Chiles Legende David Arellano

Das Spiel seines Lebens

Der Chilene David Arellano wird auch 87 Jahre nach seinem Tod kultisch verehrt. Denn der Stürmer galt nicht nur als einer der besten südamerikanischen Spieler seiner Zeit, machte den Fallrückzieher in Europa populär und gründete den Spitzenclub Colo-Colo – er starb auch auf äußerst tragische Art.

Archiv

Die Sonne steht hoch über der Plaza de Toros von Valladolid an diesem milden Mainachmittag des Jahres 1927. Die gastgebende Real Unión Deportiva und Colo Colo aus Santiago de Chile haben sich zu einem Freundschaftsspiel in der Nähe der Stierkampfarena eingefunden, über 20.000 spanische Zuschauer wollen den Auftritt des chilenischen Spitzenklubs sehen, der gerade durch Europa tingelt. Schnell geht Real Unión Deportiva mit 2:0 in Führung, den Chilenen merkt man die Reisestrapazen der monatelangen Tour mittlerweile deutlich an.

Doch Colo Colo kann bald zurückschlagen, nach dem 2:2-Ausgleich wogt die Partie hin und her. Bis zur 35. Minute: David Arellano, Gründer und sprunggewaltiger Starstürmer von Colo Colo, schraubt sich in einen Kopfballzweikampf mit dem Spanier Hornia, verliert ihn jedoch, geht zu Boden und wird dabei unglücklich von seinem Gegenspieler mit dem Knie in der Magengegend getroffen.

Sieben Stunden Todeskampf

Der leichenblasse Arellano wird unter den Blicken des erstarrten Publikums vom Feld getragen. Während er im nahen Hotel »Inglaterra« behandelt wird, müssen seine Mitspieler zu zehnt die Partie beenden, ganz in Gedanken bei ihrem Mannschaftskapitän. Verzweifelt kämpfen die spanischen Ärzte um das Leben des chilenischen Nationalspielers, doch schließlich lautet die Diagnose: Riss des Bauchfells, zur damaligen Zeit nicht behandelbar. Nach sieben Stunden Todeskampf bekommt Arellano die letzte Ölung. »Passt auf Mama auf«, sind die letzten Worte des 24-Jährigen zu seinen Brüdern Francisco und Alberto, die ebenfalls die Europareise mit Colo Colo angetreten haben. Es ist das Ende eine der größten Hoffnungen des südamerikanischen Fußballs der zwanziger Jahre.

Arellano kommt aus einer fußballverrückten Familie, schon in der Grundschule beginnt er mit dem Sport, der zu der Zeit in Chile erste Popularität erlangt. Mit 17 debütiert Arellano mit seinem Heimatklub Magallanes in der ersten chilenischen Liga, 1920 und 1921 gewinnt der mit dem Klub die Meisterschaft. Bald wird das Ausnahmetalent in die chilenische Nationalmannschaft berufen, mit der er 1924 und 1926 an der Südamerikameisterschaft teilnimmt. Beim Vorgänger der heutigen Copa América präsentiert Arellano erstmals seine Spezialität: den Fallrückzieher.

Der Fallrückzieher heißt in Lateinamerika: »la chilena«

»Leichtfüßig und von schmaler Gestalt legt sich David Arellano in die Luft«, beschreibt der Journalist Pablo Aro Geraldes Jahrzehnte später die Art, wie der Techniker seinen Trick vollführt. »Mit dem Rücken zum Tor schießt er rückwärts über seine eigene Seele.« Nicht ganz geklärt ist, ob der 1,74 Meter kleine Stürmer den akrobatischen Torschuss als erster entwickelt oder ihn zuvor von seinem Landsmann Ramón Unzuaga abgeschaut hat. Die staunenden Zuschauer aus Uruguay und Argentinien taufen den neuen Trick jedenfalls »la chilena«, ein Ausdruck, der auch heute noch in den meisten spanischsprachigen Ländern für den Fallrückzieher verwendet wird.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nichts akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!