Nach seiner Kündigung 1992 verabschiedete sich Økland langsam vom Fußball. Zwei Jahre lang betreute er nebenher die Nationalelf, doch noch während sich ehemalige Mitspieler von ihm in die Post-Fußballkarriere, in Sportschulen oder Lotto-Toto-Lokale verabschiedeten, nahm sein Leben richtig Fahrt auf. Er traf zwei alte Bekannte wieder und der eine sagte: »Lass uns eine Werbeagentur gründen«, und Økland nickte. Dabei hatte er keine Ahnung von Werbung. Sie nannten ihr Unternehmen »Pro et Contra« und sie veränderten die Werbung in Norwegen. Einmal, vor einer Wahl, ließen sie im »Stavanger Aftenblad« eine Anzeige drucken, in der nichts weiter stand als: »Auf zur Urne!« Dass es sich außerdem um ein Produkt handelte, das beworben wurde, war nicht sofort zu erkennen.
Der Chef der Pizzakette war so begeistert, dass er fragte, ob Økland bei ihm einsteigen wolle. Er sagte ja, dabei hatte er auch keine Ahnung von Gastronomie. Doch er wusste, dass die Norweger Pizza lieben, und so gehörte ihm plötzlich die Kette »Dolly Dimple’s«. Er verließ sie erst vor wenigen Jahren, als ihm über 80 Filialen und 1600 Mitarbeiter unterstanden. Zwischenzeitlich war er noch Chef einer Computerfirma und saß im Vorstand von über zehn verschiedenen Unternehmen.
Auf Hillesøy ist das alles weit weg. Bis vor kurzem hatten sie hier nicht mal einen Telefonanschluss. Das Haus befindet sich auf einer kleinen Anhöhe, früher stand an der Stelle der Bauernhof von Lauritz Klubben, einem bekannten norwegischen Widerstandskämpfer. Im Zweiten Weltkrieg gehörte Klubben einer Gruppe an, die Waffen von den britischen Shetlandinseln auf die umliegenden Fjorde schmuggelte. Zwei Wochen vor Ende des Krieges sandten die Nazis Boote zu der 200 000 Quadratmeter großen Insel aus, um Klubben festzunehmen. Eine Bekannte hatte ihn allerdings rechtzeitig informiert, und so flüchtete er über die andere Seite der Insel. Die Nazis brannten das Haus komplett nieder. Als Klubben nach dem Krieg heimkehrte, baute er es wieder auf. Økland hat ein Foto von ihm in der Wohnstube hängen.
Vom höchsten Punkt aus kann man über die Fjorde von Bømlo gucken. Der Aufstieg ist beschwerlich, denn die Insel ist sehr verwachsen. Wenn es geregnet hat und das Moos noch feucht und rutschig ist, muss man besonders auf den Steinen aufpassen. Doch wenn Arne Larsen Økland es geschafft hat, bleibt er manchmal Stunden hier. Die Landschaft sieht aus, als hätte jemand einen Filter darüber gelegt, wie das Setting von »Highlander« oder »Der Herr der Ringe«. »Schön«, sagt Økland, doch eigentlich ist das kein Ausdruck dafür.
Den Bauernhof hat er mit seinem Bruder restauriert. Im Schuppen steht ein 50 Jahre alter Trecker, im Bootshaus hängt seine Angelausrüstung. Økland hat mal die Europameisterschaft im Hochseeangeln gewonnen, irgendwo im Norden, am Polarmeer. Sein Lieblingsfisch ist der Dorsch, sein dickstes Exemplar wog 18 Kilogramm. Im Haus stehen Pokale von Angelwettbewerben, ein wenig versteckt hinter einer Treppe. Seine Frau mag die Pokale nicht. »Hochseeangeln ist manchmal echt gefährlich«, erzählt er dann. Vorgestern wäre in der Nähe beinahe ein deutscher Angler ertrunken, sein Boot war umgekippt, und er wurde erst nach zehn Stunden auf dem offenen Meer gefunden.
Schließlich holt er eine Angel aus dem Schuppen und gleitet zurück aufs Meer. Er stellt den Motor aus. Er sagt, er angele auch gerne Lachse. Sein Traum ist Alaska. Dann ist es ruhig. Arne Larsen Økland wirft die Schnur ins Wasser und wartet.