Bleiben bald die Fans weg?

Wie weh tut es diesmal?

Heute geht die Bundesliga los, und der FC Bayern wird beim Hamburger SV gewinnen. Oder nicht? Neues aus der Langweiligkeitsforschung. 

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Die vielleicht schönste der ewigen Weisheiten von Sepp Herberger besagt, dass die Menschen deshalb ins Stadion kommen, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht. Allerdings werden das viele HSV-Fans, die sich heute Abend ins Volksparkstadion aufmachen, vermutlich anders sehen. Es wird zwar niemand von ihnen das Endergebnis kennen, aber die allermeisten werden fürchten, dass es nur um eine Frage geht: Wie weh tut es diesmal? Von den letzten zwölf Spielen gegen den FC Bayern München hat Hamburgs stolzer Klub nämlich neun verloren und keines gewonnen. Das Torverhältnis steht bei gespenstischen 6:53.

Zur gleichen Zeit, als Sepp Herberger seinen berühmten Satz sagte, tauchte eine wissenschaftliche These auf, die eigentlich nicht viel anderes behauptete. Mitte der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts stellte der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Simon Rottenburg die »Uncertainty of outcome hypothesis« auf. Seither sind dazu hunderte von Studien nicht nur im Fußball erschienen, um herauszufinden, wie unsicher der Ausgang eines Spiels sein muss, damit wir uns dafür interessieren.

Voraussehbar ist wie Abstimmungsergebnisse in Nordkorea

Man kann die Betrachtung dabei natürlich auch umdrehen und das Ganze Langweiligkeitsforschung nennen. Dann hieße die Frage: Wie vorhersehbar darf ein Spiel sein, damit wir nicht aufhören ins Stadion zu gehen oder uns vor den Fernseher zu hocken? Kurz gefragt: Wie viel Langeweile halten wir aus? In den letzten Jahren haben uns Pep Guardiola und seine Bayern diese Frage aufgeworfen. Sie haben die Vergabe der Deutsche Meisterschaft in eine Angelegenheit verwandelt, die so voraussehbar ist wie Abstimmungsergebnisse in Nordkorea.

»Wie viel Dominanz verträgt eine Liga?«

Die Dominanz der Bayern in der Bundesliga ist derart erdrückend, dass alle Versuche entweder fürchterlich angestrengt oder rührend bemüht wirkten, ihnen Probleme für die Rückrunde reinzuraunen. Pep soll eine Lame Duck sein, nur noch Manchester City im Kopf haben oder vielleicht auch Manchester United. Den Titel wird er trotzdem holen. 

Nun hat sich der Wirtschaftswissenschaftler Tim Pawlowski, Professor an der Universität Tübingen, seit fünf Jahren wissenschaftlich mit der Frage beschäftigt: »Wie viel Dominanz verträgt eine Liga?«. Anders als in vielen anderen Studien, die den Zusammenhang zwischen dem Grad des Wettbewerbs in einer Liga und der Entwicklung von Zuschauerzahlen im Stadion oder Fernseheinschaltquoten gemacht haben, hat er Fans befragt. Und zwar in Deutschland, Holland und Dänemark.

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