Chronik des Regens von Recife

Sieger im Wet-Look-Contest

In einer manierlichen WM-Partie zwischen der deutschen Elf und Jürgen Klinsmanns US-Boys ist das größte Spektakel der beharrlich prasselnde Regen. Die Chronik eines 90 Minuten langen Wolkenbruchs.

imago

Es ist Winter in Brasilien. Regenzeit im Norden. Bereits beim Spiel der deutschen Elf in Salvador geschah es, dass sich der Himmel für Momente auftat, und ein Stoßregen niederging. Doch in Recife entwickelte das Wetter eine Beharrlichkeit, wie sie sonst nur Jermaine Jones in Zweikämpfen an den Tag legt. Am Tag vor dem Match hatte sich eine düstere Gewitterwolke bedrohlich auf den gesamten Küstenstreifen gebettet, an dem Recife liegt, und plästerte fortan im lauen Wind der Hafenstadt bis zum Anpfiff unbarmherzig ab. Auf dem Weg ins Stadion sah man, wie sich in den Straßen Bäche bildeten. An unebenen Stellen entstanden kleine Seen, durch die Busse nur noch mit Müh und Not hindurch kamen.

»Das Spiel fällt aus!« Ungläubige Stille

Recife liegt nur zwei Meter über dem Meeresspiegel. Die Stadt ist bei den Großstädten der Welt in der Top 15, was die Wahrscheinlichkeit anbetrifft, dass sie bei steigender Erderwärmung untergehen. Wer darin böse Vorzeichen für zwei Teams erkennen wollte, die vor Ausscheiden stehen, täuschte sich. Beim 90-Minuten-Wolkenbruch von Pernambuco lieferten sich zwei Mannschaften einen kernigen Schlagabtausch, an dessen Ende – um im Bild zu bleiben – völlig zurecht keiner von beiden im Regen stand, wenngleich die Niederschlagsstatistik ganz anderes aussagte.

Für europäische Journalisten, die nur gemäßigte Launen von Mutter Natur zu ertragen haben, waren die Überschwemmungen ein willkommener Anlass im Vorfeld des Matches ein Endzeitszenario zu zeichnen. In einem Medien-Shuttle hetzte ein deutscher Kollege durch den Bus und rief: »Agenturen in Deutschland melden, das Spiel fällt aus.« Ungläubige Stille. Doch wie sollte das gehen? Nächsten Dienstag wiederholen, wenn alles wieder trocken ist? All die Staatsgäste und VIPs, die Hospitality-Karteninhaber mit ihren 1000-Dollar-Karten unverrichteter Dinge wieder nach Hause fliegen oder am Ende sogar in einer versifften Pension in der völlig überbuchten Stadt einquartieren?

Da fallen sie

Im Stadion glitschten viele mit ihren Sandaletten und Flip Flops über den spiegelglatten Betonboden der Multifunktionsarena. Manche fielen kurz hin, ängstlich darum bemüht, das Equipment unter ihren Regenjacken zu schützen. An den Air-Condition-Generatoren, die warme Luft aus dem Medienbereich ins Freie pustete, riss man sich die Capes vom Hals und hing die Ballonseid kurz zum Trocknen vors heiße Gebläse.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!