Brennpunkt Pyro: Stimmen zum DFB-Verbot

»Das ist ganz schlechtes Kino!«

Am Mittwoch erklärten DFB und DFL die Diskussion um Pryotechnik für beendet. Feuerwerk im Stadion bleibt weiterhin verboten. Wir sprachen mit Fanvertretern, Ultras, Spielern, Fanforschern und der Polizei über die Entscheidung. Brennpunkt Pyro: Stimmen zum DFB-Verbot

Philipp Gauch
(Generation Luzifer/Ultras Kaiserslautern)

»Das ist ganz schlechtes Kino!«


»Der DFB hat zum wiederholten Male die Chance vertan, mit den Fans zu sprechen, anstatt immer nur über sie. Man hätte versuchen müssen, die Probleme gemeinsam anzugehen. Kritisch zu beurteilen ist der Verweis auf UEFA oder FIFA, die den Einsatz von Pyrotechnik angeblich untersagen. Dann dürfte es in anderen Ländern, wie etwa in Österreich, auch kein Pyro geben. Interessant ist auch, dass sich der DFB in keiner Weise vor seine Angestellten stellt, die damals die Gespräche mit den Fans geführt haben. Das ist ganz schlechtes Kino! Wir müssen in den nächsten Wochen besprechen, wie es mit der Kampagne weitergehen wird. Ich denke, die Gruppen werden auch zukünftig nicht auf Pyrotechnik verzichten.«

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Ansgar Brinkmann
(Ex-Spieler, früher u.a. Arminia Bielefeld, Eintracht Frankfurt)

»Pyrotechnik gehört zum Fußball.«


»Wenn ich früher ins Stadion einlief und in den Kurven die bengalischen Feuer brennen sah – mein lieber Mann, das war ein toller Anblick. Das hatte Flair, Atmosphäre. Als Spieler wusste ich: Hier passiert heute Abend was. Pyrotechnik gehört für mich seitdem irgendwie zum Fußball. Allerdings kann ich auch die heutigen Sicherheitsbedenken verstehen. Daher plädiere ich für ein Abbrennen von Pyrotechnik unter Aufsicht von Experten, zum Beispiel der Feuerwehr. So könnte auch vermieden werden, dass Böller und Raketen aufs Spielfeld geschossen werden oder sich Fans verletzen. In der Hinsicht sollte der DFB sich öffnen.«

Jonas Gabler
(Fanforscher/Autor, u.a. »Die Ultras. Fußballfans und Fußballkulturen in Deutschland«)

»Der DFB hat den Dialog plötzlich beendet: Ein Fehler!«

»Der Verband hat den großen Fehler gemacht, den Dialog abzubrechen. Nach verschiedenen personellen Wecheln – unter anderem dem Weggang von Helmut Spahn – haben sich beim DFB nun scheinbar Mitglieder durchgesetzt, die einen dogmatischeren Kurs fahren. Ein erstes Zeichen dafür ist die Diskussion um den möglichen Ausschluss Dynamo Dresdens vom DFB-Pokal. Eine unschöne Entwicklung ist es, dass im Fahrwasser nun Funktionäre schwimmen, die diese Diskussion nutzen, um andere Interessen durchzusetzen. Sie plädieren etwa für höhere Ticketpreise oder den kompletten Ausschluss von Ultras. Was bei all der Hysterie leider vergessen wird, ist die Tatsache, dass das momentane Abbrennen – Betonung auf Abbrennen – von Pyrotechnik auch eine bewusste Reaktion auf die plötzliche Beendigung des Dialogs seitens des DFB ist.«

Ben Vogt
(Fanbeauftragter von Eintracht Frankfurt)

»Das Thema wird damit nicht erledigt sein«


»Ich finde es sehr enttäuschend, dass Fanbeauftragte bei dieser Entscheidungsfindung überhaupt keine Rolle spielen. Wir sind diejenigen, die sich jedes Wochenende und auch jede Woche mit dem Thema und den Fans beschäftigen, aber so wie es aussieht, sollen wir nicht dabei sein. Das stößt mir bitter auf. Es wird immer vom Dialog mit den Fans gesprochen, aber im Moment kann ich nicht erkennen, wo dieser stattfindet. Bei den Fans kommt diese Entwicklung sicherlich nicht gut an. Das Thema wird damit nicht erledigt sein.«

Hans-Jörg Sommerfeld
(Pressesprecher Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste Nordrhein-Westfalen / Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze)

»Endlich herrscht Klarheit für alle Beteiligten«


»Die ZIS begrüßt die Entscheidung von DFL und DFL. Damit herrscht endlich Klarheit für alle Beteiligten. Aus polizeilicher Sicht haben wir Pyrotechnik in größeren Menschenmengen aus Gründen der Gefahrenabwehr schon immer abgelehnt.«

