Boomtown Wolfsburg

Gekommen, um zu bleiben

In Rekordzeit hat Felix Magath in Wolfsburg eine Mannschaft aus dem Boden gestampft, die zu den besten fünf der Liga wurde. Doch Magath will keine Weißbierdusche – er will weiterwachsen und den Bayern die Stirn bieten. Boomtown Wolfsburgimago

Niemand hat am Samstag gleich nach dem Spiel ein Weißbierglas über Felix Magath ausgeschüttet, das hätte dem Trainer und Manager des VfL Wolfsburg bestimmt auch nicht gefallen. Selbst anerkennendes Tätscheln war ja verboten, nachdem die Fußballer aus Niedersachsen bei Borussia Dortmund 4:2 gewonnen, und so zum zweiten Mal nach 1999 die Zulassung zum Uefa-Cup erlangt hatten: »Wir sind noch nicht dort, wo wir hinwollen«, sagte Magath, 54, »so lange das nicht der Fall ist, bin ich nicht bereit, mir auf die Schulter klopfen zu lassen.« Schon gar nicht, mit Bier eingesaut zu werden wie damals beim FC Bayern.

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Vor allem dank einer starken Rückrunde hat der VfL Wolfsburg die Saison verdientermaßen auf dem fünften Platz beendet, der zur Dienstreise ins europäische Ausland berechtigt. Nach mäßiger Hinserie holte die Mannschaft in der zweiten Saisonhälfte beinahe so viele Punkte (34) wie in der kompletten Spielzeit zuvor (37). Gerade rechtzeitig fand die grünweiße Auswahl zu stabiler Form: In den letzten fünf Saisonspielen leistete sie sich keine Niederlage, besiegte unter anderem Vorjahresmeister VfB Stuttgart 4:0.

Schneller als viele erwartet hatten, hat der Umbruch zum Erfolg geführt, den Felix Magath nach seiner Übernahme im Sommer eingeleitet hat. Gegen Dortmund stand in Marcelinho, 33, nur ein Spieler in der Startformation, der schon in der Vorsaison dem Kader der Wolfsburger angehörte. Zukäufe wie Torhüter Diego Benaglio, 24, oder Angreifer Grafite, 29, haben sich als sehr klug herausgestellt, Profis wie Christian Gentner, 22, oder Marcel Schäfer, 23, sind Schlüsselspieler. Viele hatten ihnen diese Rolle vor der Saison nicht zugetraut, über die Existenz Benaglios oder Grafites war vor ihrem Wechsel ohnehin kaum jemand informiert gewesen.

Magath hat eine Elf geformt, deren Erfolg logisch ist: Der VfL Wolfsburg ist im Frühjahr 2008 einfach besser als Mannschaften wie Berlin, Hannover oder Leverkusen. Gelingt es dem Trainer und Manager, sein Team zur neuen Runde gezielt auch in der Breite zu verstärken, stehen die Chancen gut, in Wolfsburg erstmals eine Bundesligamannschaft mit Zukunft wachsen zu sehen.

»Ich bin angetreten, um diesen Verein in die Spitze zu führen,« sagt Magath, »einen Teil des Weges haben wir zurückgelegt, der schwierigere Teil liegt aber noch vor uns.« Der schwierigere Teil, das bedeutet vor allem, Konstanz zu schaffen in dem Auftreten seiner Mannschaft. Wichtige Punkte verlor der VfL in abgelaufenen Saison gegen Bochum, Bielefeld oder Nürnberg. Gelingt ihm das, sollten sie in Wolfsburg vielleicht auch über Weißbiergläser nachdenken. Zumindest Schulterklopfen muss dann aber dringend erlaubt sein.

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