17.06.2013

Confed Cup: Tahitis einziger Profi Marama Vahirua

Der fremde Paddler

Seite 2/2: Vorbild und Lehrer
Text:
John Hennig
Bild:
Imago

Doch heute wird es soweit sein. Für Vahirua ist es Ehrensache, für sein Land zu kämpfen und es vor einem Debakel zu verteidigen. »Es ist unsere große Chance, zu zeigen, dass sich Tahiti über die Grenzen der Insel hinaus entwickeln kann«, sagt der erfahrene Mutmacher brav, der seinen Mitspielern auch als Lehrer dient: »Man kann vom Fußball leben, wenn man an sich arbeitet und ich würde gerne sehen, wenn das einigen Tahitianern gelingt.« Dass das durchaus passieren kann, zeigte bereits die Vorbereitungszeit in Belo Horizonte. Drei jüngere Spieler des Kaders dürfen wohl noch etwas in Brasilien bleiben, sollen beim Zweiligisten America Mineiro in Belo Horizonte ein Probetraining absolvieren, gegen den Tahiti in den Tagen vor dem Turnier sensationell nur 0:1 unterlag. Für jeden Tahitianer, der nicht Vahirua heißt, war es bislang ein Traum, für Geld professionell zu spielen.

Doch die Zeiten ändern sich selbst im beschaulichen Tahiti, dessen Fußballverband erst seit 1989 existiert. Die U20 spielte vor vier Jahren bei der Weltmeisterschaft in Ägypten – und auch, wenn die drei Vorrunden-Spiele mit 21 Gegentoren und ohne eigenen Treffer endeten, haben einige der jungen Spieler bereits erste internationale Erfahrungen außerhalb Ozeaniens gesammelt.

Das Ziel: mit Anstand abreisen

Für den Confed Cup gibt es in der Gruppe mit Weltmeister Spanien, Uruguay und Nigeria nur zwei Ziele: mit Anstand und einem eigenen Treffer abreisen. »Es ist egal, wer es schießt. Aber das wäre für uns wie der Gewinn des Turniers«, sagte Vahirua am Sonntag.

Die besten Chancen, dieses Tor zu erzielen, hat Tahiti gleich heute gegen Nigeria, die nach internen, in Afrika nicht unüblichen Prämienstreits mitsamt Boykott-Drohung erst am Wochenende in Brasilien landeten und damit weit schlechter vorbereitet sein dürften als die Tahitianer, die aus der Teilnahme ein komplettes Trainingslager mit eineinhalb Wochen Vorbereitung gemacht haben. Seitdem kennt übrigens auch Vahirua seine Mitspieler. Fürsorglich kümmert er sich, mitunter versucht er gestenreich, den Amateuren etwas mehr Ernsthaftigkeit beizubringen.

Sollte Vahirua den Treffer erzielen, wird er mit Sicherheit wieder sein imaginäres Paddel herausholen. Nur kann es diesmal passieren, dass der Paddelschlag nie aufhören wird, vor allem im kollektiven Gedächtnis Tahitis.

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