Cottbus sagt Spiel wegen Nazis ab

Angst vorm braunen Mann

Energie Cottbus sollte bei einem Sportfest im brandenburgischen Storkow antreten. Am Fußballplatz wollen aber Rechte demonstrieren. Die Absage sei genau das, was die NPD sich wünscht, so der Gastgeber. Wer hat Recht? Cottbus sagt Spiel wegen Nazis ab Der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) gab in der letzten Landtagssitzung vor der Wahl das Ziel vor: »Ich möchte, dass wir alles dafür tun, dass dieses Land eine No-Go-Area wird – und zwar für Nazis.«

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Doch einer der populärsten Partner im Kampf gegen Rechtsextremismus macht nun einen Rückzieher. Der Fußballprofiverein Energie Cottbus hat, wie berichtet, ein für Sonnabend geplantes Testspiel gegen den FSV Germania in Storkow abgesagt, weil die NPD dort demonstriert. »Die Sicherheit unserer Spieler und Fans ist nicht gewährleistet«, sagt Energie-Sprecher Ronny Gersch. »Wir sind nicht Täter, sondern Opfer einer politischen Lage.« Enttäuscht zeigte sich hingegen der Germania-Vorsitzende Johann Kney: »Die Begründung der Absage ist an den Haaren herbeigezogen.« Germania hält am Sonnabend ein Fußballfest ab, Motto:  »Mit Energie für Toleranz«. Nachdem Finanzminister Rainer Speer (SPD) interveniert hat, schickt Energie zumindest acht Spieler der zweiten Mannschaft nach Storkow, die gemeinsam mit Kickern von Babelsberg 03 auflaufen. Speer ist dort Präsident.

»Ich hätte mehr Rückgrat erwartet«

Auslöser war ein offener Brief des NPD-Landesvorsitzenden Klaus Beier. Bei den Kommunalwahlen 2008 erzielte die NPD in Storkow ein Ergebnis von 7,3 Prozent, in einigen Stimmbezirken fast ein Viertel. In dem Anfang Mai verfassten Brief schreibt Beier: Würde Vereinschef Kney ein anderes Motto wählen als »Mit Energie für Toleranz« – dann wäre die NPD »gesprächsbereit, damit das Fußballfest auf rein sportlicher Ebene zelebriert werden kann«.

Kney ließ sich nicht darauf ein, selbiges wurde von Energie Cottbus erwartet. »Ich hätte mehr Rückgrat erwartet«, sagte Finanzminister Rainer Speer (SPD). Die Polizei war vorbereitet. 200 Beamte begleiten den Zug der NPD mit 150 angemeldeten Teilnehmern. Hinzu kommen Beamte, die die Gegendemonstration mit 400 Teilnehmern begleiten. Aufgerufen hat dazu das Bündnis »Tolerantes Storkow«.

Erst am Montag hatte es eine Platzbegehung gegeben, Bürgermeisterin Christina Gericke, das Landeskriminalamt und Energie-Geschäftsführer Frank Duschka waren da. Kney sagt: Duschka habe Bedenken gegenüber den Sicherheitsvorkehrungen geäußert. Nach einer Präsidiumssitzung sagte Cottbus das Spiel schließlich ab. »Das ist genau das, was sich die NPD wünscht«, sagt Kney. „Die sitzen da und grinsen sich eins.«

Energie-Sprecher Gersch nannte den Vorwurf, Energie habe auch aus Angst vor eigenen rechten Fans abgesagt, »absurd«. Er wirft den Organisatoren vor, den Klub ungenügend informiert zu haben. Cottbus habe für ein Spiel im Rahmen eines Sportfests zugesagt. Die Absage habe nichts mit fehlender Zivilcourage zu tun, sondern mit gesundem Menschenverstand, so Gersch. »Wenn 200 Meter von einem uneingefriedeten Sportplatz eine NPD-Demo stattfindet, kann man nicht Fußball spielen.« 

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