Cesc Fabregas im Interview

»Ich bin Fan von Gerrard«

Cesc Fabregas ist erst 22 und schon einer der besten Spieler der Welt. Vor dem Spiel seines Klubs Arsenal gegen Chelsea sprachen wir mit ihm über seinen steilen Aufstieg, sein Verhältnis zu Arsene Wenger und seine Vorbilder. Cesc Fabregas im Interview Cesc Fabregas, Sie haben sechs Tore für Arsenal in der Meisterschaft erzielt, dazu mit zehn Assists ligaweit die meisten kreiert. Woher kommt Ihre neue Torgefahr? 

Schwer zu sagen. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich in der Rolle, die ich jetzt bei Arsenal spiele, einfach wohl fühle. 

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Trainer Arsene Wenger lässt diese Saison ein 4-3-3-System spielen. Inwiefern hat das Ihre Position verändert?

Im 4-4-2 war ich einer von zwei zentralen Mittelfeldspielern, der in der Tiefe Bälle annimmt, sie kontrolliert, weiter passt und nach vorne geht. Jetzt ist mein Part weiter vorne im Spiel. Zwar habe ich nun oft weniger Ballkontakte als früher, kann dafür aber mehr finale Pässe spielen, selbst mehr in torgefährliche Positionen begeben und auch Tore schießen. In dieser Rolle habe ich wesentlich mehr Freiheiten.

Ihr Erfolg ist auch der des Teams: Arsenal erzielt im Schnitt drei Tore pro Spiel – mehr als jede andere europäische Spitzenmannschaft. Sind die »Gunners« nach langer Zeit wieder reif für den Titel?

Wir arbeiten hart und glauben an uns. Ich will zwar nicht darüber sprechen, ob wir dieses Jahr etwas holen oder nicht. Aber die Premier League ist ein Wettbewerb, den ich wirklich gewinnen will. Der Tag, an dem ich Englischer Meister werde, wäre einer der besten in meinem Leben. Mit Sicherheit!   

Ähnlich geht es Michael Ballack, der mit dem FC Chelsea einen neuen Versuch startet und am Sonntag im Emirates Stadium gastiert. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Chelsea ist sehr stark, aber ich spiele gern gegen sie. Chelsea hat ein hervorragendes Mittelfeld und es ist immer schwierig, sie zu knacken.   

Wem räumen Sie noch Chancen im Titelrennen ein?

Manchester United, wie immer. Auch ohne Ronaldo und Tevez spielen sie bis zum Ende mit. Manchester City und Tottenham spielen ebenfalls gut.  

Macht es für Sie einen Unterschied, ob Sie gegen Chelsea spielen oder gegen ein Team wie zum Beispiel Blackburn?

Nicht, was die Vorbereitung angeht. Aber die Spiele verlaufen schon anders. Teams wie Blackburn pressen früh im Mittelfeld und decken eng, weil sie wissen: Lassen wir die spielen, wird’s gefährlich! Triffst du auf Mannschaften wie Chelsea, ist es mehr ein Spiel. Es finden mehr Pässe statt, vielleicht hast du mehr Zeit, mehr Raum im Mittelfeld, weil beide versuchen, Fußball zu spielen und Tore zu erzielen.  

Sie sind erst 22 Jahre alt, aber bereits einer der besten Mittelfeldspieler der Welt. Wie haben Sie das geschafft?


Als ich zu Arsenal kam (2003; d.Red.), war ich der einzige 16-Jährige, der schon jeden Tag mit der ersten Mannschaft trainieren durfte. Mit großen Champions wie Thierry Henry, Dennis Bergkamp, Kanu, Patrick Vieira. Ich habe unglaublich viel von diesen Spielern gelernt, und ich will eines Tages sein wie sie.  

Sie sind Stratege, Kapitän und oft ein wichtiger Torschütze. Hat Trainer Arsene Wenger bei Ihnen überhaupt noch was zu kritisieren?  

Sicher, er ist nie hundertprozentig zufrieden. Immer wenn du glaubst, etwas perfekt zu machen, kommt er mit einem Video und sagt: Schau, das hättest du so machen müssen. Wenger liebt den Fußball, und er sieht einfach Dinge, die du nicht siehst.  

Was bemängelt er konkret?

