Im Halbfinale der Champions League wurde er zur 90. Minute eingewechselt. Nicht irgendwo, sondern im Estadio Santiago Bernabeu. Bei Real Madrid, dem Erzrivalen. Als Abidal das Spielfeld betrat, erhoben sich die Leute von den Rängen und applaudierten. Dass ein Spieler des FC Barcelona in Madrid gefeiert wird, kommt selten vor. Sehr selten. Aber Abidals Schicksal ging weit über sportliche Rivalitäten hinaus. Später, beim Finale in London, übergab Carles Puyol seine Kapitänsbinde nach dem Schlusspfiff an Abidal. Er sollte den Champions-League-Pokal nach dem 3:1-Sieg gegen Manchester United als Erster in Empfang nehmen.
Eine Lebertransplantation war unumgänglich
Abidal schien geheilt. Zur folgenden Saison spielte er wieder regelmäßig und kehrte ins Nationalteam zurück. Dann der erneute Schock im April. Die Krankheit war zurück, eine Lebertransplantation unumgänglich. Ein Spender war schnell gefunden, Abidals Cousin erklärte sich bereit. Der Eingriff war durchaus riskant. Abidal ließ sich jedoch nichts anmerken, er gab sich stark. Was blieb ihm auch anderes übrig? Barcelonas Kader traf die Nachricht anscheinend schwerer als ihn.
Im Team ist der leidenschaftliche Hobbybastler und Rapper sehr beliebt. Er ist es, der vor Spielen in der Kabine die Musik aussucht. Sein Lächeln, seine gute Laune fehlten auf einmal. Als Abidal nach der Operation im Krankenhaus lag, verfassten die Spieler für ihn kleine Zettel mit persönlichen Widmungen darauf. Ein jeder schrieb etwas anderes, nur eines enthielt jeder Brief: Den Wunsch, dass Abidal möglichst irgendwann zurückkehrt. Sechs Monate später, sieht es so aus, als würde sich dieser bald erfüllen.