Bremen-Frankfurt in der Spielanalyse

Drei Phasen zum Klassenerhalt

Werder Bremen gelingt mit einem 1:1 gegen Eintracht Frankfurt der Klassenerhalt. Erst drückte Werder, dann wankte Werder und zum Schluss verwaltete der Schaaf-Klub das Ende der Seuchensaison. Die Spielanalyse.

Endspielatmosphäre in Bremen: Im ausverkauften Weserstadion wollte Werder nach einer Saison voller Pleiten, Pech & Pannen den Klassenerhalt sichern. Thomas Schaaf stellte seine Mannschaft in einem klassischen 4-2-3-1 auf, das defensiv zu einem 4-4-2 wurde. Eintracht-Coach Armin Veh schickte sein Team mit demselben System auf das Feld.

Die Sturm- und Drangphase

Die Bremer begannen das Spiel stürmisch. Philipp Bargfrede rückte aus dem Mittelfeld immer wieder nach vorne, um die gegnerischen Sechser unter Druck zu setzen. Die Stürmer konnten hierdurch aufrücken und die Innenverteidiger zu Pässen auf die Außenverteidiger zwingen. Dort warteten schon Özkan Yildirim und Kevin de Bruyne und attackierten diese.



Unter Druck wurden die Pässe der Außenverteidiger Sebastian Jung und Bastian Oczipka ungenau. In der Anfangsviertelstunde fanden nur zwei ihrer zehn Pässe einen Mitspieler. Damit ging Frankfurts Kalkül nicht auf, den an der gegnerischen Viererkette lauernden Inui hinter die Abwehr zu schicken. Zumeist kamen die langen Bälle nicht an, und wenn sie es doch taten, stand Inui im Abseits. Insgesamt viermal pfiff der Schiedsrichter eine Abseitsposition des Japaners ab. Dieses Kunststück schaffte an diesem Spieltag sonst nur der Freiburger Daniel Caligiuri.

Bremen dominierte mit diesem hohen Pressing das Spiel. Im eigenen Angriff versuchten sie, in die Räume zwischen den gegnerischen Viererketten zu kommen. Eintracht Frankfurt wirkte in dieser Phase desorientiert. Ein ums andere Mal verließen Spieler die eigene Ordnung, um Bremer Gegenspieler unter Druck zu setzen. Kevin de Bruyne war der Nutznießer dieser Unordnung. Er war äußerst umtriebig und suchte stets Lücken in der gegnerischen Formation. Der Führungstreffer war eine Kombination aus Bargfredes aggressivem Forechecking und de Bruynes Gespür für die Lücke. Der Belgier stand auf der linken Seite frei und verwertete eine Balleroberung von Bargfrede (22.).

Die Zurückzieh- und Angstphase

Nach der Führung zogen sich die Bremer zurück. Sie verzichteten gänzlich auf ihr aggressives Pressing und reihten sich stattdessen in einem passiven 4-4-2 auf. Hierbei übten sie im Mittelfeld keinen Druck auf den Gegner aus, sondern wichen an den eigenen Sechzehner zurück. Dort standen die beiden Viererketten leicht versetzt, sodass keine Lücken für Schnittstellenpässe entstanden.

Frankfurt konnte in dieser Phase den Ballbesitzwert hochschrauben. Sie ließen die Kugel ruhig laufen und warteten auf Lücken in der Bremer Formation. Geduldig verlagerten sie das Spiel von links nach rechts und wieder zurück. Oczipka und Jung schoben nun weiter nach vorne, auch Inui und Aigner hielten auf den Außenpositionen die Breite.

Passive Bremer

Frankfurt konnte das Spiel gegen die komplett passiven Bremer dominieren und Konter durch ihr Gegenpressing im Keim ersticken. Auch nach der Pause behielten die Hessen die Feldhoheit. Ihr einziges Problem waren jedoch ihre ungenauen Flanken. So schaffte die Eintracht es zwar mehrmals, auf den Flügeln durchzubrechen, jedoch landeten die Hereingaben meist in den Händen von Werder-Keeper Sebastian Mielitz. Nur sechs der 22 Frankfurter-Hereingaben fanden einen Mitspieler. Ausnahme der Regel war die Flanke, die zum Ausgleich führte. Karim Matmour verlängerte auf Lakic (51.), dessen Ausgleichstreffer war verdient, da Werder sich nach der eigenen Führung nur noch die Räume schloss und bei Kontern kaum mehr aufrückte.

Gebanntes Schauen auf die Anzeigetafel

Nach dem Ausgleichstreffer brachte Thomas Schaaf mit einem Wechsel neuen Schwung in die Partie. Zlatko Junuzovic ersetzte Felix Kroos (62.). Der Österreicher interpretierte die Rolle im zentralen Mittelfeld offensiver. Er stieß weiter nach vorne, wodurch er das Pressing der Bremer schlagartig wiederbelebte. Plötzlich beteiligten sich auch die Angreifer wieder an der Jagd nach dem Ball. Gleichzeitig entstanden so erstmals echte Lücken im Mittelfeld der Bremer. Das Spiel beschleunigte sich von Strafraum zu Strafraum, beide Teams konnten jeweils eine große Chance herausspielen.

Danach verflachte die Partie allerdings merklich. Frankfurt schob die eigenen Außenverteidiger nicht mehr so weit nach vorne wie zuvor und konzentrierte sich stärker auf das Verteidigen. Bremen konnte die kompakte Defensivreihe des Gegners nicht auseinanderkombinieren. Werder hatte wie so oft in dieser Saison mit Problemen im Spielaufbau zu kämpfen. Vor allem die Passgenauigkeit ihrer Verteidiger ließ stark zu wünschen übrig, Clemens Fritz (55 Prozent), Sokratis Papastathopoulos (64 Prozent) und Sebastian Prödl (67 Prozent) konnten ihre Vorderleute nicht einsetzen.

Zudem wussten beide Teams, dass sie mit dem Ergebnis leben konnten, wenn auf den anderen Plätzen nichts mehr passiert. Es schien beinahe so, als ob die Spieler in der Schlussphase mehr auf die Anzeigetafel denn auf den Ball achteten. Es passt dazu, dass der letzte Torschuss in der 77. Minute abgegeben wurde. Nachdem Armin Veh die Uhr mit zwei Wechseln herunterspielte, war Schluss. Die Bremer feiern am vorletzten Spieltag den Klassenerhalt, während die Frankfurter weiter von Europa träumen können.

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