Volker Goll

(Koordinationsstelle Fanprojekte)

»Das Anliegen der Pyrotechnik-Kampagne ist untergegangen«

»Bei der ganzen Aufregung geht bedauerlicherweise unter, welches Anliegen das Konzept die Pyrotechnik-Legalisieren-Initiative im Kern hatte. Die Fanbündnis vertrat einen beeindruckend großen Teil aktiver Szenen, denen es im ersten angestrebten Schritt um Folgendes ging: Tests an ausgewählten Standorten durchzuführen, unter Berücksichtigung geltenden Rechts und diesbezüglichen Bestimmungen. Das damit einhergehenden Miteinander hätte zu mehr Sicherheit im Stadion beigetragen, weil Fans selbst Mitverantwortung dafür übernommen hätten. Inzwischen gibt es viele Ultraszenen, die eben kein Interesse an Gefährdung von Stadionbesuchern durch Böller oder Rauchbomben haben. Es gibt keine Alternative zum Dialog, dabei macht es aus unserer Sicht wenig Sinn in sogenannte echte oder falsche Fans zu unterscheiden.«

Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG)

Presseerklärung

Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte mahnt zur Sachlichkeit

Mit Besorgnis beobachtet die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) die derzeitige Mediendebatte um eine angebliche Ausuferung der Gewalt bei und im Umfeld von Fußballspielen. Durch die enge Arbeit mit jungen Fußballfans und den direkten Kontakt in die lokalen Fanszenen ist es den Mitarbeitern/innen der Fanprojekte möglich, aktuelle Entwicklungen und Stimmungen zu registrieren und darauf angemessen zu reagieren.

Die BAG verfolgt mit Sorge die momentan ausufernde  Diskussion über die angebliche Gewaltzunahme im Rahmen von Fußballspielen. Vertreter von DFB und DFL,  aus Politik und Gesellschaft und die Polizei erwecken in ihren Ausführungen den Eindruck, dass der Besuch eines Fußballspiels zwangsläufig mit einer Gefährdung der eigenen Gesundheit und der Unversehrtheit des eigenen Leibes verbunden ist. Die aktuelle  Berichterstattung in den Medien führt zu einer Hysterie und geht völlig am Ziel einer sachgerechten und objektiven Auseinandersetzung mit dem Thema der Gewalt beim Fußball vorbei. In der öffentlichen Wahrnehmung wird ein Bild verfestigt, das nicht den Tatsachen entspricht und in dem bspw. die Verwendung von Pyrotechnik pauschal mit »Gewalt« und »Randale« gleichgesetzt wird, und die Ultra-Gruppierungen als alleinige Verantwortliche  für die aktuelle Lage dargestellt werden. Durch eine solche Sippenhaft einzelner Gruppen sowie die undifferenzierte Berichterstattung, die in weiten Teilen populistische Züge angenommen hat, kommt man dem Ziel der Verringerung der Gewalt beim Fußball keinen Schritt näher. Vielmehr steigt die Gefahr, dass durch die Darstellung falscher Tatsachen und die Panikmache  in vielen Presseberichten, die Gewalt im Umfeld des Fußballs noch weiter ansteigt und sich die Fronten weiter verhärten.

Die BAG fordert bei der derzeitigen Diskussion eine Rückkehr zu einer sachlichen und objektiven Berichterstattung und Debatte. Es sollte sich an sachliche Argumente und an Fakten gehalten werden. Dramatisierungen und Hysterie  führen  nicht zum Ziel, eher wirken sie sich kontraproduktiv aus. Unabdingbare Voraussetzung aus Sicht der BAG ist, dass es (weiterhin) einen Dialog mit den (betroffenen) Fußballfans/Ultras gibt. Nur durch den offenen und ehrlichen Austausch mit dieser Gruppe ist es möglich, aktuelle Meinungen und Entwicklungen aus den Fankurven zu registrieren und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln, die zielführend und nachhaltig scheinen. Hierzu gehören Verband und Liga mit den Fans/Ultras und deren Organisationen an einen gemeinsamen Tisch. Die Fanprojekte werden diesen Dialog gern auf den Weg bringen, moderieren und begleiten. Nach Ansicht der BAG ist nur über den Weg der Kommunikation und des Dialogs das Ziel zu erreichen, hinter dem alle Fußballfans stehen/stehen sollten: Weniger Gewalt beim Fußball.

i.A. Matthias Stein

BAG Sprecher

www.bag-fanprojekte.de

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