Und man fragt sich: Wann habe ich eigentlich das letzte Mal ein richtig spannendes Pokalspiel gesehen? Flutlicht, Regen, zwei Mannschaften mit Mut zum Risiko, eine Schlacht eben. Ein auf und ab, bei dem man sich am Ende atemlos grunzend auf dem Teppich rollt wie nach einem ambitionierten Drogenexperiment. Ein Pokalspiel, nach dem man wahllos Freunde anruft, über das man am nächsten Tag mit Kollegen und wildfremden Menschen spricht, das in den Synapsen kleben bleibt. Also eines jener Spiele, von denen uns vorgegaukelt wird, dass genau sie den DFB-Pokal so sehenswert und spannend machen. Und dann fällt einem kein einziges Spiel der jüngeren Vergangenheit ein.
Lebt der Pokal am Ende nur noch von seiner historischer Verklärung? Ist der Wettbewerb längst nicht mehr das Auffangbecken für Emotionen, Experimente und offene Visiere? Ist es mittlerweile kaltes Geschäft, bei dem die Großen versuchen mit nüchternen Auftritten und geringem Aufwand möglichst bis ins Finale zu schaukeln? Den kürzesten Weg nach Europa suchen? Müssen am Ende sogar die eigenen Gesetze des DFB-Pokals neu geschrieben werden? Läuft mittlerweile alles bereits nach den oft nüchternen Abläufen eines Bundesliga-Wochenendes?
Tausche linkes Ohr gegen Pokalabend
Natürlich lebt der britische League Cup davon, dass die Topklubs gerne mal mit der zweiten Garde antreten und so schnell alle taktischen Fessel gelöst werden. Schließlich will jeder Jungspung auf der Insel die kleine Bühne nutzen, um seinem Trainer zu zeigen, dass er eine echte Alternative ist. Aber wenn das Ergebnis dieser Rotation solch historische Spektakel wie in London und Reading sind, kann man auf die Topstars gerne verzichten. Ach was, man könnte sogar über die maue Stimmung in den Stadien hinwegsehen. Mit dem Blick nach Bielefeld, Wolfsburg und Offenbach würde man wohl sein linkes Ohr für einen richtigen Pokalabend eintauschen.
Alle Hoffnungen ruhen nun auf Robin Dutt und Glücksfee Saskia Bartusiak, die an der Lostrommel stehen werden, wenn am Sonntag das DFB-Pokal-Achtelfinale ausgelost wird. Achtelfinale. das klingt wie Musik. Zumindest in England. Hoffen wir also auf das Beste.