01.11.2012

Braucht der DFB-Pokal neue Gesetze

Tausche linkes Ohr gegen Pokalabend

Während im englischen League Cup gestern das zweite historische Duell zwischen Chelsea und Manchester United über die Bühne ging, schaute der Fan hierzulande nach Bielefeld, Düsseldorf und Worms. Unser Autor fragt sich: Braucht der DFB-Pokal neue Gesetze?

Text:
Benjamin Kuhlhoff
Bild:
Imago

Man sagt, der DFB-Pokal habe seine eigenen Gesetze. David gegen Goliath. Legendenbildung. Alles ist möglich. Das ist der Mythos, von dem dieser Wettbewerb lebt. Und ja, der englische League Cup ist mit dem hiesigen Pokalwettbewerb nicht zu vergleichen. Allein die Tatsache, dass nur die Topklubs aus England teilnehmen, brachte dem League Cup einst den prägnanten Namen »Worthless Cup« ein. Wertlos-Pokal. In England geht es also um die goldene Ananas, aber die scheint ganz ordentlich zu glänzen. 

Sprechen wir deswegen mal kurz über die Ausgangslage: Während man sich hierzulande in den vergangenen zwei Tagen an den »Topspielen« Düsseldorf gegen Gladbach und Bayern gegen Kaiserslautern aufrichtete und ansonsten einigermaßen ermüdet feststellte, dass die vermeintlichen Sensationen in Worms, Havelse und Aalen blitzschnell dem Erdboden gleichgemacht wurden, überschlugen sich die Meldungen aus dem Mutterland des Fußballs: Arsenal drehte in einem historischen Spiel ein 0:4 in ein 7:5 um, einen Tag später trafen sich Chelsea und Manchester United zu einer Neuauflage des Liga-Topspiels. Doch beide Megaklubs beschnüffelten sich nicht etwa wie räudige Katzen, sondern fetzten sich mit offenem Visier die Tore um die Ohren. Endstand: 5:4 für Chelsea. In Worten: fünf zu vier! Das alles passierte im Pokal-Achtelfinale.

Tschüss, ihr Verlierer!«

Wir haben in letzter Zeit viel gelästert über die miese Stimmung in englischen Stadien, über wahnwitzige Ablösesummen für Fantasiespieler wie Andy Carroll, Jack Rodwell oder Victor Moses, über den Untergang des Fußball-Mutterland. Oftmals taten wir das in der Überzeugung, dass Fußball mit dem Gütesiegel »Made in Germany« der heißeste Scheiß sei. Wir dachten, der deutsche Fußball bräuchte sich vor England längst nicht mehr zu verstecken. Von Augenhöhe haben wir gesprochen und schon mal den Blinker für die Überholspur gesetzt, auf den Lippen die blumigen Worte: »Tschüss, ihr Verlierer!« Doch gestern hat dieses neue Selbstbewusstsein einen ordentlichen Dämpfer bekommen.

Denn wenn man dann so auf der heimischen Couch hockt und bei Gerhard Dellings hilflosen Anmoderationen zusieht, mit denen er versucht, einen Sieg des Karlsruher SC gegen den MSV Duisburg als Monstersensation zu verkaufen, wenn man zuhört, wie Gerd Gottlob zuvor über 90 Minuten erfolglos versucht, den – mit Verlaub – Grottenkick zwischen Fortuna Düsseldorf und Borussia Mönchengladbach als Spitzenspiel zu verkaufen, bis er in der Verlängerung endlich schmallippig murmelt: »Da könnte schon ein bisschen mehr kommen«, dann, in diesem Moment der Schwäche, wirft man einen sehnsüchtigen Blick auf den Live-Ergebnisse des englischen Pokals und liest: Chelsea-United 3:3. Man liest: Verlängerung. Und man denkt: Was mache ich hier nur?

 
 
 
 
 
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