Borussia Dortmund ist Meister

Der pure Erfolg

Der Titelgewinn von Borussia Dortmund verfügt über eine enorme Strahlkraft. Ein Triumph der jungen und talentierten Mannschaft für den Klub, die Fans, für Dortmund und das Revier. Ein Kommentar von Frank Lamers. Borussia Dortmund ist Meister

Nicht zum Abschluss der Bundesligasaison, sondern im 32. Spiel noch ein 2:0-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg. Keine Laufkundschaft. Eine Mannschaft, die gegenhalten kann. Aber wieder eine Mannschaft, die ausgespielt und ausgekämpft wurde. Damit wurde der Titel zementiert. Mit einem eigenen Erfolg. In Würde.

[ad]

Borussia Dortmund ist ein Meister, der sich die Schale verdient hat. Nicht nur, weil der BVB mehr Punkte für sein Konto sammeln konnte als all die anderen Klubs, als der ständige Favorit, als all die Dauerambitionierten mit den prall gefüllten Börsen. Punkte, klar, sie können auch auf dem Teuermarkt Star für Star zusammengekauft werden. Sie können zusammengemauert und zusammengeschachert werden. Sie können mit kaltem, mit berechnendem, mit hässlichem Fußball den Gegnern abgerungen, abgezwungen werden. Am Ende gibt es dann eine Feier. Und gefeiert wird: der pure Erfolg.

Der BVB ist eine Gemeinschaft

Der Titel der Dortmunder Borussia aber verfügt über Strahlkraft. Und niemand, der sich nicht selbst die Augen mit dem Vereinsschal verbunden hat, wird sich dieser Strahlkraft entziehen können. Die Mannschaft in Schwarz und Gelb spielt mitreißenden, weil leidenschaftlichen Fußball. Sie spielt begeisternd, weil draufgängerisch. Sie behält die Kontrolle, aber das taktische Korsett schnürte ihr nicht Freude und Inspiration ab. Und sie ist eine Gemeinschaft.

Gab es Momente, in denen Borussia Dortmund nicht auf dem Rasen leuchtete, sondern in den Schlagzeilen gewitterte? Selten. Wenn Jürgen Klopp aufdrehte. Der Kloppo. Eine wilde Mischung aus einfühlsamer Pädagogik, fußballerischer Kompetenz, strategischer Intelligenz und unverstelltem Gefühl. Natürlich konnte dieser Trainer nicht durch ein gewaltiges Spielzeitlabyrinth hetzen, ohne hier und da anzuecken. Wenn er sich aufregte, war das allerdings: empfundene Aufregung. Nicht vorgekasperte. Und wenn er selbst spürte, dass er zu heftig unterwegs gewesen war, dann demonstrierte er ein im Geschäftsbereich der Superegos nicht zu unterschätzendes Talent: Klopp kann bedauern.

»Händchen« und »Glück«

Und ansonsten? Ansonsten hat sich der BVB nach der fatalen Depression, nach der Beinahe-Insolvenz 2005 nicht runderneuert. Der Champions-League-Sieger und Weltpokalgewinner von 1997 hat sich auf dem Fundament der unzerstörbaren Tradition neu errichtet. 2011 arbeitet der Verein unter einem Programm, das Präsident Reinhard Rauball, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc in und nach den schlimmen Tagen selbst geschrieben haben. Das Wirtschaftsprogramm lässt sich zusammenfassen: Erst retten, dann konsolidieren, dann mit genau abgemessenen Schritten die Lage weiter verbessern. Das sportliche Programm hängt mit dem wirtschaftlichen zusammen. An seiner Realisierung sind allerdings die weniger kalkulierbaren Größen »Händchen« und »Glück« stärker beteiligt.

Wenn das Fest gerade durch die Adern rauscht, macht wahrscheinlich nichts weniger Spaß, als das Erfolgspuzzle wieder auseinander zu pflücken und die einzelnen Teile zu begutachten. Die einzelnen Teile sind es aber, die den Festrausch ermöglicht haben. Mit »Händchen« und »Glück« wurde ein Shinji Kagawa aus dem Weltspielermeer gefischt. Für den eigenen Nachwuchs wurden im BVB-Haus sinnvolle Strukturen gezimmert, die den Weg zur höheren Etage erleichtern. Und dass sich (jetzt) heiß begehrte Profis für Dortmund entscheiden, langfristig, hat damit zu tun, dass die ökonomische Basis ihnen solide erscheint, dass sie sich wohl fühlen in einer Atmosphäre, die erzeugt werden muss, dass sie eine Perspektive erkennen, eine reizvolle.

Den Titel 2010/2011 hat sich der BVB also organisiert. Einerseits. Wer nachwiegen möchte, wie schwer diese Organisation gewesen sein muss, sollte andere Klubs zum Vergleich heranziehen. Den reichen FC Bayern München mit seinem selbstgefälligen und selbstsüchtigen Bohei. Den betuchten und dauergestressten Hamburger SV. Was diesen Titel für die Borussia so wertvoll macht, ist aber andererseits: Er wurde trotz der vorbildlichen Organisation gegen jede Chance erspielt. Dieser Titel war ja gar nicht erwartet worden. Er konnte ja gar nicht erwartet werden. Eine unglaublich junge und talentierte Mannschaft hat unter beruhigter und cleverer Führung diesen Triumph für den Klub, für seine Fans, für Dortmund, für das Revier auf letztlich verblüffende und deshalb irgendwie auch magische Art und Weise besorgt.

Muss man gratulieren? Nein. Aber: man sollte. Es ist noch reichlich Zeit. Zwei Spieltage stehen ja noch an.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!