Er sagt mir zum Beispiel, dass ich mich defensiv verbessern muss. Und er hat Recht: Wenn ich ein kompletter Mittelfeldspieler werden will, muss ich mich dort steigern, mehr fürs Team tun. Auch mein finaler Pass ist noch verbesserungsfähig.  

Ende letzten Jahres hat Wenger Sie zum Kapitän gemacht.  

Ich werde das niemals vergessen, es war ein ganz besonderer Tag für mich. Er sprach etwa zehn Minuten mit mir, über mein Privatleben. Wie ein Vater zu seinem Sohn, und ich fühlte mich großartig in diesem Moment.   

Und dann fragte er, ob Sie Kapitän werden wollen?

Genau. Und ich sagte: Ja, selbstverständlich.  

Wie interpretieren Sie die Kapitänsrolle?

Es verpflichtet dich, noch eine Spur mehr zu geben – für das Team. Es gibt viele Beispiele, von denen ich lernen kann. Wie Liverpools Steven Gerrard; ich bin ein großer Fan von ihm. In wichtigen Momenten ist er als Kapitän fast immer für sein Team da. Ein Vorbild eben.    

Meisterschaft, Champions League, Pokalspiele: Mit Arsenal sind Sie ständig unterwegs. Wie vertreiben Sie sich die Zeit in den vielen Hotels?

Im Hotelzimmer spielen wir Playstation. Oder ich schaue DVDs.   

Wer ist Ihr bester Freund im Team?

Das ist Tomas Rosicky. Er nimmt mich übrigens immer wieder gerne mit in ein tschechisches Restaurant in London. Na, ja, es ist nicht wirklich gut ... (lacht)  

Sie haben Ihre Heimat, Ihre Familie und Freunde früh verlassen. Wie ist der Kontakt heute?

Ich habe immer noch die selben Freunde wie früher. Ich bin mit ihnen aufgewachsen und kann mit ihnen nach wie vor über alles reden. Darüber bin ich sehr glücklich.  

Welchen Rat gaben Ihnen Ihre Eltern damals mit auf den Weg?

Sie sagten: Denk immer daran, wo du herkommst, wer du bist und gib dein Bestes. So haben sie es mir auch vorgelebt.  

Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Fußballer wären?

Wahrscheinlich würde ich studieren wie meine Freunde. Etwas, das mit Sport zu tun hat.  

Mögen Sie andere Sportarten außer Fußball?

Nicht wirklich, im Fernsehen sehe ich Fußball. Ab und zu auch Basketball, wenn Spanien spielt. Oder ein wichtiges Tennismatch von Rafa Nadal. Ansonsten spiele ich hin und wieder pádel, eine Version von Tennis auf kleinerem Feld.   

Sie sind ein Superstar der Premier League, hätten in jedem Mittelfeld der Welt einen Stammplatz – außer im spanischen Nationalteam. Zuletzt gegen Argentinien wurden Sie erst spät eingewechselt. Frustriert Sie das?

Ich bin glücklich, mit so überragenden Fußballern wie Xavi, Iniesta oder
Senna in einem Team zu stehen. Sicher bin ich auch manchmal unzufrieden, wenn ich nicht spiele. Aber ich bin erst 22 und kann noch so viel von ihnen lernen. Auch im Training oder wenn ich auf der Bank sitze. Erhalte ich dann noch die Chance, mit ihnen zusammen zu spielen – was soll ich sagen, das ist einfach großartig.  

Spanien gehört als Europameister zu den Favoriten auf die WM im nächsten Jahr. Dabei litt das Team lange unter einem Loser-Image. Können Sie den Wandel erklären?  

Es war nach der Niederlage in der EM-Qualifikation in Schweden (0:2; d. Red.). Alle sagten damals, wir hätten gegen den Trainer (Luis Aragones) gespielt, wir wären Spaniens schlechtestes Team aller Zeiten. Und dann passierte etwas Merkwürdiges: Als wir uns danach wieder zur Nationalmannschaft trafen, war unser Siegeswille stärker denn je. In diesem Moment hat irgendetwas Klick gemacht. Plötzlich spielten wir besser, das Selbstvertrauen kehrte zurück. Selbst bei Rückständen blieben wir cool, weil wir wussten, dass wir jedes Spiel drehen können. Der besondere Teamgeist dieser Mannschaft war entscheidend für unseren späteren EM-Triumph.  

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