Champions-League-Auslosung: Betrug oder Zufall?

Zurück in die Zukunft

Am Donnerstag zwischen 11.30 und 12 Uhr wurden in Nyon die Achtelfinal-Begegnungen der Champions League ausgelost. Nun kursieren Fotos einer Probeauslosung im Internet, die über 14 Stunden vorher stattgefunden haben soll. Sie zeigen exakt dieselben Begegnungen.

Wir sehen ein Bild, das die Begegnungen des Champions-League-Achtelfinales zeigt. Borussia Dortmund trifft da auf Schachtar Donezk, der FC Bayern spielt gegen den FC Arsenal und Schalke 04 muss gegen Galatasaray ran. Vorweggenommene Endspiele gibt es auch, zum Beispiel FC Barcelona gegen den AC Mailand oder Manchester United gegen Real Madrid. So weit, so normal.

Die Auslosung fand am Donnerstagmorgen in Nyon statt. Live. Glücksfee war Steve McManaman. Der Englänger machte über 300 Spiele für den FC Liverpool, in den Jahren 2000 und 2002 gewann er mit Real Madrid die Champions League. Der Mann kennt das, er ist ein Routinier.

Alles schon bekannt?

Er zog Galatasaray und den FC Schalke 04; Real Madrid und Manchester United; den FC Valencia und Paris Saint Germain. Die Ziehung begann um 11:45 und dauerte exakt 14 Minuten. Im Liveticker von »Spiegel Online« heißt es um 11:59 Uhr: »Das ging ja zackig, vielleicht wartet auf die Uefa-Funktionäre in Nyon schon das Mittagessen.«

Vielleicht konnten sie auch so schnell weg, weil eh schon alles bekannt und erledigt war?

Außerordentlich seltsam ist nämlich, dass jenes Bild der Auslosung seit gestern im Internet kursiert. Es wurde nicht nach der Live-Auslosung geschossen, sondern soll eine Probeauslosung des Achtelfinales zeigen. Der Facebook-User Anthony Gamet veröffentlichte das Bild am Mittwochabend kurz vor Mitternacht auf der Pinnwand von Borussia Dortmund. Es zeigt exakt dieselben Begegnungen wie die der Live-Auslosung.

Prof. Dr. Holger Drees vom Institut für Mathematische Statistik und Stochastische Prozesse an der Uni Hamburg findet das gar nicht so seltsam. Er weist darauf hin, dass bestimmte Begegnungen gar nicht möglich seien. Zum Beispiel dürfen die Teams aus demselben Land nicht gegeneinander spielen, außerdem spielt immer ein Gruppenerster gegen den Gruppenzweiten. »Eine grobe Abschätzung ergibt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine solche Doppelung kleiner als 0,34 Promille ist, aber größer als 0,2 Promille«, sagt er. »Berücksichtigt man aber, dass es in den verschiedenen Ligen über die Jahre vermutlich zu Hunderten ähnlicher Ziehungen kommt, so scheint es kein übermäßig erstaunliches Ergebnis, dass es irgendwann zu einer solchen Doppelung kommt.«

In Internetblogs, bei Facebook und Twitter mehren sich trotzdem die Verschwörungstheorien. Viele User befürchten, dass die Auslosung fingiert gewesen sei. Kann es denn sein, dass die Auslosung gestern aufgezeichnet und heute als Live-Sendung inszeniert wurde? Silke Ebmeier aus der Presseabteilung von Borussia Dortmund schließt das aus. Sie bestätigt, dass Hans-Joachim Watzke heute nach Nyon geflogen ist: »Schauen Sie sich die TV-Bilder an. Da sehen Sie Herrn Watzke, wie er über den Rasen unseres Stadions geht!«

»Morgen ist doch eh Weltuntergang...«

Die Uefa äußerte sich nach der Mittagspause um 14 Uhr gegenüber 11FREUNDE. Aus technischen Gründen mache man vor jeder Runde bei jedem Turnier zahlreiche Probeläufe, heißt es aus dem Press-Office. »Dass diese Begegnungen nun auch bei der Live-Übertragung gezogen wurden, ist reiner Zufall. Dass dieses Foto ins Internet gelangt ist, ist höchst unglücklich.«

Die Facebook-Community von 11FREUNDE sieht es derweil gelassen. User Michael Podlesny schreibt: »Morgen ist doch eh Weltuntergang...«

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