Biermanns Musterprofi

Der Tempoverschlepper

Marcelo Bordon ist Mannschaftskapitän und gilt als Leistungsträger, als eine der Säulen im Schalker Team. Doch ein zweiter Blick zeigt: Letzte Saison lief nicht alles so wunderbar. Muss man seine Rolle einer Neubewertung unterziehen? Biermanns MusterprofiImago
Heft #80 07 / 2008
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Wenn die Fans des FC Schalke 04 über ihren Mannschaftskapitän reden, dann leuchten die Augen. Marcelo Bordon verkörpert für die meisten von ihnen, was sie unter einem echten Schalker verstehen. Mit großem Kämpferherzen geht der Innenverteidiger loyal seiner Arbeit nach. Ist der Brasilianer nicht verletzt (was relativ selten vorkommt) oder gesperrt (was ebenfalls nicht oft der Fall ist), gehört er in der Innenverteidigung zu den Säulen des Schalker Spiels. Das ist nicht verwunderlich, denn er bringt die unabdingbaren Voraussetzungen mit, die man im Abwehrzentrum braucht. Er hat mit 1,89 Metern nicht nur die richtige Körpergröße, sondern verfügt auch über eine beeindruckende Athletik.

Der knapp 90 Kilogramm schwere Bordon lässt gestandene Bundesligaspieler im Luftduell nicht selten wie unbedarfte Jugendkicker wirkten. Er ist insofern auch ein sehr brasilianischer Verteidiger, weil von diesen oft vor allem überragende Präsenz im Strafraum verlangt wird, dafür ihr Spiel nach vorne nicht sehr hoch entwickelt ist, wie man auch an Lúcio vom FC Bayern sieht. In der vergangenen Saison hat es zweifellos auch mit an Bordon gelegen, dass Schalke nur 32 Gegentore hat hinnehmen müssen, die drittwenigsten aller Bundesligisten. In der Defensive lagen die Probleme der Schalker also nicht, die zugleich jedoch nur 55 Treffer erzielten. Immerhin die Hälfte davon fielen nach Standardsituationen, wobei Bordon vor allem mit seiner Kopfballstärke gefährlich war und fünf Tore selber schoss und ein weiteres vorbereitete.

Querpassen und nach vorne dreschen


Doch genau dieses erfolgreiche Spiel nach dem ruhenden Ball täuschte zugleich über das spielerische Desaster in der letzten Saison hinweg. Aus dem Spiel heraus erzielten nämlich nur sechs Mannschaften noch weniger Tore als Schalke, die fünf Teams am Tabellenende und der Karlsruher SC. Wenn der neue Trainer Fred Rutten das Schalker Spiel einer Revision unterzieht, wird er auch die Abwehr genauer in den Blick nehmen müssen. Hatte man zu Beginn des letzten Jahres noch den Eindruck, dass Mirko Slomka den Spielaufbau von hinten heraus flüssig gestaltete, die Angriffe dann aber nach vorne verläpperten, änderte sich das Bild während der Saison. Zunehmend wurde schon das Spiel aus der letzten Reihe schleppend, und dabei fiel Marcelo Bordon negativ auf. Entweder passte er den Ball quer auf den Außenverteidiger Rafinha, oder er drosch gar lange Bälle in die Spitze, mit denen niemand etwas anfangen konnte.

Schaute man dann noch etwas genauer auf sein Defensivspiel, fiel auf, dass Bordons Timing nicht mehr so gut war wie früher. Vor allem verursachte er mehr Freistöße, als man von einem Mann seiner Klasse erwarten sollte. Schalke kassierte übrigens sieben Gegentore nach Freistößen, der FC Bayern hingegen nur eines, Werder Bremen und der Hamburger SV nur vier. Ob die erhöhte Zahl von Fouls nur Folge einer Formschwäche von Bordon war oder ob sich beim 32-Jährigen schon das Alter meldete, wird Rutten entscheiden müssen. Aber wenn er mit Schalke wieder näher an die absolute Spitze heranrücken will, wird er um eine Untersuchung von Marcelo Bordons Part in Defensive und Offensive nicht herumkommen.

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