Darf man beim Fußball die Sau raus lassen?

Verdammte Scheibe

Juventus Turin muss 5000 Euro Strafe zahlen, weil ein rein mit Kindern gefüllter Block den Torwart von Udinese Calcio beleidigt hat. Muss man sich im Stadion benehmen? Oder ist Fußball noch immer die einzige Möglichkeit, mal die Sau rauszulassen? Ein Pro und Contra.

imago

Torwart Zeljko Brkic von Udinese Calcio hat schon viel gesehen, aber an einen ganzen Fanblock voller Kinder musste sich auch der Serbe erst gewöhnen. Gastgeber Juventus, wegen diskriminierender Gesänge seiner Fans vom Verband mit dem Besuchsverbot zahlreicher Fanblöcke belegt, hatte die Funktionäre dazu überredet, die leeren Ränge im Stadion mit eingeladenen Schulkindern aufzufüllen. Fenerbahce hatte 2011 aufgrund einer »Männerverbots« ähnliches erwirkt und sein Stadion mit 41.000 Frauen gefüllt. Die Idee in beiden Fällen: Friedliche Kinder und Frauen statt pöbelnder Kerle, PR für ein handzahmeres Image.

Nun, es kam anders. Denn wie schon die Damen aus der Türkei bewiesen auch die Kinder aus Italien das Mundwerk eines miesgelaunten Bierkutschers. Zeljko Brkic wurde so hartnäckig beschimpft, dass sich der Verband gezwungen sah, Juventus Turin erneut zu bestrafen. 5000 Euro kostet den Klub die Schimpfkanonaden seiner Nachwuchsfans.

Ein Vorfall, der Fragen aufwirft. Was ist noch erlaubt beim Fußball?* Ist das Stadion überhaupt noch ein Ort, um gepflegt die Sau rauszulassen? Sollten wir uns auf den Rängen alle besser benehmen, um dem Nachwuchs Vorbild zu sein? Oder ist das, um beim Thema zu bleiben, scheißegal? Ein Pro und Contra.


*Wir sprechen hier von Beleidigungen frei von rassistischer, antisemitischer und extremistischer Tendenzen. Solche Entgleisungen haben ein »Pro und Contra« selbstverständlich nicht verdient.


Pro
Benehmt euch!

Es ist doch ein Widerspruch in sich. Da kann man junge Eltern dabei beobachten, wie sie, kaum dass der Nachwuchs funktionsfähige Gehörgänge besitzt, im normalen Alltag »Scheibe« statt »Scheiße« sagen, »bescheiden« statt beschissen. Wie sie, wenn sich Sohnemann oder Tochter diebisch darüber freuen, das erste Mal unfallfrei »Arschloch« auszusprechen, sofort die Stirn in Falten legen und mit erhobenen Zeigefinger zu einem »Das darfst du aber nicht!«-Vortrag ansetzen. Wie sie alles dafür tun, damit die eigenen Kinder sprachlich nicht verrohen.

Und dann sieht man dieselben Menschen am Wochenende im Stadion stehen und den gegnerischen Stürmer als »dumme Sau« und »Wichser« beleidigen, die Kinder im Sprühregen ihres erregten Geifers, ungläubig und fasziniert vom Wesenswandel der Erzeuger. Was soll das? Warum bietet allein das Stadion als öffentlicher Austragungsort einer Sportveranstaltung die Legitimation, sämtliche Prinzipien der Erziehung über den Haufen zu werfen? Konterkariert man damit nicht die sonst tapfer umgesetzte Vorbildfunktion? Und wir anderen, die entweder noch nicht zeugungsfähig oder kinderlos sind, müssten wir nicht ganz genau darauf achten, was wir so von uns geben, wenn ein Kind in Hörweite steht? Im normalen Alltag bleiben wir doch auch an der Kreuzung stehen, wenn gegenüber ein Sechsjähriger von seiner Mutter den Sinn und Zweck von roter und grüner Ampelleuchte erklärt bekommt.

Kein rechtsfreier Raum

Ein Stadion ist kein rechtsfreier Raum. Ein Ort für Emotionen, das schon. Aber Freude oder Ärger über ein verlorenes Fußballspiel rechtfertigt nicht das Verhalten, sich wie das letzte Arschloch aufzuführen, verdammte Scheibe.

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