Braucht der FC Bayern Arjen Robben überhaupt noch?
15.09.2011

Braucht der FC Bayern Arjen Robben überhaupt noch?

Die nächste These kommt bestimmt

Braucht der FC Bayern Arjen Robben überhaupt noch? Diese Frage stellte sich zuletzt auch Bernd Schuster und wusste: Nein, Robben wird bald sogar zum Problem werden. Unser Autor Christoph Biermann macht sich deswegen auch Sorgen um Jürgen Klopp.

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Neulich hat Bernd Schuster eine These aufgestellt, die noch steiler erschien als der steilste Pass, den der blonde Engel einst im Mittelfeld des FC Barcelona, von Real Madrid oder Bayer Leverkusen jemals gespielt hat. »Arjen Robben wird ein Problem in diesem Jahr für Bayern«, sagte der momentan auf Jobsuche befindliche Trainer bei einem Auftritt im Fernsehen. Ok, dachte man: Das ist aber mal eine Ansage!



Immerhin hatten die Bayern einen Tag zuvor den armen SC Freiburg mit 7:0 vom Platz gefegt – ohne Robben. Und gestern besiegten die Bayern souverän mit 2:0 die als heimliche Großmacht gehandelte Mannschaft von Villareal – immer noch ohne Robben. Und vielleicht schimmert seitdem im Hinterkopf des ein oder anderen Bayern-Fans der Gedanke, dass die These des Mannes, den Franz Beckenbauer immerhin stets für einen potentiellen Bayern-Trainer gehalten hat, vielleicht doch nicht so steil ist.

Stört Robben wirklich?

»Die Philosophie von Jupp Heynckes ist anders«, hatte Schuster nämlich erklärt, »Robben ist unglaublich eigensinnig. Dem ist eigentlich manchmal ganz egal, wo der Gomez steht, wo der Ribéry steht, wo der Müller steht. Der nimmt den Ball.« Oder um es auf den Punkt zu bringen: Robben stört. »Das Spiel untereinander ist momentan unglaublich flüssig. Das wird Robben etwas bremsen.« Klingt interessant, aber stimmt das eigentlich?

Immerhin war der vermeintliche Bremser des Bayern-Spiels nicht nur in der vorletzten Saison maßgeblich am Erreichen des Endspiels der Champions League beteiligt, sondern brachte es im letzten Jahr in nur 14 Bundesligaspielen auf 22 Scorerpunkte. Auch bei seinen nur drei Einsätzen in dieser Saison hat Robben zwei Tore erzielt und zwei vorbereitet. Dabei war ihm wahrlich nicht anzusehen, dass er dabei sein Ego über das der Mannschaft gestellt hätte. Überhaupt hatte man in der Vergangenheit überhaupt selten den Eindruck, dass der Holländer vor allem auf eigene Rechnung unterwegs war.

Natürlich ist Robben ein Spieler zu dessen Profil es gehört, riskant zu spielen, in dem er etwa häufig das Dribbling sucht. Aber selbst bei einem System- und Disziplinfanatiker wie Louis van Gaal war das sinnvoll ins Ganze des Spiels integriert. Und es gibt kaum einen Ansatzpunkt, warum das bei Jupp Heynckes anders sein sollte. Für den Bayern-Trainer wird Robben eher dadurch zum Problem, dass sein Stürmer gerade nicht gesund ist. Denn Schambeinentzündungen gehören zu den Sporterkrankungen, die am schlechtesten zu behandeln sind und oft erst nach Monaten wieder ausheilen.

Ein Blick in den Thesen-Baukasten

Aber warum hat Schuster dann die Behauptung von Robben als potenzielles Hemmnis aufgestellt? Ohne den Trainer danach gefragt zu haben, ohne persönliche Animositäten zwischen den beiden anzunehmen und ohne dem Arbeitslosen etwa Profilierungssucht unterschieben zu wollen, scheint Schuster ein Opfer der im Fußball grassierenden Thesifizierung geworden zu sein. Seit Schwärme von Experten durch die Kanäle geistern, immer mehr Sendeminuten füllen und um Aufmerksamkeit buhlen müssen, versteigen sie sich fast zwangsläufig zu steilen Thesen.

Zumal die Bauweise dafür ganz einfach ist: Man nehme eine populäre Annahme (»Robben ist toll«), drehe sie um (»Robben wird ein Problem«) und stelle ein paar Hilfsargumente dazu (»Robben ist unglaublich eigensinnig«). Das kann man prima nachbauen. Wie wär´s etwa mit: »Klopps Emotionalität wird Borussia Dortmund auszehren«? Kann man mal so raushauen, und dass die Halbwertszeit von derlei Geraune gering ist, macht nichts. Für einen Abend an der Theke oder eine Fernsehsendung reicht es allemal. Und die nächste These kommt bestimmt.

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