12.05.2013

Das Bundesligaspiel Eures Lebens – die Gewinnertexte

»Die Aufholjagd des Jahres!«

Seite 2/3: 2. Platz: Skoubos Erdbeben
Text:
11FREUNDE
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Imago

2. Platz

Skoubos Erdbeben / Arne Phlipsen über Gladbach - Leverkusen am 30. Spieltag der Saison 2002/03

Etwas in der Art von »Wir sind zufrieden« wird Thomas Hörster nach dem Spiel erzählen. »Wir wollten primär den Abstand halten und nicht größer werden lassen, das ist uns gelungen.« Es ist die Saison 2002/2003. Mein Verein, Borussia Mönchengladbach, spielt mal wieder gegen den Abstieg, vorbei die großen Zeiten. Es ist der 30. Spieltag und Gladbach belegt den ersten Nichtabstiegsplatz, während Bayer Leverkusen drei Punkte dahinter zu dem Zeitpunkt den ersten Absteiger stellen würde. Die Leverkusener standen in der Vorsaison noch im Pokal und Champions-League–Finale und verspielten die Meisterschaft, mal wieder, kurz vor Schluss.

Ein knappes Jahr später steht der Verein vor dem Abstieg und Reiner Calmund leidet auf der Tribüne sichtlich mit. Dennoch kommt die Mannschaft mit Stars wie Neuville, Lucio oder Berbatov. Ein sogenanntes Sechs-Punkte-Spiel würde jetzt normalerweise in den Medien zitiert werden. Alles wie immer, mit dem Bus in die Stadt, zu Fuß durchs alte Eicken hoch zum Bökelberg. Doch irgendwie sollte der Tag anders werden als die anderen. Igor Demo bringt die Borussia in der 6. Minute früh in Führung, was bei mir die Hoffnung aufkommen lässt heute einen wichtigen Schritt Richtung Klassenerhalt zu machen. Leider gleicht Bierofka noch vor der Halbzeit aus und kurz nach Wiederanpfiff bringt Berbatov die Leverkusener in Führung, die damit nach Punkten mit der Borussia gleich gezogen wären.  

Es regnet, die Jeans färbt die Beine blau – Bökelberg eben

Die Dramaturgie nimmt somit langsam an Fahrt auf. Der altehrwürdige Bökelberg hat inzwischen sein Flutlicht angeschmissen und es schüttet aus Eimern, sodass die Beine später von der Jeans blau gefärbt sein werden. Der Fußball in seiner Reinkultur eben, wie es ihn heutzutage leider viel zu selten noch gibt. Lienen reagiert Mitte der zweiten Hälfte und bringt zunächst Arie van Lent und wenig später Morten Skoubo in die Partie, um doch noch irgendwie das Spiel zu drehen. Ausgerechnet Skoubo denk ich und mit mir wahrscheinlich das halbe Stadion. Kostete um die 2,5 Millionen und hat vorher in 16 Spielen nichtmals ein Scheunentor getroffen.

Die Nachspielzeit bricht an und wie gängig gegen Ende des Spiels wird der Ball noch einmal von der Borussia lange nach vorne geschlagen in Richtung van Lent, in Richtung Nordkurve auf die die Borussia nun zuspielt. Van Lent gewinnt das Kopfballduell (wenn die Erinnerungen stimmen gegen Lucio) und verlängert den Ball zu Skoubo, der damit vollkommen freistehend vor Butt an den Ball kommt. Einer dieser Momente in denen die Welt still zu stehen scheint und man eine Stecknadel fallen hören kann. Dieser Moment wandelt sich nur Sekunden später in eine Lautstärke, wie sie selbst der Bökelberg wohl nicht allzu oft zu hören bekommen hat.

Skoubo trifft  in der 90. Minute zum 2:2 Ausgleich, der Borussia automatisch wieder ein Drei-Punkte-Polster auf den Abstiegsplatz bringt und auf den Rängen eine ultimative Ekstase ausbrechen lässt. Nachher werde ich Leute erzählen hören, dass diese sich beim Torjubel einfach nur noch haben fallen lassen. Kurz danach wird abgepfiffen. Skoubo wird danach in den letzten Spielen noch dreimal treffen und die Borussia rettet sich, auch Leverkusen wird sich am letzten Spieltag in Nürnberg noch retten.

Das Tor von Skoubo werde ich Jahre später verzweifelt im Internet suchen und bis heute nirgendwo finden. Ich habe Colautti gegen Schalke oder de Camargo in der Relegation gegen Bochum in der 90. Minute treffen sehen oder zahlreiche schöne und wichtige Siege erlebt. Aber dennoch ist es ein Unentschieden, vielleicht auch verbunden mit den Erinnerungen an den Bökelberg, das dieses Bundesligaspiel zum Moment für die Ewigkeit gemacht haben.

 
 
 
 
 
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