21.03.2013

Bye Bye, Michael Owen!

Flieg wie ein Schmetterling

Seite 2/3: Der kleine, weiße, fußballspielende Muhammad Ali
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Knapp 15 Jahre später gibt Michael Owen, 33, das baldige Ende seiner Karriere bekannt. Der inzwischen für Stoke City stürmende Fußballer verkündet via Twitter: »Heute ist ein großer Tag. Ich habe entschieden, dass diese Saison meine letzte als Profi-Fußballer ist.« Heute ist ein trauriger Tag.

Michael Owen, das ist eine Geschichte von Toren und Sensationen, von Titel und Triumphen. Aber auch eine Story von Verletzungen, verpassten Hoffnungen und gescheiterten Plänen. Nicht wenige Wegbegleiter, Mitspieler und Experten sind sich darüber einig, dass Owen der beste englische Angreifer aller Zeiten hätte werden können. Doch weil er sich immer wieder verletzte, vielleicht auch falsche Entscheidungen traf, haftet ihm heute der »Was wäre wenn«-Makel an. Er selbst sagt: »Ich bin einer der glücklichsten Menschen auf der Welt, habe für Liverpool, Real Madrid und Manchester United gespielt, habe in 89 Spielen für mein Land 40 Tore geschossen. Ich habe so viel Geld verdient, dass ich nie wieder arbeiten muss. Was habe ich verpasst?« Eine Weltkarriere, kein Zweifel. Aber.

Vielleicht war er nie besser als in jenem Sommer 1998

Aber vielleicht war er nie besser, als in jenem Sommer 1998, als er mit 18 Treffern Torschützenkönig in der Premier League wurde und mit seinem Tor gegen Argentinien die Welt kurzzeitig aus den Angeln hob. Nicht mal ein Jahr später, am 12. April 1999, reißt ihm im Ligaspiel gegen Leeds United eine Sehne am hinteren Oberschenkel. Möglicherweise zahlt der Jüngling schon jetzt für die Dauerbelastung im Jugendbereich. Weil immer schneller, immer talentierter, immer besser als seine gleichaltrigen Mitstreiter war, setzten ihn die Trainer immer in den älteren Jahrgängen ein. Mit fatalen Folgen für den jungen Körper. »Steven Gerrard musste mit 14 mal lange Zeit wegen einer Verletzung pausieren, das war sein Glück. Sein Körper wurde nicht überlastet. Ich konnte und wollte immer spielen«, sagt Owen.

Die Verletzung verheilt schnell, Owen ist erst 19. Aber die Probleme wird er nie wieder los. Drei dieser Sehnen gibt es in jedem Oberschenkel. Ist ein Bein beschädigt, wird automatisch das andere Bein stärker belastet. Und so weiter. »Jeder Spezialist hat mir dasselbe gesagt«, hat es Owen mal erklärt, »du belastet links, die Sehnen werden gereizt. Du belastet rechts, die Sehnen werden gereizt. Ein Teufelskreis. Kein Zweifel: Diese Verletzung hat meine Karriere nachhaltig beeinflusst.«

Davon merkt man zunächst nichts. Als Owen seine Jugendliebe Liverpool 2004 nach 13 Jahren Vereinszugehörigkeit verlässt, hat er in 216 Pflichtspielen 118 Tore geschossen. Darunter zwei grandiose Treffer in den letzten sieben Minuten des FA-Cup-Endspiels 2001 gegen den FC Arsenal. Liverpool gewinnt mit 2:1. Im selben Jahr steht Owen in der Startelf beim sensationellen 5:4-Finalerfolg seiner Mannschaft im UEFA-Cup gegen Deportivo Alaves. 2001 gibt es keinen spektakuläreren Stürmer als den jungen Briten. Vor Raul und Oliver Kahn wird er als erster Engländer seit Kevin Keegan zu »Europas Fußballer des Jahres« gewählt. Im September 2001 schießt er drei Tore beim gefeierten 5:1-Sieg gegen den Erzrivalen Deutschland. Er ist wie eine kleine, weiße, fußballspielende Version von Muhammad Ali: Er ist schnell wie ein Schmetterling und sticht wie eine Biene. So eiskalt ist Owen vor dem gegnerischen Tor, dass ihm angeborene Gefühlskälte attestiert wird. Er selbst sagt Jahre später: »Es stimmt, ich bin ein ziemlich emotionsloser Typ. Ich habe nur einmal geweint: Als mein Pferd ›Brown Panther‹ beim legendären Ascot-Pferderennen zum Sieg lief.« 2004 wechselt Owen zu Real Madrid.



>>> Michael Owens Karriere in der Bildergalerie!

 
 
 
 
 
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