16.05.2014

BVB-Mittelfeldjuwel Milos Jojic

Der Kleine in der Unterhose

Wird er einer der Stars des DFB-Pokalendspiels? Bei Borussia Dortmund hat sich Milos Jojic in den Vordergrund gespielt. Der Winter-Neuzugang fügt sich als Gündogan-Ersatz perfekt ins BVB-Spiel ein. Ein Porträt.

Text:
Christoph Küppers
Bild:
imago

Genau ein Jahr liegt der größte Moment in der Karriere von Milos Jojic zurück. Partizan gegen Roter Stern, das legendäre Belgrader Stadtderby. Im entscheidenden Spiel um die Meisterschaft wurde der damals 21-jährige Serbe an diesem 18. Mai 2013 knapp 20 Minuten vor Schluss eingewechselt. Vermutlich hofften einige Partizan-Fans, dass das vielversprechende Talent das Spiel entscheiden würde, wirklich rechnete aber niemand damit. In der 90. Minute gab es beim Stand von 0:0 einen Freistoß. Jojic schnappte sich den Ball, lief an und traf. Ekstase. Die Fans stürmten die Fans den Platz, entrissen Jojic Trikot, Hose, Stutzen und Schuhe. Am Ende stolzierte der junge Mann nur mit Unterhose bekleidet über den Platz und grinste.

Am Wochenende könnte dieser Moment Konkurrenz bekommen. Vor dem DFB-Pokalfinale zwischen Borussia Dortmund und Bayern München ist Milos Jojic einer der Gründe, warum der BVB durchaus gute Chancen hat, in Berlin zu siegen.

Klopps serbische Begrüßung

Die Geschichte von Jojic beim BVB beginnt im Winter. Damals zwang die schwere Verletzung von Jakub Blaszczykowski Manager Michael Zorc zum Handeln. Also lotste er den Nationalspieler von Partizan nach Dortmund. Der hatte in seinem Heimatland in der Hinrunde der Saison 2013/14 ordentlich Werbung in eigener Sache betrieben. Der Mittelfeldspieler absolvierte als einziger Partizan-Akteur alle 15 Hinrunden-Spiele, erzielte dabei sechs Treffer und bereitete weitere sieben vor. Ursprünglich wollte er noch gar nicht aus Belgrad weg, das Gesamtpaket des BVB überzeugte ihn aber.

»Jürgen Klopp konnte sogar ein paar Wörter serbisch«, erzählte Jojic bei seiner Vorstellung. Außerdem habe sein Berater, Ex-BVB-Star Micki Stevic, viel über den Verein berichtet. In Dortmund rechneten viele bei der Vorstellung der neuen Nummer 14 dennoch eher mit einem besseren Ergänzungsspieler. »Bei ihm ist es sehr schnell gegangen mit der Integration und der Adaption seines Spielstils«, zeigt sich auch Michael Zorc überrascht.

Leben in lahmender BVB-Zentrale

Jojic erwischte einen Traumstart. Mitte Februar feierte er im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt sein Debüt, versenkte den Ball nur 17 Sekunden nach der Einwechslung im Tor. Zunächst auf der Außenbahn eingeplant, hat er sich seitdem im zentralen Mittelfeld festgespielt. »Dort kann ich aus dem Hintergrund auftauchen, um vor dem Tor zu Gefahr zu sorgen«, sagt er. Und dort belebte er den im Herbst lahmenden BVB.

Im zentralen Mittelfeld fielen Sven Bender und Ilkay Gündogan verletzt aus, Nuri Sahin und Sebastian Kehl wirkten überspielt. Jojic hingegen entwickelte sich zuletzt zur bemerkenswerten Konstante. Jürgen Klopp sagte zuletzt: »Er ist ein Riesentalent.«

 
 
 
 
 
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