Biermanns Musterprofi

Mats Hummels auf dem Weg nach Deutschland

Weil alle über den hervorragenden Angriff von Borussia Dortmund sprechen, wird oft vergessen, dass die Mannschaft über eine der besten Abwehrreihen der Liga verfügt. Diese Qualität verdankt der BVB auch Mats Hummels. Biermanns Musterprofi

Der Erfolg von Borussia Dortmund in dieser Saison hat so viele Gesichter, dass es willkürlich erscheinen mag, sich mit nur einem von Jürgen Klopps Himmelsstürmern zu beschäftigen. Doch Mats Hummels hinterließ bereits in der vergangenen Saison sportlich einen so starken Eindruck, dass viele ihn eigentlich im Kader der deutschen Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft in Südafrika erwartet hätten.
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Zumal man ihn als einen der kopfballstärksten Spieler in Deutschland kaum übersehen kann, auch in dieser Saison ist er mit 15 Kopfbällen aufs gegnerische Tor der gefährlichste Spieler der Bundesliga in der Luft. Außerdem ist der 22-Jährige durch sein souveränes Auftreten zum Gesicht einer Mannschaft geworden, die jung, dynamisch und intelligent zugleich auftritt.

Mats Hummels – elegant im Abwehrzentrum

Wenn man über die bislang so stabile Dortmunder Innenverteidigung spricht, wird die Rollenverteilung zwischen Hummels und Neven Subotic meist als die zwischen Hammer und Meißel beschrieben. Der serbische Nationalspieler ist dabei der dynamisch-kämpferische Mann fürs Gröbere, während Mats Hummels als der elegantere Akteur im Abwehrzentrum gilt. Man lobt neben den Primärtugenden eines Verteidigers wie Zweikampfstärke und gute Antizipation von Spielsituationen auch seine gepflegte Ballführung und den sauberen Spielaufbau.

Schnell stellt sich dann aber die Frage, warum Hummels bislang in der Nationalmannschaft noch nicht so richtig zum Zug gekommen ist. Spöttisch wird das in Dortmund damit begründet, dass Bundestrainer Joachim Löw es halt nicht so weit nördlich schafft und sich bei der Zusammenstellung seines WM-Kaders deshalb für Serdar Tasci vom VfB Stuttgart entschied. Doch wenn man sich einige der Spieldaten anschaut, die Opta in dieser Bundesligasaison zusammengestellt hat, findet man dort auch handfestere Hinweise, warum die Haltung gegenüber Hummels teilweise reserviert war.

Mats Humels und die DFB-Elf

Bekanntlich legt Löw sehr viel Wert auf eine saubere Spielweise, und Hummels erfüllt diesen Anspruch auch, denn er foulte im Schnitt dieser Saison nur alle 77 Minuten. Seine Konkurrenten um die Innenverteidigerposition in der Nationalmannschaft schneiden jedoch deutlich besser ab: Heiko Westermann musste sich in dieser Saison durchschnittlich nur alle 98, Holger Badstuber nur alle 116 und Per Mertesacker sogar nur alle 450 Minuten mit einem Foul behelfen.
Ein weiteres wichtiges Kriterium für Innenverteidiger in der Nationalmannschaft ist, dass sie zum so schnellen wie kontrollierten Spielaufbau beitragen sollen.

Hier hat der Dortmunder den Nachteil, dass die Borussia einen etwas riskanteren Stil pflegt. So sind Hummels und Subotic das Innenverteidigerduo in der Bundesliga, das die meisten langen Pässe schlägt. Ligaweit führend ist Subotic (154), aber Hummels kommt auch noch auf die siebtmeisten langen Pässen (113). Interessant bei diesem Profil ist auch, dass Hummels bei den Pässen in die bzw. innerhalb der gegnerischen Hälfte eine sehr hohe Fehlpassquote von 42 Prozent hat. Sie erklärt sich leicht dadurch, dass viele Bälle mit hohem Risiko weit nach vorn gespielt sind.

Der neue Stil

Das jedoch ist nicht unbedingt der Stil, wie er im Nationalteam erwünscht ist, und erweist sich als Nachteil für Hummels. Doch spricht nichts dagegen, dass er sich an diese Spielweise anpasst. Bei seinen ersten beiden Einsätzen im Nationalteam war das Bemühen um kontrolliertes Aufbauspiel auch deutlich zu spüren. Überdies ist die Entwicklung von Mats Hummels noch lange nicht abgeschlossen. Und vielleicht tut sich auch beim BVB noch was zu seinen Gunsten. Denn vieles spricht dafür, dass Klopps Team seine überfallartige Spielweise noch weiterentwickeln wird.

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