Club-Legende Max Morlock
08.05.2007

Club-Legende Max Morlock

Mit dem großen Fußzeh

Unvergessen, wie Max Morlock sich 1954 ohne Rücksicht auf Verluste in Helmut Rahns Schuss stürzte und ihn ins Tor lenkte. Kaum jemand war zugleich so zurückhaltend und entschlossen wie der legendäre Nürnberger Halbstürmer. Ein Porträt.

Text:
Max Hendel
Bild:
imago

Der Nürnberger Max Morlock hatte weder die Anmut eines Zidane noch zwirbelte er Freistöße Beckham-like in den Torknick. Nie tanzte er um Eckballfahnen, schlug keine halsbrecherischen Klose-Salti und küsste nach keinem seiner Treffer seinen Ehering. Trotzdem sind sich die Fans auch 43 Jahre nach seinem letzten Auftritt im »Club«-Trikot sicher: Würde »Maxl« heute auf dem Platz stehen, er wäre noch immer der personifizierte Alptraum eines jeden Abwehrspielers.



Als der blutjunge »Maxl« zum ersten Mal gegen einen Ball trat, tat er dies noch im Trikot des Stadtrivalen Eintracht Nürnberg. Für den großen »FCN« fühlte sich das damals 13-jährige Talent nicht reif genug. Eine Fehleinschätzung, die dem Jungen erst aufging, als sein Name beim 4:2-Sieg seiner Eintracht über den »Club« dreimal auf der Torschützenliste auftauchte. Wenig später schlüpfte Morlock auf Geheiß von Club-Coach Schmidt zum ersten Mal in das weinrote Trikot des 1.FC Nürnberg. Es sollte die wichtigste Entscheidung im Leben des Fußballprofis Max Morlock werden. Mit den »Glubberern« holte der Mann mit der Rückenummer 13 zweimal die Deutsche Meisterschaft und erzielte in 900 Spielen knapp 700 Tore. Ein Vereinsrekord für die Ewigkeit.

Trotz seiner bestechenden Torjägerqualitäten und seiner schier unermüdlichen Trainingsdisziplin galt Morlock nicht als Selbstdarsteller. Seine Spielweise war mannschaftsdienlich, uneigennützig und in den richtigen Momenten von einer unerbittlichen Kaltschnäuzigkeit geprägt, die seinen Namen schnell in den Notizblock von Sepp Herberger brachte. Dieser Gabe verdanke er auch den »größten Moment« seines Lebens, wie Morlock nicht müde wurde zu betonen: Die 10. Spielminute des WM-Finales 1954 war ein Stück Fußballgeschichte, wie es typischer für ihn nicht hätte sein können: Helmut Rahn feuert einen Schuss von halblinks auf das Tor der Ungarn. Der Ball wird abgefälscht und rollt unaufhaltsam auf den ungarischen Keepers Grosic zu. Da kommt Morlock aus dem Hintergrund angeflogen. Im Spagat spitzelt er die Kugel vorbei am Torsteher ins rechte Eck, „mit dem großen Fußzeh“ wie er selbst später zugibt. Auch wenn es Helmut Rahns Fernschuss aus der 83. Minute war, welcher sich später in das Kollektiv der Deutschen einbrannte - all das wäre nicht möglich gewesen, hätte Morlocks Zeh in der 18. Minute nicht den Anschlusstreffer erzielt.

»Ein Franke lässt sich eben nicht so leicht verpflanzen!«

Auch im Ausland blieben die Künste des fränkischen Torjägers nicht unbeachtet. Ein um das andere Mal klopften die Spitzenklubs aus Italien und Spanien an die Tür des Familienhauses in der Nürnberger Schloßstraße. Morlock lehnte immer ab, einmal sogar das Angebot des italienischen Topteams AC Bergamo, das ihm auf einen Schlag 70 000 Mark Handgeld eingebracht hätte. Die Treue zu seinen Nürnberger Mannschaftskollegen erschien ihm wichtiger. »Ein Franke lässt sich eben nicht so leicht verpflanzen!«

Kurz nach Morlocks Tod im Jahr 1994 ernannte ihn die Stadt Nürnberg zum Ehrenbürger. Der große Platz vor dem Frankenstadion, wo sich die Club-Fans zu jedem Heimspiel einfinden, trägt seitdem seinen Namen - im letzten Jahr forderten die »Ultras Nürnberg« gar die Umbenennung ihrer Fußballstätte. Der WM-Held für 1954 blieb auch nach seinem Ableben in den Herzen der Nürnberger verankert. Und gerade jetzt, wo der »Club« sich anschickt, die erfolgreiche Tradition wieder aufleben zu lassen, ist man sich im weiten Rund des Frankenstadions sicher, dass Morlocks legendärer Torriecher auch heute noch für die ein oder andere rauschende Europa-Pokal-Nacht sorgen würde.

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