17.04.2013

Club Atlético y Deportivo Ernesto Che Guevara

Kick it like Che

Mit Fußball verbindet man den lange verstorbenen Guerillakämpfer eher selten. Doch Ernesto »Che« Guevara hatte durchaus einen Faible für das runde Leder. In einer kleinen argentinischen Stadt bringen sie nun beides zusammen: revolutionäres Denken und Sport.

Text:
Kai Behrmann
Bild:
Imago

Sein Konterfei ist Teil der globalen Popkultur. Und auch der Fußball macht da keine Ausnahme. Ob auf Bannern in den Fankurven oder als Tattoo auf den Körpern der Profis – Ernesto »Che« Guevara ist knapp 46 Jahre nach seinem gewaltsamen Tod in Bolivien immer noch en vogue. Selbst Diego Armando Maradona, glühender Anhänger des marxistischen Guerillakämpfers, trägt das Portrait seines Idols auf dem rechten Oberarm.

Mónica Nielsen freut das. Der Argentinierin reicht die auf Symbolik beschränkte Heldenverehrung allerdings nicht. Das Gedenken an den Mann, der von Kuba aus die linke Revolution in die Welt hinaus tragen wollte, sollte ihrer Ansicht nach lebendiger sein. Nielsen fordert: »Seine Ideen dürfen nicht länger in Büchern verstauben. Che muss laufen.« Oder Fußball spielen.

Vor sieben Jahren setzte Nielsen ihren Plan in die Tat um. Die engagierte Frau, die als Archivarin in der Stadtverwaltung von Jesús María arbeitet, gründete den ersten und bis heute weltweit einzigen Fußballverein, der den Namen der argentinischen Ikone trägt: Club Social - Atlético y Deportivo Ernesto Che Guevara. »Che lebt in mir seit vielen Jahren. Das wollte ich weitergeben. Und warum nicht durch Fußball?«, erzählt Nielsen, wie alles begann.

Revolutionäres Vermächtnis in sportlichen Ehren

Jesús María. Ein kleines Örtchen mit rund 30.000 Einwohnern in der Provinz Cordoba. Nur 100 Kilometer nördlich hat der kleine »Che« in Alta Gracia seine Kindheit verbracht.

Für Che Guevara war der Ort jedoch nur eine Durchgangsstation. Die Legende besagt, dass er hier als 23 Jahre alter Medizinstudent auf dem Rücken seines Motorrads »La Poderosa« in Begleitung seines Kumpels Alberto Granado  vorbeikam, als beide 1952 zu ihrer Reise durch Südamerika aufbrachen.

In Alta Gracia steht heute ein Museum. In Jesús María dagegen wird Che Guevaras revolutionäres Vermächtnis in sportlichen Ehren gehalten.

Der Staatsbankrott 2001 hat die Menschen in Jesús María hart getroffen. Wie überall in Argentinien. Viele haben damals alles verloren. Bis heute kämpfen die Bewohner, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Der Soja-Boom hat für etwas Aufschwung gesorgt. Doch besonders der Jugend fehlt in der Provinz nach wie vor eine Perspektive. Oft sind Drogen und Alkohol verlockender als der mühsame Schulalltag.

Es sei nicht einfach, in diesem Umfeld aufzuwachsen, sagt Nielsen. »Die Kinder sind wie Schwämme. Sie saugen alles auf. Das Gute und das Böse. Wir möchten ihnen etwas Positives mit auf ihren Weg geben«, so Nielsen. Zum Beispiel die Lehren des Che Guevara.

Der Revolutionär sei heute aktueller denn je, ist sich Nielsen sicher. »Wir müssen auf ihn aufmerksam machen, damit die Jugend von ihm lernen kann.« Fußball in Verbindung mit Gemeinschaft und Solidarität, so lautet das Motto von Nielsen und ihren Mitstreitern.

Das Atemgerät stets griffbereit

Die Jungs lernen mehr als nur Dribbeln und Tore zu erzielen. Sie sollen sich von Ärger fernhalten. Das Ziel ist es, sie durch Fußball in der Gesellschaft zu integrieren und aus ihnen verantwortungsvolle Erwachsene machen.

Che Guevara selbst war ein begeisterter Fußballfan. Zwar wuchs er als Spross einer bürgerlichen Familie eher mit Rugby auf. Doch auch dem runden Leder jagte der seit frühester Kindheit unter starkem Asthma leidende Che Guevara begeistert hinterher. Meist hütete er jedoch das Tor, das Atemgerät stets griffbereit neben den Pfosten.

Bei einem Turnier in der kolumbianischen Stadt Leticia während seiner Motorradtour durch Lateinamerika rettete er seiner Elf mit einem gehaltenen Elfmeter einst den Sieg. Hinterher notierte er stolz in sein Tagebuch: »Ich habe einen Strafstoß pariert, der in die Geschichte eingehen wird.«

Als Anhänger drückte er Rosario Central, dem Klub aus seiner Geburtsstadt, die Daumen. Der gesellschaftspolitischen Kraft des Fußballs war es sich bewusst: »Es ist nicht nur ein einfaches Spiel, sondern eine Waffe der Revolution.«

 
 
 
 
 
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