Best of 2013: Mario Götzes Wechsel zum FC Bayern

Echte Liebe?

Die verrücktesten Transfers, die interessantesten Interviews, die schönsten Herzschmerz-Geschichten – zum Jahresende holen wir die besten Artikel des Jahres aus dem Keller. Diesmal: Götzes Wechsel zum FC Bayern!

»40 Millionen dürfen nie zur Norm werden!« Diesen Satz sagte Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern, kurz nach der Verpflichtung des Spaniers Javier Martinez. Da hatte sein Klub gerade unglaubliche 40 Millionen Euro an Athletic Bilbao überwiesen und über Nacht sämtliche Transfergrenzen in der Bundesliga gesprengt. Diese Summe war aber auch deswegen interessant, weil der FC Bayern offen zugab, dass man eigentlich zehn Millionen Euro zu viel bezahlt hatte. Doch was soll's.

Ist das fair? Was soll es!

Man mag es für Zufall halten, dass in diesen turbulenten Tagen rund um Uli Hoeneß nun wieder eine ähnliche Fantasiesumme durch die Schlagzeilen geistert. Laut »Bild« soll der FC Bayern 37 Millionen für Mario Götze an den Erzrivalen Borussia Dortmund überweisen. Der Mittelfeldmann wechselt damit zur kommenden Saison zum Rekordmeister. Dass diese Nachricht unmittelbar vor dem Champions-League-Halbfinale an die Öffentlichkeit gerät, hat indes einen faden Beigeschmack, den eines Ablenkungsmanövers, welches die Schlagzeilen auf Borussia Dortmund lenkt und beim Erzrivalen zwangsläufig für Unruhe sorgen wird. So schafft der Rekordmeister beim Konkurrenten im Handstreich gleiche Bedingungen wie im eigenen Lager. Ist das fair? Was soll's.

Der FC Bayern hat gestern noch gezeigt, wie man mit derart unangenehmen Situationen umgeht. So drohte der Klub, die Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel gegen Barcelona abzubrechen, wenn jemand Fragen zur Steuer-Causa Hoeneß stellen sollte. Auch eine Form der Meinungsmacht, die nun mit der vorzeitigen Veröffentlichung des Götze-Transfers wieder in entsprechende Bahnen gelenkt wurde.

Blanker Hohn

Der Transfer ist eben weit mehr als ein finanzielles Muskelspiel, er ist ein deutliches Ausrufezeichen. Denn der FC Bayern beweist, dass es für ihn auf dem Transfermarkt keine Grenzen mehr gibt. Finanzielle offenbar sowieso nicht. Aber plötzlich wirken auch Bekenntnisse, dass man keine »spanischen Verhältnisse« in der Bundesliga wünsche, wie blanker Hohn. Der FC Bayern wildert eben doch wieder bei der größten Konkurrenz und schwächt diese bewusst, um seine eigene Position zu betonieren. Übrigens: Auch Schalkes Julian Draxler soll bereits auf der Liste potenzieller Neuzugänge auftauchen.

Für Borussia Dortmund wird der Abgang Götzes zumindest mit einem warmen Geldregen belohnt. Der Klub kann sich nun seinerseits ein paar große Namen angeln. Doch wesentlich schmerzhafter ist wohl die Erkenntnis für Verein und Fans, dass der klubeigene Leitspruch »Echte Liebe« eben doch Grenzen kennt. Die Leitidee, die in den Klub übergegangen zu sein scheint, steht nur vor einem großen Fragezeichen. Die Frage ist: Wie lange kann man Spieler mit Liebe, Lust und einem Wahnsinnspublikum betäuben, bis auch sie den Regeln des Geschäfts folgen? Die Halbwertszeit für Emotionen scheint sich auch in Dortmund stetig zu verkürzen.

Auch der FC Bayern hat so ein Credo. Es heißt »Mia san mia«. Ein Selbstverständnis, dass der Transfer von Mario Götze zum Rekordmeister mal wieder deutlich unterstreicht.

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