Chronik des Wettskandals 2009

»Tatkräftig beteiligt«

Chronik des Wettskandals 2009 Während einer Telefonüberwachung im Drogenmilieu stoßen Ermittler im November 2009 zufällig auf Gespräche, in denen es um manipulierte Fußballspiele geht. Unter den 15 Verdächtigen befinden sich auch die Brüder Ante und Milan Sapina, die anschließend verhaftet werden. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie Spiele manipuliert haben und mit dazugehörigen Wetten etwa 10 Millionen Euro verdient haben. Beide saßen bereits nach dem Schiedsrichterskandal 2005 im Gefängnis. Einer ihrer Kompagnons ist Nürettin G., der Kontakte zu Spielern herstellte und gleichzeitig als Betreiber mehrerer Wettbüros in Norddeutschland bekannt war.

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März 2009:

Thomas Cichon wendet sich an den Präsidenten des VfL Osnabrück Dirk Rasch. Der Abwehrmann gesteht, dass er Spielschulden hat und einen Lohnvorschuss benötigt. Cichon bekommt einen Verrechnungsscheck und muss dafür versprechen, sich wegen seiner Spielsucht behandeln zu lassen. 

Januar – April 2009:

Die Ermittler registrieren in diesem Zeitraum 389 SMS- und 5 Telefonkontakte zwischen Thomas Cichon und Nürettin G. Der 35-jährige Türke kontaktiert Spieler der jeweiligen Vereine und platziert Wetten auf die manipulierten Spiele.  

17. April 2009:

Der VfL Osnabrück verliert gegen den FC Augsburg. Marcel Schuon, Spieler des VfL Osnabrück, gibt später zu, dass er eine Manipulation dieses Spiels geplant habe, davon jedoch während des Spiels abgesehen habe. Scheinbar ohne Erfolg: Das Spiel endet wie geplant mit 0:3.  

13. Mai 2009:

Der VfL Osnabrück verliert gegen der 1.FC Nürnberg mit 0:2. Thomas Cichon und Marcel Schuon sollen an einer Manipulation des Spiels »tatkräftig beteiligt« gewesen sein. Nach Erkenntnissen der Fahnder sollen Schuon im Vorfeld der Partie Wettschulden von 25.000 Euro erlassen worden sein. Thomas Cichon habe laut Anklage 5000 Euro erhalten. Für beide Spieler war Nürettin G. die Kontaktperson.  

23. Mai 2009:

Das Spiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Werder Bremen II soll ebenfalls manipuliert worden sein. Durch das 1:0 am letzten Spieltag steigt die Fortuna in die 2. Bundesliga auf.

19. November 2009:

Die Ermittlungen führen zur Verhaftung Nürettin Gs. Er dient fortan der Staatsanwaltschaft als Kronzeuge und unterstützt die Ermittler mit zahlreichen Informationen.  

24. November 2009:

Der Regionalligaverein SC Verl trennt sich von den beiden Spielern Patrick Neumann und Tim Hagedorn. Beiden wird versuchte Manipulation der Spiele gegen Borussia Mönchengladbach II (4:3) und gegen 1.FC Köln II (0:1) vorgeworfen.


27. November 2009:

Der SSV Ulm 1846 suspendiert die Spieler Davor Kraljevic, Marijo Marinovic und Dinko Radojevic. Der Vorwurf: Verdacht der Manipulation.

28. November 2009:

Patrick Neumann vom SC Verl gesteht der Staatsanwaltschaft in Bochum, dass er von einem Wettpaten 500 Euro erhalten habe und ist damit der erste geständige Fußball-Profi. Er bestreitet aber, dass er aktiv eine Manipulation vorgenommen hat.  

30. November 2009:

Wegen der Verstrickungen in den Wettskandal, entlässt der SV Sandhausen den ehemaligen Osnabrücker-Spieler Marcel Schuon. Schuon klagt gegen seine Entlassung.  

14. Dezember 2009:

Das Ermittlungsverfahren gegen Marcel Schuon wird beendet. Schuon erhält eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung und muss eine Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro zahlen.  

22. Dezember 2009:

Cetin Sevinc, Zweitliga-Schiedsrichter, gerät in den Fokus der Ermittler. Der DFB verhängt eine Schutzsperre für den Referee. Sevinc weist alle Vorwürfe zurück.  

25. Mai 2010:

Der DFB sperrt vier Spieler für 6, 8 und 14 Monate. Die Begründung: »unsportliches Verhalten«. Darunter sind drei Juniorenspieler von Arminia Bielefeld und der ehemalige Spieler Tim Hagedorn vom SC Verl.  

20. Juni 2010:

Thomas Cichon erscheint in Bochum zu einer Beschuldigtenvernehmung und erklärt, dass er weder auf eigene Spiele gewettet, noch in irgendeiner Form Spiele manipuliert hat.  

14. Juli 2010:

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Bochum gegen mehr als 250 Verdächtige. Man schätzt, dass etwa 270 Spiele, davon 53 in Deutschland und 74 in der Türkei manipuliert wurden.

30. August 2010:

Marcel Schuon wird vom DFB-Sportgericht für 33 Monate gesperrt. Das Gericht hält es für bewiesen, dass der Spieler sich gegenüber einem Wettbüro-Besitzer bereit erklärt hat, Ergebnisse der 2. Bundesliga zu beeinflussen.  

06. Oktober 2010:

Prozessbeginn in Bochum. Die Hauptangeklagten sind Nürettin G., Tuna A., Stefan R. und Kristian S. Ihnen wird vorgeworfen bis zu 32 Fußballspiele in Deutschland, Slowenien, Belgien, Kroatien, Schweiz und Ungarn manipuliert zu haben.  

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