Brasilien vor dem Spiel um Platz 3

Zum Abschied leise Seleçao

Das Spiel um Platz drei wird die letzte Vorstellung einer gescheiterten Generation. Ein Neuanfang in Brasilien ist unvermeidlich - nicht nur sportlich.

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Zum Abschied kehrte der Nebel zurück nach Teresopolis. Es war wie vor ein paar Wochen, in den späten Mai-Tagen, als die brasilianische Nationalmannschaft hier ihr WM-Quartier bezogen hatte, hoch über Rio in der Serra dos Orgaos, dem Orgelpfeifengebirge. Auf dem Trainingsplatz konnten die Brasilianer damals nicht von einem Tor zum anderen schauen. So dicht stand der Nebel, auch symbolisch für die Selbstzweifel der Nationalmannschaft, ob sie denn gut genug seien für das Projekt Hexacampeao, den Gewinn der sechsten Weltmeisterschaft.

Sie waren nicht gut genug.

Neymar hat für die Seleçao des Jahres 2014 den Begriff »Fracassados« gewählt. Die Gescheiterten. »Wir haben normalen Fußball gezeigt, und das hat für das Halbfinale gereicht. Aber es war nicht der außergewöhnliche, der brasilianische Fußball«, sprach der Mann, der als einziger für außergewöhnlichen, für brasilianischen Fußball stand. Neymars Virtuosität täuschte hinweg über die wahre Leistungsfähigkeit dieser Mannschaft. Als er im Halbfinale wegen eines gebrochenen Wirbels nicht zur Verfügung stand, wurde Brasilien von den Deutschen gnadenlos seziert.

Neymar weint

Zum Abschied kam Neymar da Silva Santos Júnior noch einmal zurück ins Quartier, er trug sein Trikot mit der Nummer 10 und den Unterschriften aller Spieler. Ein paarmal hat er sich die Tränen mit der flachen Hand aus dem Gewicht gewischt und um Entschuldigung gebeten, »desculpe, desculpe!« Und dann hat Neymar doch geweint, bei der Schilderung des fatalen Momentes, der Attacke des kolumbianischen Verteidigers Juan Zúñiga in in seinen Rücken - »hätte er mich zwei Zentimeter weiter in der Mitte getroffen, könnte ich jetzt im Rollstuhl sitzen«.

Neymar muss noch lange pausieren, aber er ist wieder transportfähig und wird nach der Rückkehr ins Orgelpfeifengebirge auch die Reise nach Brasilia antreten, zum Spiel um Platz drei am Samstag gegen die Niederlande. »Wir wollten dieses Spiel nicht«, sagt der Mittelfeldspieler Hulk, aber es muss nun mal sein, und für einige könnte es ein besonderes Spiel sein, nämlich das letzte im Trikot der Seleçao brasileira. Vielleicht darf Daniel Alves in Brasilia noch mal auflaufen, auch wenn er seine Landsleute wissen ließ, er spiele eigentlich nur um erste Plätze, »und wenn das nicht geht, widme ich mich lieber anderen Dingen«. Alves war mal der beste Offensivverteidiger der Welt, hat das aber bei der WM so gekonnt kaschiert, dass er schon zum Viertelfinale gegen Kolumbien nicht mehr mitmachen durfte.

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