08.11.2012

Best of 2012: Zu Besuch bei Leverkusen-Legende Arne Larsen Økland

Lachsfischen In Hillesøy

Seite 2/3: Drei Tore gegen den FC Bayern
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Tommy Ellingsen

Der FC Bayern kam damals als Tabellenzweiter nach Leverkusen. Es war kalt, nur 15 000 Zuschauer verirrten sich ins Ulrich-Haberland-Stadion, und der unbekannte Norweger zerlegte den haushohen Favoriten im Alleingang. Zwischen der vierten und der 24. Minute gelang ihm ein lupenreiner Hattrick. In der zweiten Halbzeit schoss er sogar noch ein Tor – so entschied zumindest Schiedsrichter Udo Horeis. Als daraufhin die Bayern protestierten, kam Økland ins Grübeln. Er sagte dem Schiedsrichter, dass er nur das Außennetz getroffen hatte. Damit wurde er über Nacht zum Inbegriff des fairen Sportsmannes. Er erhielt säckeweise Fanpost. Nur der damalige HSV-Manager Günter Netzer echauffierte sich: »Das war unprofessionell.«

Jedes Mal, wenn Leverkusen auf Bayern trifft, wird Økland wegen dieses Spiels angerufen. Er soll erklären, wie das damals war. Er sagt dann: »Ich hatte das Glück, dass ich ein paar Minuten Zeit hatte, um über die Situation nachzudenken.« In Leverkusen lieben sie ihn deswegen bis heute. Kontakt zu den Mitspielern von damals hat er allerdings nicht mehr – es ist zu viel zu tun.
In den vergangenen Monaten hat er täglich zwölf bis 15 Stunden gearbeitet. »Ich liebe die Arbeit«, sagt er. Er hat in seinem Leben so viele Tätigkeiten ausgeübt, dass er beim Aufzählen oft durcheinander kommt.

Früher hat er manchmal überlegt, alles hinter sich zu lassen, die Zahlen, den Fußball, die Hektik, die Stadt. Einmal, als sie ihn in Norwegen bereits den »Pizzakönig« nannten, weil er mit einer Pizzakette sehr viel Geld gemacht hatte, sagte er zu seiner Frau, dass er mit 50 in Rente gehen wolle. Doch die Jahre vergingen schnell, zu schnell, und Økland wurde nervös. Als er 49 war, bekam er es mit der Angst zu tun, und am Tag seines 50. Geburtstags sagte er, dass er nie wieder Versprechungen machen werde. Mittlerweile ist er 58.

Kann er mit der Faust auf den Tisch hauen?

Bei Viking Stavanger ist er nicht nur Sportdirektor und Geschäftsführer, er ist Aushängeschild. Einer, an den sie ihre Hoffnungen geknüpft haben. An seiner Bürotür steht auf einem Schild »Direktøren«, sein Schreibtisch ist aufgeräumt, in einem Regal stehen 20, 30 Ordner, davor zwei schwarze Ledersofas, an der Wand ein Bild mit einem Leuchtturm. In den siebziger Jahren gewann der Klub viermal die Meisterschaft, der letzte Titelgewinn ist jedoch über 20 Jahre her. 2002 feierte man den letzten großen Erfolg. Viking schoss Chelsea aus dem UEFA-Cup. Danach kam nicht mehr viel. Der neue Sportdirektor soll den Klub wieder zu Norwegens Nummer zwei hinter Rosenborg machen, denn Stavanger hat großes Potential. Viele Ölfirmen sind in der Stadt ansässig, es gibt so gut wie keine Arbeitslosigkeit. Die Stadt ist aufgeräumt, an manchen Stellen sieht sie unwirklich aus, wie ein Modell.

Seit Arne Larsen Økland hier ist, spielt Stavanger gut. Kurz nach seinem Antritt legte das Team eine Serie von fünf Siegen in Folge hin. Die Fans mögen ihn, auch wenn er in den vergangenen 18 Jahren höchstens als TV-Experte mit dem Fußball in Berührung kam. Er gilt als integer und ehrlich. Er sagt: »Ich kenne sicherlich nicht alle Spieler, doch ich kann sie kennenlernen.« Nur: Kann jemand wie er auch unpopuläre Entscheidungen fällen? Kann er mit der Faust auf den Tisch hauen und sagen: »Such dir einen anderen Verein, Junge«?

Als er an diesem Freitag nach Hillesøy aufbrach, saßen die Spieler beim gemeinsamen Mittagessen. Gyan King, der Mann aus Ghana, sagte kumpelhaft: »Have fun!« Und Økland sagte väterlich: »Have luck!«

Zweimal hat er selbst erlebt, wie es ist, nicht mehr gebraucht zu werden. Einmal beim RC Paris, dort musste er nach zwei Spielzeiten gehen, weil das Rüstungsunternehmen »Matra« die beste Fußballmannschaft der Welt aufbauen wollte, und der norwegische Stürmer dafür zu verletzungsanfällig war. Ein anderes Mal hatte er als Trainer gearbeitet, 1992, ebenfalls bei Viking. Das Team hatte im Jahr zuvor die bis dato letzte Meisterschaft gewonnen, doch die Spieler waren jung, sie scheiterten an den Erwartungen. Økland wurde entlassen. »Das hat mich viele Wochen sehr beschäftigt«, sagt er. Sein Sohn, damals Teenager, hat bis heute nicht seinen Frieden mit Stavanger gemacht. Er ist Bryne-Fan und fand es nicht gut, als sein Vater zu Viking zurückkehrte.

 
 
 
 
 
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