17.06.2013

Confed Cup: Tahitis einziger Profi Marama Vahirua

Der fremde Paddler

Tahiti ist schon vor dem ersten Spiel die Underdog-Geschichte des Confed Cups. Dabei sind die Inselkicker so gut aufgestellt wie noch nie – ihren besten Spieler, Marama Vahirua, müssen sie aber erst noch integrieren, mit 33 Jahren. Die Geschichte eines besonderen Debüts.

Text:
John Hennig
Bild:
Imago

Marama Vahirua holt kräftig aus, führt kniend ruckartig beide Arme eng links am Körper vorbei, dann rechts, noch mal links. Ab und an wählt er auch die Rechts-Links-Rechts-Kombination. Aber fast alle seiner reichlich 100 Profi-Tore hat Vahirua mit der Paddel-Hommage an den Volkssport seiner Heimat zelebriert. Die Insel Tahiti in Französisch-Polynesien.

Vahiruas Torjubel haben sie dort sicher auch oft gesehen, allerdings nur im Fernsehen, nie auf ihrer Insel, etwa im Stade Pater Te Hono Nui. Vahirua war talentierter als die anderen Tahitianer, nicht unbedingt im Paddeln, dafür im Fußball. Früh folgte er seinem Cousin Pascal, der Anfang der neunziger Jahre einige Länderspiele für die Equipe Tricolore absolvierte, etwa bei der EM 1992. Wie Pascal zog es auch Marama nach Frankreich, nachdem er bei einem Jugendpokal, an dem auch die französischen Überseegebiete teilnehmen, entdeckt wurde. Seitdem hat ihm der Fußball kaum noch Zeit für Reisen in die Heimat gegeben.

Frankreichs Supertalent

Zunächst durchlief Vahirua die Jugendabteilung des FC Nantes, war einer der talentiertesten Fußballer des Landes, spielte für französische Auswahlmannschaften – bis zur U21. In den A-Kader sollte es der 1,72 Meter kleine, quirlige, technisch beschlagene Angreifer nie schaffen. Dabei traf er fast fünfzehn Jahre lang regelmäßig in Frankreichs Eliteklassen für Nantes und Nizza, Lorient, Nancy und Monaco, schoss den FC Nantes 2001 zur Meisterschaft, spielte folglich sogar in der Champions League und zeigte auch dort seinen Paddel-Jubel.

Doch die wirklich große internationale Bühne betritt Vahirua erst heute. Mit Tahiti. Beim Confed Cup in Brasilien. Dabei ist ihm, dem Europa-Legionär, der mit 33 Jahren und deutlich langsamer als in seinen Glanzzeiten mittlerweile beim griechischen Erstligisten Panthrakikos Komotini spielt, die eigene Mannschaft noch genauso fremd, wie dem Rest der Fußballwelt: »Ich kannte vorher einen einzigen Spieler: Torhüter Xavier Samin«, gab Vahirua vor wenigen Tagen zu.

Denn in Brasilien stößt Vahirua im fortgeschrittenen Angreifer-Alter erstmals zur Toa Aito, wie sich die tahitianische Nationalmannschaft ruft. Seit die FIFA die Regeln für einen Verbandswechsel von Fußballern gelockert hat, versucht Trainer Eddy Etaeta seinen Topspieler zur Mannschaft zu holen.

Doch die langen, stressigen Anreisen auf die pazifischen Inseln Ozeaniens inklusive Zeitverschiebung und der europäische Rahmenterminkalender korrespondieren nicht allzu gut. Vahirua musste sowohl die Ozeanien-Meisterschaft als auch WM-Qualifikationsspiele regelmäßig absagen: »Selbst in den Ferien bin ich seit vier Jahren nicht mehr in der Heimat gewesen und bis zum letzten Monat hatten zwei meiner Kinder noch nie einen Fuß auf polynesischen Boden gesetzt«, erzählt Vahirua in Belo Horizonte.

Nur Text
Nur Bild
 
 
 
 
 
 
12
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden