaut zu bekommen. Insofern war es natürlich eine gute Wahl der » Sky«-Entscheider Wolff Fuss für das Spitzenspiel zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund einzusetzen (in der Konferenz-Schalte). Beim furiosen 3:3 zwischen dem Aufsteiger und dem Deutschen Meister musste Fuss Schwerstarbeit verrichten. So viele Gänsehaut-Momente in 90 Minuten hat der deutsche Ligafußball schon lange nicht mehr erlebt.

»Es wäre normal, wenn wir verlieren«

Dabei sah es zunächst ganz danach aus, als ob die Vorhersage von Eintracht-Trainer Armin so zuverlässig eintreffen würde, dass man Veh auch eine Karriere als Tarotkarten-Leger im Nischenfernsehen zutrauen konnte. »Es wäre normal«, hatte Veh gesagt, »wenn wir verlieren.« Durch Tore von Piszczek und Reus führte der BVB nach 28 Minuten mit 2:0 und die Reporter auf den Presseplätzen bemühten sich in Gedanken schon nach eleganten Umschreibungen vom Meister, der dem Lehrling in die Schranken weist. Dann war Pause. Dann kam Veh und sprach zu seinen Leuten. Es ist ein Jammer, dass wir Außenstehende immer nur vermuten können, was sich in solchen Minuten in den Kabinen abspielt. (Wo bleiben eigentlich die Richtmikrophone wie in den Auszeiten beim Hand- oder Basketball?) Was auch immer Veh sich für die Halbzeitansprache ausgedacht hatte, es trug Früchte.

Vier Minuten war die zweite Halbzeit alt, als Frankfurt die weit aufgerückten Dortmunder rasend schnell auskonterte, Takashi Inui Stefan Aigner bediente und der mit einem herrlichen Tor das 1:2 erzielte. Auftritt Wolff Fuss: »Das sind eigentlich Tore, die Borussia Dortmund gerne so schießt.« Treffer, versenkt. 97 von Fuss handgestoppte Sekunden später hatte die Eintracht ausgeglichen, 2:2 durch einen Kopfball des 1,70 Meter großen Inui. Vorbereitet von Stefan Aigner. Der Japaner und der gebürtige Münchener hatten das Spiel gedreht. Was für eine herrliche länderübergreifende Kombination in Zeiten, wo in den Oktoberfestzelten Japaner und Deutsche um die Wette saufen!

Wolff Fuss machte aus Bamba Anderson den Nachfolger von Ballack und Hrubesch

Die Gänsehaut-Festspiele waren damit offiziell eröffnet, in der 54. Minute vernaschte Mario Götze den etwas hüftsteifen Bamba Anderson (der bereits beim Tor von Piszczek tüchtig mitgeholfen hatte) und schob zum 3:2 ein. Klar, dass dieses Spiel eine besondere Pointe brauchte. Also schraubte sich eben jener Anderson in der 73. Minute in die Lüfte und köpfte den 3:3-Endstand. Was erstaunliche Reaktionen im Waldstadion auslöste. Im Dortmunder Block standen die Münder offen, die Frankfurter feierten sich in wilden Jubel-Conga-Schlangen über die Tribünen, Wolff Fuss verpasste Anderson fix einen Ruf a lá Ballack/Klose/Hrubesch (»Wenn er ins Laufen kommt, ist er nicht zu stoppen!«), Jürgen Klopp klinkte sich den Unterkiefer aus und fletschte anschließend so lange die Zähne in Richtung des vierten Unparteiischen, bis der ihn bei Schiedsrichter Florian Meyer verpetzte und etwa drei Sekunden vor dem Abpfiff auf die Tribüne geschickt wurde.

3:3. Zwischen dem Aufsteiger und dem Deutschen Meister von 2011 und 2012. In der aktuellen Ausgabe von 11FREUNDE spricht Bayern-Präsident Uli Hoeneß im Interview auch über die Möglichkeiten der Vermarktung von deutschem Fußball in China. »Wir werden Einfluss auf die DFL nehmen, dass sie dort hinsichtlich der Übertragungsrechte mehr Gas gibt.« Falls Hoeneß noch ein hübsches Bewerbungsvideo benötigt, sollte er sich die Aufzeichnung von Eintracht Frankfurt gegen Borussia Dortmund am 5. Spieltag der Saison 2012/13 besorgen. Und vielleicht kann Wolff Fuss ja auch chinesisch.

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