In Brasilien streiken die Fußballer

Flasche voll

Am Wochenende streikten die Spieler der ersten brasilianischen Liga, in dem sie sich einfach nach dem Anpfiff auf den Rasen setzten. Es war die bisher spektakulärste Aktion einer großen Protestwelle.

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Manchmal ist es am wirkungsvollsten, wenn man einfach gar nichts tut. Sich hinsetzt. Und schweigt. Vielleicht gilt dieser Umstand insbesondere für Fußballer, die ja sonst meist nur als hochaktive Aushängeschilder im Vollsprint dargestellt werden, die die Gelddruckmaschine Profifußball am Laufen halten. Aber manchmal haben eben auch die Spieler genug. Dann tun sie nichts.

24. November 2013, 17 Uhr, Rio de Janeiro, Maracanã: Als Schiedsrichter Fabrício Neves Correa das Ligaspiel zwischen Flamengo und Corinthians anpfeift, passiert nichts. Der Ball bleibt liegen, die Spieler setzen sich hin, verschränken die Arme, schauen stumpf geradeaus. In Santos, Campinas, Joinville, überall im Land tun es ihnen die Kollegen anderer Erstligaklubs gleich. Die Fans sind erst erstaunt, stimmen dann aber Gesänge gegen den brasilianischen Fußballverband an. Für ein paar Momente steht der Fußball, das »Jogo bonito«, das schöne Spiel, still. So vergehen 30 endlose Sekunden, in denen die Schiedsrichter hilfesuchend zu ihren Assistenten rennen und Sportfunktionären das Rinderfilet im Hals stecken bleibt. Das Fernsehen überträgt live. Ein Super-GAU. Was ist denn hier los?



Die kollektive Verweigerung war die bisher beeindruckendste Protestaktion einer neuen Bewegung in Brasilien. Sie nennt sich »Bom Senso FC« und ist ein Zusammenschluss von über 70 bekannten brasilianischen Fußballern, die in ihrer Heimat auf Konfrontationskurs zu ihrem Fußballverband gehen. Unter Vorsitz des Corinthians-Profis Paulo André und Coritibas Alex fordern sie die Modernisierung des brasilianischen Fußballs.

Vier Auswärtsspiele in zehn Tagen

Durch den Confed-Cup 2013 und der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr fühlen sich die Spieler immer mehr wie moderne Sklaven des Systems. Mit aller Macht versucht der Verband den Spielbetrieb ohne jegliche Zugeständnisse im Terminkalender aufrecht zu erhalten. Mannschaften spielen mitunter 60 Begegnungen pro Saison, ganz egal, ob das Spieljahr für die jeweiligen Großereignisse für Monate unterbrochen wird. Das führt dazu, dass Teams schon mal vier Auswärtsspiele in zehn Tagen bestreiten müssen, was im Riesenland Brasilien pro Match eine halbe Weltreise mit sich bringt.

Tim Vickery, Südamerika-Korrespondent der BBC kommentiert die Situation mit den Worten: »Es wirkt wie ein Versuch, mit aller Macht fünf Liter in eine Flasche zu füllen, die nur drei Liter fasst.«

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