Bundesliga-Torjäger ohne Länderspielkarriere

Die vertrackte Kanone

Bundesligatore am Fließband – und trotzdem keine Einladung vom Bundestrainer: Leverkusens Stefan Kießling befindet sich in prominenter Gesellschaft. Eine Liste der Ignorierten von Martin Max bis Fritz Walter. Bundesliga-Torjäger ohne Länderspielkarriere

Martin Max

Auch rückblickend schier unvorstellbar: Zur WM in Japan und Südkorea fuhr nicht der Bundesliga-Torschützenkönig Martin Max sondern Carsten Jancker. Wie viele Tore hatte der in der Saison 2001/02 noch mal erzielt? Ach ja, kein einziges. »Ich bin von Janckers Fähigkeiten und Qualitäten überzeugt«, wand sich Teamchef Völler damals. Welche Fähigkeiten und Qualitäten »Tante Käthe« genau meinte, ist bis heute unklar. Torgefahr kann nicht dazu gehört haben (siehe oben) und auch in punkto Spielgenuss war beim barhäuptigen Münchner bekanntlich eher Schlachterplatte statt Sternedinner angesagt. Zurück zu Martin Max: 396 Spielen und 126 Toren in der Bundesliga stehen sieben Minuten Einsatzzeit in der Nationalmannschaft gegenüber.

Manfred Burgsmüller

21 Jahre lang räkelte sich Burgsmüller im gleißenden Flutlicht deutscher Arenen und traf im Schnitt mehr als zehn Mal pro Spielzeit. Doch die Bundestrainer verschlossen die Augen. Egal ob in Bremen, Dortmund, Nürnberg oder Essen – der schlitzohrige Blondschopf traf und traf – seine drei läppischen Einsätze im DFB-Trikot sprechen Burgsmüllers grandioser Bundesligabilanz Hohn. In Zeiten von Rummenigge, Fischer und Allofs war für »Manni« offensichtlich kein Platz im deutschen Sturm. Beim Umbruch nach dem Cordoba-Debakel 1978 war Burgsmüller dem neuen Bundestrainer Jupp Derwall mit 29 Jahren vielleicht auch schon zu alt. Doch Alter schützt vor Toren nicht: Sein letztes Bundesligator erzielte Burgsmüller schließlich mit knapp 40.

Frank Mill

123 Bundesligatoren zum Trotz: Zu mehr als einem Status als Ergänzungsspieler reichte es für den gebürtigen Essener in der A-Nationalmannschaft nicht. Bei der WM in Italien spielte »Franky« nur eine Statistenrolle und kam zu keinem Einsatz. »Eigentlich bin ich kein Weltmeister«, sagte er später. Dafür aber erfolgreicher Olympionike. Mill schaffte es zu zwei olympischen Turnieren und führte die deutsche Auswahl 1988 als Kapitän zur Bronzemedaille. Zusammen mit Jürgen Klinsmann war der Dortmunder mit vier Toren der erfolgreichste deutsche Stürmer. Er soll Auswahltrainer Hannes Löhr auch überredet haben, Wolfram Wuttke nach Seoul mitzunehmen.

Klaus Toppmöller

In der Vereinschronik des 1. FC Kaiserslautern sind Toppmöllers 108 Tore nach wie vor das Nonplusultra. Vielleicht fehlten den damals amtierenden Bundestrainern einfach die Erfolge in der Vita des Moselaners – zwei Mal Platz 3 in der Bundesliga und ein verlorenes DFB-Pokalfinale waren das höchste der Gefühle. Vielleicht aber lag es auch an »Toppis« unbequemer Art, die Jogi Löw heutzutage als »mangelhafte Soft Skills« bezeichnen würde, dass »der kleine Schweinehund aus Rivenich« (R. Calmund) zu nicht mehr als drei Einsätzen für Deutschland kam. Ein gelungenes Debüt seiner ultrakurzen internationalen Laufbahn immerhin feierte der Mann mit der ausladenden Lockenpracht: Beim Länderspiel gegen Spanien im Mai 1976 traf er zum 2:0-Endstand. Auch als Trainer blieb Toppmöller das Titelpech treu: 2002 stand er mit Leverkusen kurz vor dem Triple und dann doch mit leeren Händen da.

Fritz Walter (Jr.)

Im Gegensatz zu seinem in der Nationalelf unterm Strich doch recht erfolgreichen Namensbruder aus der Pfalz langte es für das kleine, schnauzbärtige Pendant nicht einmal für eine schäbige Berufung in die A-Auswahl. Nur 11 Spieler haben in der Bundesliga öfter getroffen als der gebürtige Mannheimer (157 Tore). Das Trikot mit dem Adler haben mehr als 860 Personen öfter getragen als Walter. Die Konkurrenz war in der zweiten Hälfte der Achtziger und Anfang der Neunziger, Walters großer Zeit, wohl einfach zu gut. So muss er sich mit der Torjägerkanone aus dem Jahr 1992 trösten.

Stefan Kuntz

Langes Warten kann aber auch belohnt werden. Der heutige Lauterer Vorstandsvorsitzende schoss jahrelang in der Bundesliga Tore ohne Unterlass, wurde im WM-Jahr 1986 Torschützenkönig. Der »Kaiser« ignorierte den Dauerknipser mit gleicher Beständigkeit – vielleicht weil in Bochum und Uerdingen in der Regel nicht die ganz große Fußballprominenz zu Gast war. Und so hatte Kuntz schon 119 Treffer in Deutschlands höchster Spielklasse erzielt, bis sich der Bundesberti des 31-Jährigen endlich erbarmte und ihn im Dezember 1993 mit auf Amerikareise nahm. Kuntz meldete sich standesgemäß zum Dienst im Nationaltrikot und machte gegen die USA im ersten Spiel direkt seine erste Bude. Zu immerhin 25 Länderspielen kam der Saarländer noch – und trug mit 33 Lenzen maßgeblich zum Europameistertitel der deutschen Elf bei.

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