14.11.2012

Brauchen wir das Holland-Spiel? Pro & Contra

Eigentlich ein feuchter Traum

Ist das Testspiel gegen Holland ein wichtiges Prestigeduell oder ein selten dämlicher Termin für ohnehin überstrapazierte deutsche Profifußballer? Pro & Contra zum umstrittenen Länderspiel gegen den Nachbarn aus dem Westen.

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Pro – das Holland-Spiel ist überflüssig!

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr war selbst das ansonsten eher hanseatisch-zurückhaltende Publikum in Hamburg total aus dem Häuschen und erhob sich klatschend aus den warmgesessenen Sitzschalen. Was war passiert? Am 15. November 2011 traf die deutsche Nationalmannschaft zu einer hochemotionalen Standortbestimmung auf den WM-Finalisten und fußballerischen Lieblingsfeind aus den Niederlanden. Das Duell gegen die Elftal wurde nach einer fulminanten und ungeschlagen EM-Qualifikation ein gelungener Härtetest für die EM. Nach dem 3:0-Fußballfest schnalzten selbst die größten Kritiker genussvoll mit der Zunge.

Ein Jahr später könnten die Vorzeichen vor der gleichen Testspielansetzung gegensätzlicher nicht sein: Das Spiel ist den Nationalspielern verständlicherweise eher lästig, angesichts einer in den Knochen steckenden Saison von bis zu 67 Pflichtspielen – abgesehen vom Kerngeschäft Bundesliga spielten 2012 einige das DFB-Pokalfinale, das Champions-League-Finale und die EM. Entweder ist diese physische Beanspruchung verantwortlich für das pandemische Verbreitung von muskulären Problemen und grippalen Infekten unter Nationalspielern oder es ist die traditionelle taktische Verletzung einhergehend mit akuter Hypochondritis.

Wie prestigeträchtig dieses Duell auf dem Papier auch sein mag, es ist auswärts in Amsterdam, zwischen zwei Bundesliga- und zwei Champions-League-Spieltagen und von einer Standortbestimmung kann angesichts einer noch in weiter Ferne liegenden WM 2014 auch keine Rede sein. Warum nicht ein kleinerer Gegner, bei dem auch mal die zweite Garde antreten kann?, fragte der Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler sinngemäß in der letzten Woche. Tatsächlich muss sich die Nationalelf angesichts der vielen Absagen nun gegen den großen Rivalen mit einer B-Elf die Blöße geben – es sieht so aus, als hätte man sich mit der medial hochgejazzten Ansetzung zur Abrundung des Fußballjahrs 2012 ins eigene Bein geschossen.

Droht ein Käse-Spiel?

Die »Bild« unkt schon jetzt: »Droht uns am Mittwoch ein Käse-Spiel?« Und Oliver Kahn alarmiert in seinem Blog, das Spiel werde zur Farce. Tenor seines Pamphlets in üblicher Titan-Rhetorik: Die Spieler sollen bei kleinen Wehwehchen die Zähne zusammen beißen für das Vaterland. Den Zorn des Titans zog insbesondere Thomas Müller auf sich, der es gewohnt großspurig und ironisch auf den Punkt brachte: »Ein klasse Länderspieltermin, auf den wir uns alle freuen. Da werden wir mit voller Leidenschaft unser Land vertreten und werden das tun, wofür wir geboren wurden – für Deutschland Fußball zu spielen!« Umso bemerkenswerter, dass Müllers trotz einer Erkältung in Amsterdam dabei ist. Bei einem Spiel, dass eigentlich nicht sein müsste.

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