28.05.2013

Das Champions-League-Finale in Namibia

Alles Arschtörtchen

8415 Kilometer von London entfernt, mitten in Namibia, da scharen zwei Fanclubs die Bundesligaverrückten um sich. Anhänger von FCB und BVB luden am Samstag zum Public Viewing des Champions-League-Finales. Ein Bericht über afrikanische Männer in Lederhose, vererbte Leidenschaften und hinterhältige Bierbänke.

Text:
Alexandra Schröder
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Alexandra Schröder

Windhoek. Es dauert nicht lange, bis der erste Schmähgesang aus der roten Ecke kommt: »Ihr seid nur ein Karnevalsverein«, singt ein Namibier in Lederhose in Richtung der Schwarz-Gelben. Eine BVB-Anhängerin aus Mainz lässt prompt per Handy den Narrhallamarsch ertönen. So ist das in Namibia: Man muss mit allem rechnen.
 
8415 Kilometer weit vom Londoner Wembley-Stadion entfernt, am Rande von Windhoek, da haben sich die Fußballverrückten versammelt, um das Champions-League-Finale anzuschauen. Rund 1200 Leute sind auf Einladung der namibischen Fanclubs von FC Bayern München und BVB Dortmund zum Public Viewing in die SKW-Halle gekommen – ein echtes Großevent für Windhoeker Verhältnisse. Die Wände der Sporthalle sind wild dekoriert, eine Hälfte in schwarz-gelb, die andere in rot-weiß. Dementsprechend haben sich die Fans in Lager aufgeteilt und beschenken sich nun gegenseitig mit Spott.
 
Der Afrikaner in Lederhose ruft: »Du kannst nach Hause fahrn!«

Die Bayern-Anhänger sind in der Überzahl und näher an der Bar, das schreckt die BVBler aber nicht. Sie haben nicht nur die lauteste Trommel, sondern auch die einzige Vuvuzela im Saal. Als die grüne Tröte gerade wieder in die Luft gereckt wird, brüllt ein Bayern-Fan: »Schnappt sie euch!«, aber der Aufruf geht im Jubel über das 1:0 durch Mario Mandzukic unter. »Du kannst nach Hause fahren«, singt der Mann in Lederhose der Mainzerin entgegen. Dass sie »Arschtörtchen!« antwortet, bekommt er nicht mehr mit. Er ist über die Bierbank gefallen.
 
Vor ungefähr zwei Jahren hat Arend von Stryk mit einem Freund den FCB Nam gegründet, der mittlerweile 110 Mitglieder hat. Nach diesem Abend werden noch einige dazukommen, da ist er sicher. Eigentlich ist die englische Liga das Maß aller Dinge in Namibia. Die eigene Premierliga ist nicht besonders stark. Laut Stryk spielt sie etwa auf dem Niveau der deutschen Oberliga. Er muss es wissen, denn er war selber eine Nummer im Geschäft: Zwölf Mal ist er für das Nationalteam »Brave Warriors« aufgelaufen, bevor er wegen Knieverletzungen die aktive Karriere beenden musste.
 
Lange Zeit haben nur die Deutschstämmigen der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwest die Bundesliga verfolgt. Das hat sich geändert: Seit der Sender »Super Sport« die Spiele live überträgt, begeistern deutsche Teams Schwarz und Weiß und alle Hautfarben dazwischen. So ist das Bild auch beim Public Viewing ein buntes: Deutschnamibier, Buren, Oshivambo und Touristen fiebern mit den Teams. Deutsch ist aber die Sprache des Abends.

 
 
 
 
 
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