Das Experiment Christoph Daum droht zu scheitern

The Biggest Loser

Eigentlich war Christoph Daum gekommen, um Eintracht Frankfurt in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Jetzt droht das Experiment mit dem »Messias« zu scheitern. Die Eintracht steht vor dem Abstieg – und Daum könnte zum großen Verlierer werden. Das Experiment Christoph Daum droht zu scheitern

Vielleicht sind die Deutschen einfach dämlich.
Sie lachen über die Witze von Mario Barth. Sie schunkeln zur Musik von Lena Meyer-Landruth. Einige von ihnen haben sogar mal Guido Westerwelle gewählt. Und irgendwann den Fußball-Trainer Christoph Daum zum Messias ausgerufen.

Die Sache ist doch die: Mario Barth ist so lustig wie ein Eimer Asbest, Lena Meyer-Landruth lässt Ohren bluten, Guido Westerwelle ist der schlechteste Außenminister seit der bedingungslosen Kapitulation und Christoph Daum ist alles, nur kein Messias. Wenn es ganz dumm läuft für Daum, dann führt er seinen neuen Arbeitgeber Eintracht Frankfurt zielstrebig in die zweite Liga. Dagegen wäre für die leidgeplagten Eintracht-Fans  selbst eine Insel mit den einzigen Bewohnern Mario, Guido und Lena die reinste Wohltat.

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»Er macht seine Sache sehr gut hier«, lobte Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen vor gut einem Monat und verriet auch warum: »Er ist jeden Morgen vor mir bei der Arbeit.« Das sieht ein Chef natürlich gerne, wenn der neue Trainer schon überpünktlich zum Dienst erscheint. Pünktlichkeit scheint aber auch die einzige Eigenschaft zu sein, die Christoph Daum bislang Schulterklopfen eingebracht hat. Die Spieler erscheinen pünktlich zum Training, stehen zu Spielbeginn pünktlich auf dem Platz – und bekommen pünktlich zum Saisonende die große Flatter.

Hat sich Bruchhagen den falschen Mann ins Haus geholt

Denn seit Daum Trainer in Frankfurt ist, ist die Eintracht von Spieltag zu Spieltag weiter in den Keller der Bundesliga gestolpert. Nach dem 27. Spieltag, als Heribert Bruchhagen Michael Skibbe feuerte, war Eintracht Frankfurt 14. Jetzt, vier Spieltage später, steht die Mannschaft auf Platz 16. Zur Erinnerung; Das ist der ominöse Relegationsplatz, der die stolze Eintracht zu zwei Endspielen gegen den Tabellendritten der 2. Bundesliga nötigen würde. Und Bruchhagen muss sich die Frage gefallen lassen, ob er sich mit dem angeblichen »Messias« Christoph Daum nicht den falschen Mann ins Haus geholt hat.

Es war von Anfang an ein Experiment, das Bruchhagen einging, als er vor einem Monat völlig überraschend die Verpflichtung von Christoph Daum bekannt gab. Daum gilt spätestens seit seiner Zeit bei Bayer Leverkusen, als er seine Profis über glühende Kohlen hüpfen ließ und damit sein Ruf als der etwas andere Trainer zementierte, als gefragter Motivator. Hatte er Erfolg, galten seine Methoden als zukunftsweisend und gewinnbringend. Lief es schlecht, schien die inszenierte Fassade des allwissenden Fußball-Lehrers zu bröckeln. Die legendäre Kokain-Affäre verhinderte einst seine Beförderung zum Nationaltrainer, seitdem lebt Christoph Daum eigentlich nur noch davon: Von seinem speziellen Ruf.

In Köln reichten sie dem »Messias« gar ihre Babys

Zwar gewann er mit Austria Wien und Fernerbahce Istanbul noch die jeweilige nationale Meisterschaft und schaffte mit dem 1. FC Köln 2008 den Aufstieg in die 1. Bundesliga, aber der ganz große Wurf wollte Daum in der deutschen Eliteklasse nicht mehr gelingen. Als er 2006 in Köln unterschrieb, feierten ihn die Fans und Medien als Superhelden, schließlich war der FC unter seiner Ägide Ende der achtziger Jahre zweimal Vizemeister geworden; ein Mann reichte dem neuen Coach gar sein Baby, damit Messias Daum es berühre. Dafür konnte Daum zwar nichts, doch missfallen hat ihm der Status als Heiliger auf der Trainerbank dann auch nicht.

Für die Konkurrenz ist er ein Exzentriker, ein bunter Hund und als ausgerechnet der bodenständige Bruchhagen den Neuling Daum der Presse als Retter der Eintracht präsentierte, da soll sich die halbe Bundesliga am Heißgetränk verschluckt haben. Daums Erzfeind Uli Hoeneß giftete sogar in Richtung Frankfurt, Bruchhagen habe wohl »Pulver im Kaffee« gehabt. Eine unnötige Anspielung auf Daums Kokain-Vergangenheit.

Daums Verpflichtung eine »gute und richtige Entscheidung«

Der Eintracht-Boss reagierte prompt und bezeichnete die Verpflichtung Daums als »gute und richtige Entscheidung«. Tatsächlich hatte sich der Frankfurter Macher vom Experiment Daum schnelle Erfolge und damit die Möglichkeit zur vorzeitigen Saisonplanung der kommenden Erstliga-Spielzeit erhofft. Doch nach fünf Spielen, drei Unentschieden und zwei Niederlagen ist die Zukunft der Eintracht offener denn je. Das 0:3 gegen Mainz 05 vom vergangenen Wochenende hat das ohnehin stark lädierte Selbstvertrauen der Frankfurter Profis noch weiter angeknackst. Von einem Motivationsschub, ausgelöst durch den dafür eingekauften Chef-Motivator, sind die Frankfurter jedenfalls so weit entfernt, wie Christoph Daum vom Job des Nationaltrainers.

Hilflos wankte da eine Mannschaft über den Platz, die mit dem neuen Trainer scheinbar nicht viel anzufangen weiß. Dem bleiben jetzt nur noch zwei Spiele, um seinen Ruf und die Erstligazugehörigkeit der Eintracht zu retten. Passenderweise hat Daum die Partie gegen den 1. FC Köln am kommenden 33. Spieltag als Schickssalsspiel ausgerufen.

Solch eine Partie, so sagte Heribert Bruchhagen bei der Verpflichtung des neuen Trainers, dürfe man eigentlich erst am letzten Spieltag ausrufen.
Unpünktlichkeit darf man Christoph Daum wirklich nicht vorwerfen.

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