Brasilien will den ersten Olympia-Sieg

Die Sehnsucht nach Gold

Am Samstag um 16 Uhr trifft Brasilien im Finale des Olympischen Fußballturniers auf Mexiko. Die Selecao galt von Beginn an als Favorit auf die Goldmedaille. Überzeugen konnten sie bei ihren Auftritten nur teilweise. Auch Superstar Neymar lässt noch ein paar Fragezeichen offen

Dass sich Brasilien nach einem Titel im Fußball sehnt, mutet bei fünf Weltmeistertitel und acht Copa-America-Siegen seltsam an. Tatsächlich fehlt dem Rekordweltmeister aber noch der Triumph bei den Olympischen Spielen im Trophäenschrank. Ein Mann wurde deswegen auserkoren, diesen schwarzen Fleck in der ruhmreichen Historie der Selecao auszumerzen. Sein Name: Neymar.

Neymars Generalprobe für die WM 2014

Der 19-jährige Außenstürmer des FC Santos ist in Brasilien der Superstar schlechthin. Auf ihm ruhen alle Hoffnungen für den Gewinn der Weltmeisterschaft im eigenen Land in zwei Jahren. Schließlich stellte ihn auch Pelé auf die allerhöchste Stufe: »Er ist der Beste der Welt.« Olympia ist für Neymar die Generalprobe. Hier sollte er zeigen, ob er diesem Druck gewachsen ist. Für die europäischen Fußballfans ergibt sich so endlich die Gelegenheit das Wunderkind mit der Wiedehopffrisur live in Aktion zu sehen. Wenn man denn entdeckt hat, wo es läuft. Zuvor kannte man ihn eigentlich nur aus unzähligen Youtube-Videos, in denen er Tor um Tor erzielt, gegnerische Abwehrreihen im Alleingang vernascht oder zum Song »Ai se eu te pego« tanzt und so dem Sänger Michel Telo zu Weltruhm verhalf.

Und immerhin, die Generalprobe läuft bisher standesgemäß. Fünf Spiele, fünf Siege, in jedem Spiel erzielte Brasilien drei Treffer. Das Supertalent selbst glänzt mit Tempodribblings und feiner Technik, bereitet viele Tore vor, ist ein ständiger Unruheherd und von der gegnerischen Verteidigung nur schwer zu fassen. Lediglich beim eigenen Torabschluss klemmt es mit zwei Treffern noch ein wenig. Diesen Part übernimmt im stattdessen Leandro Damiao von Internacional Porto Alegre. Sechs Tore in fünf Spielen brachten den Stürmer auf die Einkaufslisten vieler Klubs. Unter anderem bieten die Tottenham Hotspur 20 Millionen Euro. Die Siegesserie überstrahlt allerdings, dass Brasilien eigentlich nur beim 3:0-Erfolg über Neuseeland in der Vorrunde wirklich überzeugte. Obwohl Innenverteidiger Thiago Silva, unlängst für 42 Millionen vom AC Mailand zu Paris St. Germain gewechselt, im Zentrum steht, präsentiert sich die Abwehr äußerst wackelig. Zudem geht der Mannschaft zu schnell die Konzentration verloren. Gerade in diesen Phasen taucht Heilsbringer Neymar besonders gerne ab.

Die Konzentration lässt zu wünschen übrig

Etwa im Auftaktspiel gegen Ägypten, als man bereits zur Halbzeit 3:0 in Führung, ehe die Begegnung in Hälfte zwei zur Zitterpartie wurde. Am Ende sprang ein knappes 3:2 heraus. Anschließend mühte sich Brasilien gegen Weißrussland nach einem frühen 0:1-Rückstand noch zu einem 3:1. Erst in der 90. Minute gelang Oscar die endgültige Entscheidung. Gegen die Überraschungsmannschaft aus Honduras geriet der Favorit zweimal ins Hintertreffen, obwohl man ab der 33. Minuten in Überzahl spielte. Neymar hatte sich zu einer Schwalbe hinreißen lassen, eine weitere Spezialität des Superstars. Der deutsche Schiedsrichter Felix Brych fiel drauf rein und stellte den bereits verwarnten Crisanto vom Platz. Die britischen Zuschauer, seit jeher allesamt mit einer Schwalbenallerdige geboren, pfiffen Neymar fortan aus, was ihn jedoch wenig interessierte. Im Gegenteil, nach Abpfiff sprach er Klartext: »Ich tue alles, um Brasilien zum Sieg zu verhelfen.« Am Ende hieß es 3:2. Auch Südkorea bereitete den Brasilianern im Halbfinale in der Anfangsphase echte Schwierigkeiten, zudem wurde den Asiaten ein klarer Elfmeter verweigert. Trotzdem war der 3:0-Sieg letztlich verdient.

Im Finale wartet nun Mexiko, das sich deutlich stärker präsentiert. Die Zentralamerikaner bestätigen den Aufwärtstrend ihrer Jugendteams, die bei Junioren-Weltmeisterschaften regelmäßig unter den ersten Acht landen. Die U-17 gewann im vergangenen Jahr sogar den Titel. Der erstmalige Einzug der U-23 in das Olympische Finale ist das nächste Highlight. Die Talente werden vor allem in der Heimat gezielt gefördert, in der Olympia-Auswahl ist etwa nur ein Spieler aus dem Ausland im Kader. Zumindest der Torjubel ist immerhin schon goldverdächtig. Nach dem Oribe Peralta das 2:1 gegen Japan in den Winkel hämmerte, sprintete der 18-Jährige zur mexikanischen Bank, wo seine Mitspieler einen Ring um ihn bildeten und Ersatzspieler Miguel Ponce wie ein Stier auf Peralta losging, der wiederum den Matador spielte.

Der Fokus der Mexikaner liegt jedoch klar auf der Defensive. Die Vorrunde überstanden sie ohne Gegentor. In den K.O.-Spielen gegen Senegal (4:2 n.V.) und Japan (3:1) fiel dieser Zu-Null-Nimbus allerdings. Vor dem Finale ist die große Frage, ob Brasiliens Offensiv-Power ausreicht, um die mexikanische Abwehr  vor noch größere Probleme stellen. Zumal Superstar Neymar auf Unterstützung von ganz oben hofft: »Wenn Gott es will, werden wir die Medaille holen«, sagte er jüngst. Brasiliens Fans vertrauen lieber auf den jungen Gott in den eigenen Reihen. Sein Name: Neymar.

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