13.11.2012

Brasiliens Nationalmannschaft vor dem 1000. Spiel

Hoffen auf den Hahnenkamm

Brasiliens Fußballnationalmannschaft galt lange als Synonym für Erfolg und schönes Spiel. Doch vor dem 1000. Spiel der Verbandsgeschichte steht die Seleção so schlecht wie selten zuvor da. Und das knapp zwei Jahre vor Beginn der WM im eigenen Land. Der Druck auf Neymar und Kollegen wächst.

Text:
Kai Behrmann
Bild:
Imago

Die Haare hatte er wie immer zu seinem typischen Hahnenkamm gestylt. Dazu trug Neymar ein weißes Hemd und eine elegante schwarze Krawatte. Kurz vor dem Abflug in die USA, wo er am Mittwoch in New Jersey im 1000. Länderspiel der Geschichte des brasilianischen Fußballverbands auf Kolumbien trifft, nahm sich der Superstar des FC Santos noch die Zeit für einen Besuch einer Fernsehshow. Mit seinen gerade einmal 20 Jahren macht Neymar vor den Kameras eine ebenso gute Figur wie auf dem Rasen.

Pelé rät seinem Nachfolger Neymar: »Bleib hier!«

Erst kürzlich hatte er für den Pelé-Klub sein 100. Pflichtspiel in der brasilianischen Eliteklasse absolviert hat. Und wenn es nach dem brasilianischen Fußball-Idol geht, das zu seiner aktiven Zeit stets dem Lockruf der Top-Klubs aus Europa widerstanden hatte, dann sollen auch noch etliche weitere Einsätze hinzukommen. »Bleib hier! Im Ausland zu spielen, ist einfach. Aber das brasilianische Volk zu repräsentieren, ist viel erfüllender. Was ich konnte, kannst du auch«, riet Pelé dem Mann, der schon zu Beginn seiner Karriere zum Nachfolger der Legende auserkoren ist.

Neymar lachte, ließ sich jedoch zu keinem Treuebekenntnis hinreißen. Zwar hat es der Superstar nicht eilig, den Verein zu wechseln. Ein Pool aus finanzkräftigen Unternehmen sorgt dafür, dass monatlich ein üppiges Salär von rund 1,2 Millionen Euro auf seinem Konto eingeht. Ein Modell, bei dem der Klub selbst nur für rund zehn Prozent des Gehalts aufkommt. Einen Hehl aus seinem Wunsch, eines Tages das Trikot eines europäischen Spitzenvereins zu tragen, hat Neymar aber nie gemacht. Zunächst allerdings besitzt die Mission »WM-Gewinn im eigenen Land« oberste Priorität.

Doch knapp zwei Jahre vor Beginn der Titelkämpfe wartet noch viel Arbeit auf Neymar und Kollegen. Just zum Jubiläumsspiel steht die Seleção aktuell so schlecht da wie selten zuvor in ihrer stolzen Geschichte – zumindest statistisch. In der Fifa-Rangliste sind die erfolgsverwöhnten Brasilianer bis auf Rang 13 abgerutscht. Aber auch auf dem Rasen ist den Erben von Pelé der große Glanz in jüngster Vergangenheit abhanden gekommen. Vom »schönem Spiel« dem »jogo bonito«, mit dem die Mannen in den knallgelben Hemden einst die Fußballfans rund um den Globus begeisterten, ist derzeit nicht viel zu sehen.

Die Gegner haben schon lange keine Angst mehr vor Brasilien

Aber vielleicht ist für Romantik auch kein Platz mehr in einer Zeit, in der Kommerz regiert und Vermarktungsverträge dazu führen, dass die Brasilianer ihr 1000. Spiel nicht vor eigenem Publikum, sondern fernab der Heimat in den USA austragen. Gegner Kolumbien dürfte jedenfalls ohne allzu große Demut gegen den einst gefürchteten Gegner antreten.

Die Bilanz der Brasilianer seit ihrem internationalen Debüt am 14. Juli 1914 gegen den englischen Klub Exeter City (2:0) liest sich zwar nach wie vor beeindruckend, mit fünf Titeln sind sie Rekord-Weltmeister. Acht Mal triumphierten die Südamerikaner zudem bei der Copa América. Und drei Mal standen sie beim Confed-Cup ganz oben auf dem Treppchen. Seit dem Gewinn der Copa America 2007 – lässt man den Confed-Cup 2009 einmal außen vor – warten die Samba-Kicker aber auf einen weiteren großen Triumph.

Das Drama von Maracana, Pelé erobert die Welt, Socrates und das schöne Spiel – die besten Bilder der brasilianischen Länderspielgeschichte in der Bildergalerie!

 
 
 
 
 
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