Cristiano Ronaldo vs. Lothar Matthäus – ein Selbstversuch

Baby, bin ich zu alt?

11FREUNDE-Redakteur Alex Raack ging neulich nach der Arbeit mal wieder bolzen. Und musste feststellen, dass er ganz schön alt geworden ist. Er überlegt noch, ob das ein Vor- oder Nachteil ist.

Neulich war ich mal wieder auf dem Bolzplatz. Bolzplatz heißt für mich: ein ganz normaler Fußballplatz. Kein Käfig, keine Soccerhalle. Ein Fußballplatz. Naturrasen ist in Berlin so selten wie U25-Menschen ohne Jutebeutel, deshalb muss ich mich bei meinen viel zu seltenen Bolzplatz-Ausflügen mit Kunstrasen begnügen. Bolzen heißt für mich: ein freier Platz, ein Tor, ein Fangnetz, die Pille und ich. Manchmal bin ich beim Fußball gerne allein. Andere gehen meditieren oder verbiegen den Körper zu komplizierten Yoga-Übungen, um das seelische Gleichgewicht zu finden. Ich muss ab und an einfach mal ein paar Bälle aufs Tor zimmern.

Ich fand einen Platz im Niemandsland zwischen Friedrichshain und Lichtenberg. Hier vergisst man manchmal, dass man noch in Berlin ist. Ich finde das ganz gut. Ich stellte mein Fahrrad ab, setzte mich auf den Kunstrasen, den schlaffen Bürokörper an die Bande gelehnt und pumpte meinen Ball auf. Nadel anfeuchten, Nadel einführen, pumpen, prüfen. Das ist fester Bestandteil meines persönliches Meditationsprogramms. Dann saß ich da, freute mich über die Einsamkeit auf diesen gut 7000 Quadratmetern. Und mir fiel ein schöner Satz ein, den ich unbedingt in diesem Text unterbringen wollte: Eigentlich fühle ich mich auf Bolzplätzen noch immer wohler, als in jedem gottverdammten Szene-Café.

Hierarchie auf dem Bolzplatz: Alt vor jung

Kommen wir zum Ursprung dieser Geschichte. Ich blieb nicht lange allein. Ein etwa 13-jähriger Junge leistete mir Gesellschaft. Auch er wollte offenbar einfach nur ein paarmal seinen Ball aufs Tor hauen. Das war mir sympathisch. Er war recht schüchtern, obwohl er sich bei den kurzen Telefonaten mit seinen Kumpels wie einer dieser typischen großstädtischen Pausenhof-Rüpel anhörte. Aber auf einem Bolzplatz gelten eben noch klare Hierarchien: Alt vor jung. Das war schon immer so und wird es auch immer bleiben. Wie schön.

Der Junge ließ mich stets zuerst schießen, wartete geduldig, bis ich meinen Ball aus dem Netz geholt hatte und legte zwischendurch kurze Sprints ein, um mir meine Pille zurückzuspielen. Bis ich mich dafür bedankte, auf meinen schlaffen Bürokörper und das dem entgegen wirkende Training verwies und die kurzen Sprints selber anzog.

Bei seinen Schüssen fiel mir etwas auf: Er hatte eine gänzliche andere Technik. Anderer Anlauf (wesentlich frontaler), andere Körperhaltung (steif wie ein Brett), andere Fußhaltung (deutlich mehr mit dem Spann). Das machte mich stutzig. Ich achtete einige Male auf meine Technik. Ganz klar, wir unterschieden uns eindeutig voneinander. Vergleichbar mit der doppel- und einhändigen Rückhand beim Tennis: gleicher Schlag, andere Technik. Das wäre an sich nicht weiter der Rede wert gewesen, doch ich machte mir Gedanken.

Kann es sein, dass sich die Veränderung des Fußball am ehesten anhand der Schusstechnik zeigt? Pass, köpfen, all der andere Kram ist gleich geblieben. Doch die Jugend von heute schießt anders.

Ich dachte an meine Vorbilder. Früher wollte ich immer so schießen wie Lothar Matthäus. Im Geiste sah ich mich auf dem Naturrasen meines Heimatvereins SV Garßen reihenweise Gegenspieler umkurven (ohne lästige Übersteiger oder Sohlenstreichler, sondern maximal mit dem guten alten »links antäuschen, rechts vorbei«-»Trick«) und den Ball schließlich Vollspann ins Tor wuchten. So wie es Lothar bei der WM 1990 gegen die Jugoslawen getan hatte. Vollsprint, Vollspann, voll geil.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!