Das Comeback des SV Atlas Delmenhorst

Kreisklasse statt Regionalliga

Der SV Atlas Delmenhorst stand einst im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Heynckes und Matthäus, er spielte Regionalliga. 2012 wurde der Verein in der 1. Kreisklasse neugegründet – und polarisiert seither die Region. Bericht über ein Jahr fast ganz unten.

SV Atlas

Die Gaststätte »Jan Harpstedt« ist eigentlich kein Ort für umjubelte Comebacks. Hier wird noch auf dem Bierdeckel abgerechnet, im Hinterzimmer steht eine Jukebox als Eingang in die Schlagerhölle und am Tresen das Quoten-Trio bierbäuchiger Altherrenkiebitze, den Elfenbeinkamm scheitelnachziehbereit in der Gesäßtasche lagernd. Wer hier zecht, wurde ausgezählt. Weißes Handtuch, technischer K.O. Toupierte Wirtinnen sagen: »Mensch, Erwin, tolles Wetter hast du mitgebacht!« Und Erwin sagt: »Jaja, du mich auch.« In diesem holzvertäfelten Promillekarussel ersteht am 5. April 2012 der SV Atlas wieder auf, Delmenhorst prominenteste Fußballmarke. Zwei Fragen rahmen die unwahrscheinliche Rückkehr: Wird jetzt alles besser? Und kann es überhaupt so gut werden, wie es früher einmal war?

Denn früher war es gar nicht schlecht.

1973 fusionierten FC Roland, VSK Bungerhof und SSV Delmenhorst zum SV Atlas. Der neue Klub stürmte durch die Oberliga Nord und 1981 bis ins DFB-Pokalachtelfinale. Zwar war gegen die von Jupp Heynckes orchestrierte Borussia aus Mönchengladbach Schluss, aber von den Lobeshymnen, die ein gewisser Lothar Matthäus auf die mutigen Amateure sang, erzählt man sich noch heute gern. Danach wusste der SV Atlas die Stadt Delmenhorst endgültig hinter sich. Das Stadion strömte spieltäglich voll und der gelb-blaue Schal baumelte im Küchenfenster neben dem Werder-Wimpel. 1995 schaffte die Mannschaft den Sprung in die Regionalliga Nord, damals immerhin Deutschlands dritthöchste Klasse. Zwei Klassenerhalte später begann der Niedergang.

Abstieg in die Oberliga, harter Aufprall in der Verbandsliga. Der Hauptsponsor verabschiedete sich und kurz darauf Atlas selbst. Heruntergewirtschaftet ging der Verein im Delmenhorster SC auf und an der Insolvenz 2002 endgültig zugrunde. In nur vier Jahren hatten die Narreteien semikompetenter Funktionäre, unter gnadenlosem Zutun des Schicksals, den Regionalligisten aus dem Vereinsregister getilgt. Eintracht Delmenhorst übernahm die Jugendabteilung. Und die Kleinststadt vergaß, wie fußballfiebrig sie sein konnte.

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