Brehme über den Elfer von Rom

»Goycochea war chancenlos«

Es war der wichtigste Elfmeter der deutschen Fußballgeschichte. Im Finale von Rom versenkte Andy Brehme das Leder fünf Minuten vor dem Ende zum 1:0-Siegtreffer gegen Maradonas Argentinien. Der Schütze erinnert sich. Brehme über den Elfer von Rom

Hätte, wäre, wenn gibt es nicht im Fußball. Manchmal fragen mich die Leute, was gewesen wäre, wenn ich den Elfmeter im Endspiel gegen Argentinien vorbei geschossen hätte. Die Frage stellt sich nicht – denn er war drin!

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Erst vor kurzem habe ich noch einmal die Fernsehbilder des Finales gesehen. Ursprünglich dachte ich noch, Goycochea wäre dran gewesen. Aber er hatte in Wirklichkeit gar keine Chance. Diesen Elfmeter, mit rechts flach ins linke Eck, hatte ich nicht speziell trainiert. Aber eine Übungseinheit hat mir sehr geholfen, die ich auch jetzt mit meinem 15-jährigen Sohn mache, der bei Unterhaching spielt. Ich hänge vier Ringe in die Torecken. Dann soll er versuchen, möglichst oft fest hindurch zu schießen. Das schult ungemein, gerade im jungen Alter.

Man muss aber auch überzeugt sein, dass man den Elfer versenkt. Als ich Trainer in Kaiserslautern war, spielten wir im Pokalviertelfinale gegen die Bayern. Lincoln schoss schon nach zwölf Minuten einen Elfmeter an den Pfosten. Als es nach 120 Minuten immer noch 0:0 stand, verkrochen sich meine Spieler, keiner außer Mario Basler wollte schießen! Da wusste ich gleich, dass das nichts wird.

Argentinien spielte nur auf Zeit

Bei der WM in Italien hatten wir drei Schützen, die bereit standen. Es konnte ja immer sein, dass sich einer verletzte oder ausgewechselt wurde. Lothar wollte nicht, Rudi wurde gefoult, da blieb ich übrig. Ich fühlte mich sehr sicher, das große Problem war nur, dass ich über zwei Minuten warten musste, bis ich den Elfer endlich ausführen konnte. Die Argentinier haben reklamiert, den Ball weg geschlagen, sie haben alles versucht, um mich aus der Ruhe zu bringen. Ich habe mich nur auf den Elfmeter konzentriert und war dann heilfroh, als er drin war.

Argentinien hatte ja auch gar keine Chance gegen uns, nur durch zwei Siege im Elfmeterschießen waren sie ja überhaupt bis ins Finale gekommen. Schon in der ersten Hälfte hätten wir drei, sogar vier Tore machen müssen. Was unfassbar war: Die Argentinier spielten von der ersten Minute an auf Elfmeterschießen! Das sahen sie als ihre einzige Chance, im ganzen Spiel hatten sie keinen einzigen Eckball.

Diego erzählt nur Mist

Neulich traf ich Diego Maradona und der behauptete auch noch, wir hätten Glück gehabt damals! Ich habe ihn nur gefragt, was er denn da für einen Mist erzählt. Kein Zweifel: Wir sind völlig verdient Weltmeister geworden.

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