Chronik: Die Entwicklung der TV-Rechte im deutschen Fußball

»Beginnt eine neue Fußballepoche? Ich weiß es nicht.«

Für die neue Ausgabe von 11FREUNDE traf Philipp Köster Bundesliga-Boss Christian Seifert zum großen Streitgespräch. Im Interview mit dem DFL-Geschäftsführer ging es natürlich auch um die Entwicklung der TV-Rechte – wir zeichnen auf 11freunde.de den Wandel vom kleinen schnuckeligen »Sportschau«-Produkt hin zur gigantischen Gelddruckmaschine nach.

4. Juni 1961
Am vierten Juni 1961 beginnt, was für die Männerwelt heilig werden sollte und bis heute verantwortlich, für den ein oder anderen häuslichen Ehekrach ist. Die »Sportschau« öffnet ihre Pforten, auf ARD 2 (das zweite Programm der ARD wurde von 1961 bis 1963 ausgestrahlt) wird zunächst über massentaugliche Themen wie die Handballländerspiele der Frauen, Amateurstraßenrennen und die Europameisterschaft der Sandbahnfahrer berichtet. Die Bundesliga findet allerdings noch keine Beachtung. Es gibt sie schließlich auch noch nicht.

24. August 1963
Das »Aktuelle Sportstudio« im ZDF beginnt am 24. August 1963 mit Moderator Heribert Meisel, der lediglich fünf Sendungen moderiert. Im selben Jahr wird die Bundesliga gegründet.

3. April 1965
Die seit zwei Jahren bestehende Bundesliga findet erstmals in der »Sportschau« Beachtung, »Mr. Sportschau« Ernst Huberty erlöst die Zuschauer und berichtet über ausgewählte Spiele. Bisher intakte Beziehungen werden auf die Probe gestellt und samstägliche Ausflüge enden zwangsläufig um 17.45 Uhr vor dem Fernseher. Wer das nicht akzeptieren wollte, konnte möglicherweise Probleme bekommen. Überliefert, nicht bestätigt und trotzdem für erwähnenswert befunden: Der »Sportschau«-Mörder. Ein Mann erdrosselte seine Frau, weil sie es gewagt hatte, während der »Sportschau« neben dem Fernsehgerät mit dem Staubsauger zu hantieren. Bezeichnenderweise mit dem Staubsaugerschlauch. Zusammen lassen sich die ARD und das ZDF die Übertragung der Bundesliga 650.000 DM kosten.

13. Februar 1988
Bis zum Jahr 1988 kombinieren sich die beiden Sendungen durch die Bundesliga. Die Fernsehgelder steigen in mehr als 20 Jahren auf zehn Millionen DM. Die »Sportschau« führt bereits 1971 das Tor des Monats ein. Gerd Faltermeier wird erster Preisträger, durch einen Freistoß in den Winkel, der so schön ist, dass der Ball im Giebel stecken bleibt. Auf die Torwand des »Aktuellen Sportstudios« wird bereits seit 1964 genagelt. Rekordhalter mit fünf Treffern sind, mal mehr, mal weniger überraschend, u.a. Günter Netzer, Rudi Völler, Frank Rost, Frank Pagelsdorf. Mit der Einführung des Privatfernsehens brechen bei den Fernsehgeldern alle Dämme. RTL sichert sich 1988 für 135 Millionen DM drei Jahre lang die TV-Rechte der Bundesliga. »Anpfiff - Die Fußballshow« soll die »Sportschau« ersetzen oder wie es Moderator Uli Potofski in der ersten Sendung formuliert: »Herzlich willkommen zu Anpfiff. Beginnt jetzt eine neue Fußballepoche? Ich weiß es nicht.«
 

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