17.06.2012

Dänemarks Stürmerstar Nicklas Bendtner im Porträt

»Wenn ich zweifle, habe ich schon verloren«

Das überragende Selbstbewusstsein des dänischen Stürmers Nicklas Bendtner ist aktenkundig, seit er einer störrischen Bedienung in einer Pizzeria mitteilte, er werde den Laden aufkaufen. Das Porträt eines Mannes jenseits des Selbstzweifels.

Text:
Troels Henriksen
Bild:
Imago

 Das Selbstvertrauen des Nicklas Bendtner hat schon immer gewöhnliche Dimensionen gesprengt. Aus seiner Zeit in London ist folgende Anekdote überliefert: Im Frühjahr 2010 bekam Arsenal Besuch von einem Psychiater, der unter anderem das Selbstvertrauen der Spieler einschätzen sollte. Auf einer Skala, bei der eigentlich 9 der beste Wert war, erzielte Bendtner eine glatte 10. Woher der dänische Stürmer dieses Selbstvertrauen nimmt, ist Fans wie Experten angesichts seines nicht unbedingt geradlinigen Karriereverlaufs ein Rätsel. Doch für Bendtner ist es nicht von Bedeutung, was andere von ihm denken. Ihn interessiert nur, wie er sich selber fühlt.

Waren Sie schon immer so selbstbewusst? Wissen Sie noch, wie Sie als Kind Rollschuhfahren gelernt haben? Erst ging es gar nicht, man ist dauernd hingefallen, hat sich wehgetan und geflennt. Manche Kinder gaben einfach auf. Andere probierten es eine Weile weiter, bis sie schließlich auch aufsteckten. Und dann gab es noch diejenigen, die es so lange versuchten, bis sie es konnten. Und zu denen gehörte ich. Ich gebe nie auf, bevor ich mein Ziel erreicht habe. Was ich mir vornehme, das schaffe ich am Ende auch.

Sind Sie ein guter Rollschuhfahrer? Sogar ein sehr guter. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann ziehe ich es durch. Ich werde nicht von Selbstzweifeln geplagt, ich bin ein glücklicher Mensch. Ich habe alles, was man sich wünschen kann. Warum sollte ich also unglücklich sein?

Zweifeln Sie niemals an sich selbst? Jeder Mensch kennt Bereiche, in denen er unsicher ist, doch wenn es um etwas geht, was ich gut kann, habe ich keinerlei Zweifel. Warum sollte ich auch? Es gibt eine Menge Dinge, bei denen ich keineswegs so überzeugt von mir bin, aber wenn es um Fußball geht, kenne ich keine Selbstzweifel. Wenn ich mit dem Ball am Fuß vor dem Tor auftauche, gehe ich davon aus, dass ich treffen werde. Und wenn ich nicht treffe, weiß ich, dass ich noch eine zweite Chance bekommen werde.

Im persönlichen Gespräch macht Nicklas Bendtner keinen arroganten Eindruck. Er ist von sich selbst überzeugt, das sicherlich, doch er wirkt dabei nicht überheblich. Bendtner wuchs auf der Insel Amager in Kopenhagen auf und begann als Vierjähriger beim Tarnby Boldklub Fußball zu spielen. Sein Talent für alle möglichen Ballsportarten war offensichtlich, wie auch sein ehemaliger Lehrer Hans Christian Jensen bestätigen kann: »Ich erinnere mich an ein Basketballspiel gegen die Mannschaft einer anderen Schule, bei dem Nicklas machen konnte, was er wollte. Sein Team führte zur Halbzeit mit 13:0. Dann wurde Nicklas ausgewechselt, und das Spiel ging 13:14 aus. Verrückt! Und auch im Handball war er hervorragend.«

Mit 16 zum FC Arsenal

Bendtners Ehrgeiz brachte schon mal Probleme mit sich. Bisweilen war er so verbissen, dass er anderen unabsichtlich wehtat. »Sein Umgang mit anderen Kindern ließ ziemlich zu wünschen übrig«, erinnert sich die Direktorin seiner früheren Schule, Grethe Birch. »Er war gedankenlos und plapperte einfach drauflos. Dabei war er eher unbedacht als bösartig und sagte Dinge, die andere Kinder verletzten. Man musste ihn schon an die Kandare nehmen.« Diese Seite seiner Persönlichkeit trat im Fußball umso deutlicher zutage, je höher es für ihn hinaus- ging. 2006 war Bendtner als 16-Jähriger vom FC Kopenhagen zu Arsenal gewechselt, wo er so sehr überzeugte, dass er zwei Jahre später für die U 21-EM in Portugal nominiert wurde.

In der Qualifikation war Morten »Duncan« Rasmussen der unumstrittene Topstürmer und erfolgreichste Torschütze der Dänen gewesen. Weil er außerdem drei Jahre älter als Bendtner war, stand er in der Teamhierarchie deutlich über dem Frischling, der gerade erst zur Mannschaft gestoßen war. Das hinderte Bendtner aber keineswegs daran, sich in aller Öffentlichkeit über seine Auswechslung im ersten Turnierspiel zu beklagen und lauthals zu verkünden, er wäre besser als Rasmussen.

Kennen Sie gar keine Nervosität? Ich war noch nie nervös vor einem Spiel. Kann sein, dass das irgendwann mal passieren wird, doch bis jetzt ist es nicht vorgekommen. Das würde auch nicht zu mir passen. Ich tue etwas, das ich liebe und schon immer tun wollte, warum sollte ich also nervös sein? Wenn man einen Fehler macht, macht man halt einen Fehler. Ich versuche es mal so zu erklären: Wenn ich gegen einen der besten Verteidiger der Welt spiele und daran zweifle, dass ich besser bin, habe ich schon so gut wie verloren. Letztlich gehe ich immer davon aus, dass ich das Duell für mich entscheiden werde. Mein Gegner wird nicht besser sein und mich nicht schlagen, ganz egal, wer es ist.


Ist dieses Selbstvertrauen angeboren oder ein Produkt Ihrer Erziehung? Wenn die Lehrer meinten, ich solle meine Hausaufgaben machen, antwortete ich, dass ich nicht vorhätte, Anwalt zu werden oder zu studieren. Für mich war klar, dass ich ab der 9. Klasse Fußballprofi werden würde. Die meisten Leute winkten ab, doch ein paar wussten ganz genau, wie ernst es mir damit war. Ich schätze mal, dieses Selbstvertrauen ist angeboren. Ich wollte immer gewinnen, auch schon als Kind, wenn ich gegen meine Freunde Tennis gespielt habe. Und genauso ist es im Fußball gewesen.

Die Karriere stagniert

 
 
 
 
 
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